Kreis Südliche Weinstraße Die Schildkröte auf dem Geierfelsen

Der Blick vom Plateau ins Land ist wunderschön.
Der Blick vom Plateau ins Land ist wunderschön.

Mit Werner Carl, Sohn des Heimatschriftstellers Victor Carl, treffe ich mich am Wanderparkplatz unweit von Lug an der L 495. Die Straße überqueren und einige Meter nach rechts laufen, dann führt ein geschotterter Weg in den Wald in Richtung Geierfelsen, auch Geiersteine genannt, die schon von hier unten aus gut zu sehen sind. Die Sonne scheint, weiße Wolken ziehen am Himmel entlang – es ist das ideale Wetter, um sich eine Portion #SchönePfalz abzuholen. Carl tut das oft, begeistert ist er auch mit dem Mountainbike unterwegs, heute bewegen wir uns aber auf Schusters Rappen zwischen den Bäumen. Denn die Radsportler sollten sich nicht auf schmalen Wegen tummeln, um Kollisionen zu vermeiden. Und der Weg zum Geierfelsen ist nicht lang, tatsächlich schmal, aber gut zu laufen. Am Anfang liegt ab und an feiner Sand auf dem Pfad, und ehe man sich versieht, ist man – zugegebenermaßen ein wenig schnaufend ob des steilen Anstiegs – ganz schnell am Ziel. Was sich zuvor schon zwischen den Stämmen nicht nur an kleinen, gelben Schildchen für den Geiersteine-Wanderweg angedeutet hat, liegt nun vor uns: „ein Buntsandstein-Monument“, wie Carl es nennt, das nicht nur bei Wanderern als Aussichtspunkt, sondern auch bei Kletterern beliebt ist. Vom einfachen dritten bis zum schweren neunten Grad führen Routen an den einzelnen Teilen der Formation hinauf, die Geierturm, Geierkopf und Geierschnabel genannt werden. Dazwischen liegt das Luger Tor, ein Durchgang, neben dem man sich ganz klein fühlen kann, weil links und rechts die hohen, rauen Felstürme aus Buntsandstein aufragen. Wer es aber weniger mit Karabinerhaken, Helm, Seil und sonstigem Sicherungsgerät hat, hat es bei den Geierfelsen gut. Denn einmal vom Luger Tor aus nach links gewendet, führt ein Weg entlang des Felsens in einer Schleife nach oben. Es ist eine Art Rampe, die bis hoch hinauf aufs Plateau führt. Noch eine kleine Steintreppe hinunter und schon liegt ein fantastisches Panorama vor mir und Werner Carl. Weit, bis zu den nördlichen Vogesen, reicht der Blick bei klarer Sicht, Dimberg und Neselberg, Engelmannsfelsen, aber auch der Trifels bei Annweiler sind zu erkennen. Die Geierfelsen laden mich und Carl zum Verweilen ein. Der 60-Jährige, der fasziniert von dem schroffen, zerklüfteten Sandstein ist, packt Wegzehrung aus. Apfelschorle, Kräcker und Süßes gibt es. Und die Geierfelsen sind sogar so nett, sie stellen uns gleich noch einen natürlichen Steintisch zur Verfügung, der aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet wie eine ziemlich große Schildkröte aussieht. Am Fels wachsen Hungerkiefern und Heidekraut. „Es ist faszinierend, wie sie sich hier auf dem kargen Boden halten können“, sagt Carl. Ihre Wurzeln klammern sich auf einer dünnen Schicht Erde am Stein fest. Hier oben erzählt Carl mir dann auch, was ihn ganz besonders mit den Geierfelsen verbindet. „Hier beginnt mein Pfalz-Krimi ,Mord am Geierfelsen’.“ Es ist das erste Buch, das Carl geschrieben hat. Ermitteln lässt er darin sein Alter Ego, Karl Kerner. Das Titelbild des Romans hat sein Sohn Robert geschossen, es zeigt natürlich die Geiersteine. Der Kommissar, der gerne „Pälzisch babbelt“ und wie sein Erfinder mit Vorliebe mit dem Mountainbike unterwegs ist, stößt auf einer eben solchen Tour am Fuße der Geierfelsen auf eine Leiche. Einen Jäger hat’s erwischt – und das ausgerechnet in Kerners Zuständigkeitsbereich. Viel mehr soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden, nur noch, dass die Wertschätzung für den Pfälzerwald und die Umgebung deutlich herauszulesen ist. Und für Zugezogene bietet Carl noch ein Glossar mit Erklärungen für „borzle“ und „Gutsel“ und beschreibt die wichtigsten Pfälzer Gerichte. Man könnte sich also gut vorstellen, sich mit dem „Mord am Geierfelsen“ auf den wunderbaren Geierfelsen zu setzen, zu lesen und immer mal wieder den Blick ins Weite schweifen zu lassen. So wie es auch Kommissar Kerner kurz vorm großen Finale tun will, um seine Gedanken im Fall um den erschossenen Jäger zu sortieren. Friedlich dagegen endet unsere Wanderung zum Geierfelsen mit dem kurzen Rückweg zum Parkplatz. Die Geierfelsen könnten mich bald wiedersehen. Zum Klettern oder, weil es dort oben einfach schön ist. #SchönePfalz eben.

Die Geiersteine-Tour weist Wanderern den Weg.
Die Geiersteine-Tour weist Wanderern den Weg.
Der zerklüftete, raue Buntsandstein fasziniert Werner Carl.
Der zerklüftete, raue Buntsandstein fasziniert Werner Carl.
Autor und Wanderführer des Tages: Werner Carl.
Autor und Wanderführer des Tages: Werner Carl.
Aus der richtigen Perspektive betrachtet wird aus einem natürlichen Steintisch eine Schildkröte.
Aus der richtigen Perspektive betrachtet wird aus einem natürlichen Steintisch eine Schildkröte.
Mehr zum Thema
x