Südwestpfalz / Südpfalz
Drei Totfunde in vier Tagen: Was steckt hinter dem Maulwurf-Sterben?
Die Dimbacherin Ulrike Hoffrichter ist oft mit dem Rad in der Natur unterwegs. In der vergangenen Woche hat sie bei ihren Ausflügen aber drei Entdeckungen gemacht, die sie aufgewühlt haben. Drei tote Maulwürfe innerhalb von vier Tagen. Den ersten fand sie am Dienstag am Radweg zwischen Lug und Hauenstein, den zweiten am Mittwoch auf dem Radweg zwischen Schwanheim und Darstein und den dritten am Freitag auch mitten auf dem Weg nahe ihrem Heimatort. „Sie waren nicht mehr nackt, also schon so alt, dass sie krabbeln können. Sie sahen noch jung aus mit weichem, hellgrauen Fell“, berichtet die zweite Vorsitzende des Nabu Annweiler/Hauenstein, die sich selbst aber keinen Reim auf den Fund machen konnte. Weil auch ihre Nabu-Kollegen aus Landau urlaubsbedingt nicht verfügbar waren, wandte sie sich an die RHEINPFALZ.
Wir haben bei verschiedenen Stellen nachgehakt. Das Gros der Vermutungen zur Todesursache geht in die gleiche Richtung, aber ganz einig und sicher sind sich die Umweltschützer bei dem rätselhaften Fall auch nicht. Bei ihrer Internetrecherche sei sie darauf gestoßen, dass es an der aktuellen Dürre liegen könnte, sagt Hoffrichter. Diese Vermutung hegt auch der BUND Südpfalz. „Die momentane Trockenheit zwingt die Beutetiere des Maulwurfs in tiefere und feuchtere Bodenschichten hinab“, erklärt Regionalbüro-Leiterin Julia Dreyer. Er finde so weniger Nahrung. Zudem müsse der Maulwurf mehr Energie aufwenden, um sich durch den trockenen und harten Boden zu wühlen. „Es könnte also sein, dass die Maulwürfe an einem traurigen Zusammenspiel von Hunger und Erschöpfung gestorben sind“, so Dreyer, die allerdings darauf hinweist, dass der tatsächliche Grund nur durch eine veterinärmedizinische Untersuchung geklärt werden könne.
Tod durch Giftköder?
Sowohl der BUND-Kreisgruppe als auch dem -Landesverband seien jedoch keine anderen Meldungen toter Maulwürfe in jüngster Zeit bekannt. Deswegen gehe er nicht davon aus, dass Hitze die Todesursache war, sagt der erfahrene Haßlocher Naturschützer Oliver Röller. „Vielleicht wurden sie durch die Trockenheit aus dem Boden getrieben und dann überfahren“, mutmaßt er. Durch E-Bikes seien die Radler ja immer schneller unterwegs, und in der Morgendämmerung sehe man nicht so gut. Viele Eidechsen hätten in letzter Zeit auf diese Art ihr Leben verloren, berichtet er aus Erfahrung. Aber warum die Maulwürfe überhaupt auf den Radwegen unterwegs seien, ist ihm ein Rätsel. Vielleicht weil sie dort schneller vorankämen. Aufgrund der Funde nur in einer Region könnten aber auch Giftköder in Betracht gezogen werden. Das oft verwandte Rattengift sei allerdings sehr selektiv und töte nicht grundsätzlich alle Tierarten beim Verzehr.
Über die Auslage von Giftködern oder ein Krankheitsgeschehen im Kreisgebiet sei dem Veterinäramt und der Unteren Naturschutzbehörde nichts bekannt, teilt Thorsten Höh, Sprecher des Kreises Südwestpfalz, mit. Funde toter Maulwürfe seien der Kreisverwaltung ebenfalls keine gemeldet worden. Deswegen halten die Fachleute dort die Trockenheitstheorie für am wahrscheinlichsten. „Der Maulwurf kommt schwerer und zeitgleich an weniger Nahrung. Er kann dadurch aushungern“, so Höh.
Unter die Räder gekommen?
Diese Vermutung teilt auch Hendrik Geyer vom Artenfinder RLP, einem Kooperationsprojekt des Landes mit der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz. In dem Portal können naturinteressierte Menschen unter https://artenfinder.rlp.de/ ihre Beobachtungen aus der Tier- und Pflanzenwelt melden und damit den ehrenamtlichen und amtlichen Naturschutz unterstützen. Aus den letzten beiden Monaten lägen ihm lediglich sieben Totfunde zu Maulwürfen für ganz Rheinland-Pfalz vor und damit keine erhöhte Totfundrate, berichtet Geyer. Da es sich dabei jedoch um Zufallsfunde handele, sei dies keine Datengrundlage, die verlässliche Rückschlüsse erlaube.
Allgemein gesprochen, würden in den Sommermonaten vermehrt tote Jungtiere von Maulwürfen gefunden. Die jungen Maulwürfe wanderten für gewöhnlich im Juli aus den Elternbauen ab und etablierten eigene Reviere. „Dabei liegt die Todesrate recht hoch, da die kleinen Insektenfresser für viele Tiere eine willkommene Beute sind, etwa für Füchse, Greifvögel oder Katzen“, erklärt Geyer. Da es aber bereits Ende August sei, könnte es sich bei den südwestpfälzischen Funden auch um erwachsene Tiere handeln. Auch er hält es für wahrscheinlich, dass die Tiere mit den trockenen Böden Schwierigkeiten bekommen, da die Nahrungstiere wie Regenwürmer und Insekten unter den trockenen Bedingungen leiden. In solchen Fällen der Nahrungsknappheit komme es bei vielen Tierarten zur Abwanderung, was für Maulwürfe als potenzielle Beutetiere ein hohes Risiko darstelle. „Hier könnten auch die besagten Radwege eine Rolle spielen, da viele Tiere auf solchen überfahren werden.“
Was tun bei Totfunden?
Manchmal gebe es aber auch Katzen, die einzelne Tierarten besonders jagen. „Die Haustiere fressen die gefangenen Tiere in der Regel nicht und lassen diese meist nach erfolgreicher Jagd liegen“, sagt Geyer. Wildtiere hingegen würden einen gefangenen Maulwurf in der Regel fressen. Eine Aussage über jenen speziellen Fall zu treffen, sei schwierig: „Nahrungsknappheit, Jagddruck, Infektionen der ortsansässigen Population, aber auch Umweltfaktoren wie Trockenheit, Starkregen oder sehr kalte Winter können eine Rolle spielen“, resümiert er.
Und was soll man eigentlich tun, wenn man in der freien Natur oder im Garten einen toten Maulwurf findet? Leserin Ulrike Hoffrichter hat sie einfach liegen gelassen und damit alles richtig gemacht. „Im Falle solcher Totfunde ist nicht eigens jemand zu verständigen. Die verendeten Tiere können an der Fundstelle bleiben“, sagt Kreissprecher Höh. So blieben sie auch dem Naturkreislauf erhalten, ergänzt BUND-Regionalbüroleiterin Dreyer.