Kreis Südliche Weinstraße Dieselbe Sprache sprechen

Konzentriert studieren fünf Jugendliche in der Volkshochschule (VHS) Bad Bergzabern im alten Rathaus die RHEINPFALZ. Sie kommen aus China, Spanien, Polen und Russland und haben in den Osterferien 40 Stunden an einem Sprachförderkurs teilgenommen. Es ist ihre letzte Stunde. Als Projekt innerhalb des Kurses wurde das Lesen der RHEINPFALZ geübt.
Die Angst oder Unsicherheit vor dem Sprechen der fremden Sprache zu verlieren, ist das Ziel von Lehrerin Bianca Plies. „Voraussetzung dafür, den Kurs besuchen zu dürfen, ist, dass die Schüler weniger als ein Jahr in Deutschland sind“, erläutert Bernhard Hülswitt, der Leiter der VHS. An diesem Kurs haben sechs Jugendliche teilgenommen, mehr als zehn sollten es nicht sein. Mit gut 1000 Euro habe das Bildungsministerium Rheinland-Pfalz den Kurs zur Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationsgeschichte gefördert, die Summe decke die Unkosten, so Hülswitt. An der Südlichen Weinstraße werden diese Feriensprachförderkurse lediglich in Landau und in Bad Bergzabern angeboten, in der Kurstadt zum zweiten Mal, der erste Kurs war 2012. Für den 15-jährigen Peng Ju aus China ist es schwer, deutsch zu lernen. Er ist mit seiner Familie vor vier Monaten nach Deutschland gekommen. „Es gibt keine Parallelen zwischen der chinesischen und der deutschen Sprache, das macht das Lernen so schwierig. Wenn es sprachliche Parallelen gibt, geht es schnell“, ist die Erfahrung der Lehrerin. Trotzdem liest Peng Ju recht fließend und nimmt eines seiner drei verschiedenen Wörterbücher zu Hilfe, um anschließend zu erklären, was er gerade gelesen hat. Der 16-jährige Kelvin und der 14-jährige Jaleel sind Brüder und kommen aus Spanien. Kelvin möchte Fotograf und Jaleel Architekt werden. Der Bericht in der RHEINPFALZ über das Fußballspiel Bayern gegen Real Madrid interessiert sie und sie lesen den entsprechenden Artikel aus dem Sportteil vor. Bianca Plies hakt nach, um festzustellen, ob sie verstanden haben, was sie vorgelesen haben. „Warum ist Herr Rummenigge angriffslustig?“, fragt die Deutschlehrerin, die am Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern unterrichtet. Die Antwort von Kevin und Jaleel ist klar: Weil Bayern gewinnen muss. Die elfjährige Vassilisa kommt aus Jekaterinburg im Ural, ist seit acht Monaten in Deutschland und spricht schon sehr gut deutsch. „Meine Mutter und mein Vater lernen auch deutsch“, erzählt sie und liest einen Artikel über den ersten Tag im Queichtalbad vor. „Die hatten Spaß im Wasser“, fasst sie das Gelesene zusammen. Den Boxkampf von Wladimir Klitschko hat sich der 16-jährige Jawil aus Polen ausgesucht. „Ich will Kriminalpolizist werden, dafür muss ich gut deutsch können“, sagt er. Aber er kann sich auch vorstellen, Automechaniker zu werden. Allein die sprachlichen Anforderungen in der neuen Heimat sind für die Jugendlichen hoch. Aber alle sind mit Feuereifer dabei und es wird auch viel gelacht. „Man muss bedenken, dass sie in der Schule mindestens noch eine zweite Fremdsprache lernen“, sagt Bianca Plies. Aber auch sie lernt dazu. „Wenn auf einem Foto in der RHEINPFALZ etwas in russisch oder chinesisch geschrieben ist, können Vasilisa und Peng Ju es übersetzen“, erzählt sie. Der Abschied an diesem letzten Tag des Sprachkurses und dem letzten Ferientag ist vielsprachig: Doswidanja, hasta luego, do widzenia, zài jiàn und Auf Wiedersehen. (pfn)