Schweigen-Rechtenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Durchs Gartenjahr mit Martin Knies: Wie gießt man richtig?

Martin Knies in seinem Garten: Seine Tomaten gedeiehen auch ohne zusätzliches Wasser.
Martin Knies in seinem Garten: Seine Tomaten gedeiehen auch ohne zusätzliches Wasser.

In den Gärten von Martin Knies wächst das Gemüse und Obst jetzt üppig. Erntezeit ist täglich. Aber wie hält er es im Hochsommer mit dem Gießen auf so einer großen Fläche? „Ich gieße überhaupt nicht“, sagt er. Wie geht das?

Der 55-jährige Martin Knies ist gelernter Forstwirt und arbeitet seit 26 Jahren in der Stadtgärtnerei in Bad Bergzabern. Morgens ist sein erster Gang in den Garten, und nach Feierabend arbeitet er meist, bis es dunkel wird. Insgesamt wachsen auf den rund 800 Quadratmetern Obst und Gemüse. Jetzt im Sommer ist Martin Knies täglich mit der Ernte und deren Verarbeitung beschäftigt.

Die ersten Tomaten an fast 100 Pflanzen sind rot und werden nach und nach zu Tomatenmark oder Tomatensoße verarbeitet. Die Samen werden getrocknet, als Saatgut für das kommende Jahr. „Wenn ich überhaupt noch Saatgut kaufe, dann nur welches, das ich selbst vermehren kann“, sagt er. Nach Jahren der eigenen Saatgutvermehrung kann er jetzt sogar abgeben. Auch an den Verein „Freie Saaten“, in dem er Mitglied ist. „Die Kerne werden auf Pappkarton getrocknet, im Frühjahr kratze ich sie dann runter“, erklärt Knies seine Methode. Oder er lege sie zwei Tage in Wasser, siebe das Ganze dann ab und trockne sie ebenfalls auf Karton. „Diese Methode nutze ich, wenn ich das Saatgut weitergebe“, erklärt der Gärtner aus Leidenschaft.

Lehmboden und Sand

Die Kirschen sind schon abgeerntet, und hier hat er für das kommende Jahr einen Tipp gegen Wurmbefall. Gelbtafeln mit Leim, die es im Fachhandel gibt, in den Baum hängen. Und zwar dann, wenn die zunächst grünen Kirschen eine Gelbfärbung annehmen. Karotten, Kartoffeln und Mais stehen prachtvoll da, die Kohlrabiköpfe sind riesig.

Wie viel Wasser wohl gebraucht wird, damit in diesem Riesengarten alles wächst und gedeiht? Vor allem bei der derzeitigen Hitze, ohne Regen und ganztägiger Sonneneinstrahlung. Die absolut erstaunliche Antwort von Martin Knies: „Ich gieße gar nicht.“

Sein Boden in Schweigen sei Lehmboden, der bei Hitze Risse bilde, erklärt er. Er habe einige Zentimeter Sand auf den Boden aufgebracht. „Durch die Risse trocknet der Boden dann noch mehr aus, da hilft der Sand“, so die Erklärung des Gärtners. Und der Beweis ist schnell erbracht. Er entfernt wenige Zentimeter der sehr trockenen Oberfläche und tatsächlich kommt dunkle, feuchte Erde zum Vorschein. Ohne zu gießen. Diese Methode funktioniert jedoch nicht bei Töpfen oder in Hochbeeten. Im Garten klappt es bei Martin Knies selbst bei den Tomaten, die ja als sehr wasserhungrig gelten. Zusätzlich hackt er den Boden ungefähr einmal pro Woche oberflächlich leicht auf, dann schließen sich auch die Trocknungsrisse.

Schafswolle als Dünger

„Einmal gehackt ist fast so gut wie gegossen“, sei eine alte Gärtnerweisheit, sagt Martin Knies. Eines ist dem Gärtner ganz wichtig: Wer es nachmachen will, dann bitte erst im nächsten Gartenjahr. „Wer bis jetzt gegossen hat, sollte nicht umstellen, das funktioniert nicht“, mahnt er.

Bei Sandböden rät er, zunächst spatentief auszuheben, Kompost einzubringen und die Erde als letzte Schicht wieder darauf zu verteilen. „Mulchen funktioniert bei leichten Böden auch, dafür gibt es viele Möglichkeiten“, sagt Knies. Das Unkraut, das entfernt wird, kann als Mulch direkt im Garten bleiben. Rasenschnitt, Stroh oder Schafswolle sind ebenfalls geeignet. Durch das Mulchen wird Humus gebildet. Schafswolle ist gleichzeitig ein Langzeitdünger. Er habe auch schon ein Gewächshaus gesehen, das nur an den Längsseiten geschlossen war, da habe eine 20 Zentimeter dicke Strohschicht genügt, um die Tomaten nicht gießen zu müssen.

Martin Knies mulcht nicht, er bevorzugt den offenen Boden. Das bedeutet, die Erde zwischen den Pflanzen ist nicht bedeckt. Das, was er täglich an Unkraut entfernt, bekommen seine Hasen und Hühner. Der Vorteil: Weniger Schnecken, denn die fühlen sich im Mulch viel wohler. Einen Geheimtipp hat auch Martin Knies nicht, damit die roten, schleimig, gefräßigen Gartenbewohner weg bleiben. „Ich kenne viele, die sie durchschneiden“, erzählt er. Gärtnern, die regelmäßig gießen, rät er, die Pflanzen durch das Gießen zu erziehen. „Ich würde abends gießen, wenn die Sonne weg ist, dann einmal richtig und dann einige Tage Pause machen“, so Knies. Sonst blieben die Wurzeln der Pflanzen mehr an der Oberfläche anstatt in die Tiefe zu gehen, wo es feuchter sei. Amarant und Quinoa wachsen ebenfalls in seinem Garten, er benutzt sie als Zutat für den Brotteig.

Suche nach Sonnenblumenkernschälmaschine

„Rispenhirse braucht absolut kein Wasser“, weiß der Gärtner und zeigt die Pflanzen, die wie Mais aussehen, nur kleiner sind. Der Schwarzkümmel bildet gerade die Samen aus, zahlreiche Erd-Pelzbienen und Hummeln tummeln sich auf der Monada, deren Blätter man als Tee verwenden kann. Aber auch Martin Knies, der jede Pflanze mit ihrem lateinischen Namen kennt, lernt in jedem Gartenjahr dazu. In diesem Jahr hat er Kohl an den Rändern der Kartoffelreihen gepflanzt, um die Kartoffelkäfer fernzuhalten. „Das hat die Kartoffelkäfer überhaupt nicht interessiert“, hat er festgestellt. Ende August wird er für eine zweite Ernte noch mal Salat säen und Kohlrabi auspflanzen. Der Teufelsohrensalat, dem die spitzen Blätter, die oben rötlich gefärbt sind, seinen Namen gegeben haben, hat schon Samen gebildet. „Schönemanns“ Himbeeren wird er bis in den Oktober ernten können. Die Kerne der riesigen Sonnenblumen werden natürlich auch verwendet, aber das hat noch Zeit. „Ich suche noch eine kleine Sonnenblumenkernschälmaschine, sonst brauche ich nichts im Leben“, wünscht sich der zufriedenen Gärtner.

Termin

Für den Kurs „Was muss ich über meine Saat wissen und wie gewinne ich gutes Saatgut selbst“ lädt Martin Knies für den 10. September in seinen Garten ein, Anmeldungen über die Volkshochschule Bad Bergzabern

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Die Serie

Frisches Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten – viele träumen davon. Selbstversorgung ist zum Trend geworden, auch bei jungen Menschen. Martin Knies verbringt seine ganze Arbeits- und Freizeit im Grünen. Wir begleiten ihn durchs Gartenjahr. Für Hobbygärtner hält er einige Empfehlungen parat.

Der Beweis: Die Erde ist auch ohne Gießen feucht.
Der Beweis: Die Erde ist auch ohne Gießen feucht.
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