Offenbach RHEINPFALZ Plus Artikel DKMS: Südpfälzer wird durch Stammzellen-Spende zum Retter in der Not

Kevin Bentz gehört zu den Auserwählten, die einem fremden Menschen durch ihre Stammzellen-Spende neue Kraft geben können.
Kevin Bentz gehört zu den Auserwählten, die einem fremden Menschen durch ihre Stammzellen-Spende neue Kraft geben können.

Kevin Bentz kann für die DKMS als Sechser im Lotto bezeichnet werden. Der Offenbacher hat durch seine Stammzellen-Spende einem Fremden eine zweite Chance gegeben. Seitdem sieht der 28-Jährige das Leben selbst mit anderen Augen.

Teureres Gemüse, Probleme mit dem Handy-Anbieter, schlechtes Wetter – es werde im Alltag viel und oft gemeckert, weiß Kevin Bentz. Der Offenbacher selbst möchte gelassener sein. Und – wie abgedroschen es auch klingen mag – das Leben mehr genießen. Er ist mit 28 Jahren noch jung genug, um neue Abenteuer zu erleben. Er hat einen Job – als Projektleiter konzipiert er für Kunden Lichtanlagen. Vor allen Dingen aber sei er gesund. Und das sei das, was wirklich zähle im Leben. Gebe es doch viele Menschen, die das nicht von sich behaupten können. Wobei manchen von ihnen geholfen werden kann, Blutkrebspatienten etwa. Nur ist das dann die bekannte Suche nach der Nadel im Heuhaufen: Unter Millionen von möglichen Stammzellen-Spendern, die weltweit bei der DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) registriert sind, kann manchmal nur einer ihnen neue Hoffnung geben. Und so eine besondere Person, laut der DKMS der Sechser im Lotto, ist eben Kevin Bentz.

Der Offenbacher erzählt, dass die vergangenen Wochen für ihn einer Achterbahnfahrt der Gefühle glichen. Angefangen habe alles Ende vergangenen Jahres mit einem Anruf. Es meldete sich ein Mitarbeiter der DKMS. So nennt sich die bekannteste gemeinnützige und weltweit tätige Organisation, die Stammzellenspender registriert. Mit dem Ziel, Blutkrebspatienten mit einer Transplantation eine Heilung zu ermöglichen.

Marketing der DKMS macht sich bezahlt

„Das Motto der DKMS hatte ich schon lange Zeit im Kopf“, verrät Kevin Bentz. Wer kennt den Spruch nicht: Stäbchen rein, Spender sein. Aber so verbreitet und bekannt dieser Slogan auch ist, brauchen viele Menschen erst mehrere Schubser, um mitzumachen. So erklären sich manche erst dann dazu bereit, zum Wattestäbchen zu greifen, wenn sie von Schicksalen erfahren. Diese werden landauf, landab in regelmäßigen Abständen anlässlich von Spendeterminen vermittelt. Typisierungsaktionen werden sie genannt, bei denen möglichst viele neue Spender dazu gewonnen werden sollen. Bei Kevin Bentz dagegen hat sich das Marketing der DKMS bezahlt gemacht. Als er zum wiederholten Male über eines ihrer Werbeplakate stieß, habe er dann einfach entschieden, es anderen Menschen gleichzutun, seinen Eltern und Freunden etwa. Drei Jahre ist das nun her. Dass daraus mehr werden könnte als ein Dankesschreiben der DKMS, das er damals im Anschluss erhielt, damit hatte er nie gerechnet.

Südpfälzer möchte für DKMS werben

Skeptisch war er selbst Ende vergangenen Jahres, als er durch den Anrufer erfuhr, dass er in der engeren Auswahl ist. Kein Wunder: Nur ein Prozent der Spender erreicht nach der Probe diese beziehungsweise die letzte Runde, wie DKMS-Sprecherin Julia Ducardus informiert. Dann, wenn feststeht, dass die Gewebemerkmale übereinstimmen und der Spender gesund und weiterhin bereit ist, die Ärmel hochzukrempeln. Die Spende erfolgt nämlich meist ambulant, ähnlich wie bei einer Blutspende – für die ebenfalls ständig die Werbetrommel gerührt werden muss.

Bei Kevin Bentz sah die Sache etwas anders aus. Ihm wurde unter Vollnarkose zirka ein Liter Knochenmark-Blut-Gemisch entnommen, und zwar aus dem Beckenkamm. In nur zehn Prozent der Fälle kommt es zu solch einem Eingriff. Nur dann, wenn der betroffene Patient besonders geschwächt und die langsamere Methode erfolgversprechender ist. Gemein haben alle Patienten, dass ihr Immunsystem vor der Transplantation heruntergefahren wird, damit es die neu aufzunehmenden Zellen nicht abstößt.

Wer der Empfänger der DKMS-Spende ist

Für Kevin Bentz war der Eingriff unspektakulär, wie er erzählt. „Es fühlt sich nur so an, als ob ich mir eine Prellung am Steißbein zugezogen habe.“ Er sei generell überrascht darüber, wie gut er während des ganzen Prozesses – von der Erstkontaktaufnahme bis zum Termin in der Klinik Anfang dieses Jahres – von der DKMS und den Medizinern betreut, untersucht und aufgeklärt wurde. Diese optimale Begleitung habe ihm die Angst vor der Spende genommen. „Klar, ich war lange Zeit nur motiviert und glücklich darüber, einem wildfremden Menschen etwas Gutes tun zu können“, sagt Kevin Bentz. Doch je näher der Termin des Eingriffs rückte, je ernster die Sache wurde, umso mehr Respekt habe er auch davor gehabt.

Umso glücklicher war er, als er erfuhr, dass der Empfänger ein Jugendlicher aus Tschechien ist. „Eine Person also, die noch ihr Leben vor sich hat.“ Wenn es die Möglichkeit zulasse, werde er mit der Person in Kontakt treten. Wegen des Datenschutzes, der laut der DKMS je nach Herkunftsland des Empfängers besonders streng sein könne, geht das nicht ganz so schnell und einfach.

Schlussendlich ist Kevin Bentz glücklich darüber, solch ein prägendes Erlebnis gemacht zu haben. Andere könne er nur dazu ermutigen, sich in der Spenderdatei der DKMS aufnehmen zu lassen. Es gehe doch so einfach und schmerzfrei, sowohl die Probe, die man auch zu Hause machen kann, als auch die Spende selbst. Wenn es die Gegebenheiten zulassen, möchte er für die Organisation an Grundschulen und in anderen Einrichtungen über seine Lebenserfahrung sprechen.

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