Offenbach
Diycon präsentiert bei erster Fachmesse Fusionsgeräte für Jäger
Im Offenbacher Gewerbegebiet gibt es ein Firmengelände, auf dem unterschiedliche Produkte hergestellt werden, die nichts miteinander zu tun haben, etwa Gartenartikel aus Metall, Kaminholzregale und Hochbeete. Es zeigt, in welch unterschiedlichen Geschäftsfeldern die Unternehmensgruppe Geiger Metallbau tätig ist. An ihrem Standort verarbeitet sie dabei jedes Jahr rund 3000 Tonnen Stahlblech. Nun veranstaltet sie erstmals eine Fachmesse, in der sie eine andere Sparte in den Blickpunkt rückt, die noch weniger mit den besagten Waren zu tun hat. Ein Bereich allerdings, in den sich Geschäftsführer Tobias Geiger reingekniet und dabei eine Marktnische entdeckt hat.
„Mich hat es immer fasziniert, Licht ins Dunkel zu bringen“, schickt der 42-Jährige voraus. Diese Begeisterung weckte später das Interesse für die Jagd und mündete letztlich in die Produktion von elektronischer Ausstattung, die die Marke Diycon trägt und primär für Jäger gedacht ist. Optronik, also die Verbindung von Optik und Elektronik, lautet der Oberbegriff für jene Gerätschaften. Sie sollen helfen, Tier und Mensch in der Nacht besser identifizieren oder überhaupt erkennen zu können. Das Besondere: Die Objektive sind eine Kombination aus Nachtsicht- und Wärmebildgerät. Heißt, dass Mensch und Tiere auf dem Bildschirm nicht nur in Pseudofarben erscheinen, also in schrillen, für Wärmebildkameras typische Farben, die von Magenta über Blau, Grün und Rot bis hin zu Gelb reichen. Sie ermöglichen außerdem, Details zu erkennen, bei Menschen etwa Gesichtszüge, bei Tieren können Rückschlüsse auf Rasse und Alter gezogen werden, versichert Tobias Geiger.
Neue gesetzliche Regeln wertvoll
Dass Jäger auf solche technischen Geräte zurückgreifen, ist nicht selbstverständlich. Erst als die Afrikanische Schweinepest vor einigen Jahren aufkam, wurde die gesetzliche Regelung gelockert und die Nutzung dieser Hilfsmittel erlaubt. Allerdings gelte das nur für die Beobachtung und Erlegung von Schwarzwild, weiß Geiger, selbst Jäger mit zwei Revieren.
Für den 42-Jährigen gibt es keine nachhaltigere und ehrlichere Fleischgewinnung, welche umgekehrt die Massentierhaltung eindämmt. Zumal Jäger wichtige Funktionen übernähmen: Sie hätten ein Auge auf die Populationen, damit sie nicht unkontrolliert zunehmen. Auch würden sie nicht wahllos herumschießen, sondern darauf achten, Leittiere innerhalb einer Rotte am Leben zu lassen. Damit sie die Jüngeren in Schach halten und Schäden auf Äckern von Landwirten verhindern.
Neue Logistikhalle wurde benötigt
Der Südpfälzer greift bei seinem Hobby auf seine Geräte auch dann zurück, wenn er das Wild nur beobachten möchte. Die Jagd sei für ihn schließlich ein Ausgleich zu seinem Alltag, der vom Geschäftlichen bestimmt wird, seitdem er den Familienbetrieb übernommen hat. Wobei er schon in der Zeit davor, parallel zu seinem Studium im Bereich Maschinenbau und Betriebswirtschaftslehre, Fuß gefasst hatte in dem Betrieb, den sein Vater in den 70er-Jahren noch als reine Schlosserei in Hainfeld gegründet hatte.
Anfang der 90er-Jahre kam der Umzug nach Offenbach, der Stahlbau wurde ausgeweitet. Zu den jüngsten Investitionen der Unternehmensgruppe zählt der Bau der neuen Logistikhalle, in die sie anderthalb Millionen Euro gesteckt hat und die im Zuge der Fachmesse eingeweiht wird. Sie dient nicht nur als Servicewerkstatt. Wie Tobias Geiger berichtet, wird ein Großteil der Ware, die vor Ort produziert und über Baumärkte und den eigenen Online-Shop vertrieben wird, vom Unternehmenssitz in Offenbach zu den Kunden geliefert, weshalb ausreichend Lagerkapazitäten benötigt werden.
Auch die Bundeswehr wird beliefert
Auf dem Papier ist die Firma Diycon seit mehr als zehn Jahren Teil der Geiger-Gruppe, die etwa 35 Angestellte beschäftigt und im vergangenen Jahr einen Umsatz im niedrigen einstelligen Millionenbereich erzielte. Diycon steht dabei für das englische Do-it-yourself-concept, was übersetzt so viel heißt wie ein Konzept für Tätigkeiten, die einer selbst ohne professionelle Hilfe ausführen soll oder kann. Erst vor zwei Jahren hat Tobias Geiger eine Marktlücke ausgemacht und die eingangs beschriebenen Nachtsicht- und Wärmebildgeräte zusammengeführt, sodass sie in Europa gefragt seien. Dadurch weckt die Optronik aus ihrem Hause Begehrlichkeiten, auch bei Behörden oder Institutionen, die im Sicherheitssektor beziehungsweise militärischen Bereich tätig sind.
Sobald die Fusionsgeräte über ein Fadenkreuz und eine Schnittstelle für Waffen wie Sturmgewehre verfügen, sind sie verboten und dürfen nicht in den privaten Handel. Es muss lückenlos dokumentiert werden, dass sie an Behörden verschickt werden, informiert Tobias Geiger.
Bei der bevorstehenden Fachmesse, die in der Region sowohl erstmals stattfindet als auch einmalig ist, steht die Jägerausrüstung im Fokus. Zwischen 15 und 20 Unternehmen sind eingeladen, Produkte vorzustellen, die auf neuer Technologie basieren. Zu sehen sein werden nicht nur spezielle Rucksäcke und ein Offroad-Fahrzeug. Präsentiert wird auch ein Container, der neben einem Raum für die Schlachtung auch eine Kühlzelle hat.
Info
Die neue Jagdmesse unter dem Titel Hun-tec ist am Donnerstag und Freitag, 21. und 22. September, jeweils von 15 bis 22 Uhr auf dem Gelände der Geiger-Gruppe, Im Schlangengarten 64, in Offenbach.