Kreis Südliche Weinstraße Die Innenstadt soll lebendiger werden

„Demokratie lebt vom Interesse und Engagement gut informierter Bürger“, sagte Bürgermeister Fred-Holger Ludwig (CDU) gestern Abend beim Neujahrsempfang der Stadt im voll besetzten Haus des Gastes. Ludwig möchte aus dem ehemaligen Bürgerstammtisch eine Interessensgemeinschaft „lebens- und liebenswertes Bad Bergzabern“ machen, in die sich alle Bürger einbringen können.
Der erste Schritt in diese Richtung soll am Mittwoch, 4. Februar, 19 Uhr, im Haus des Gastes gegangen werden. Ludwig lud zu einer Bürgerinformationsveranstaltung ein, bei der die Stadtspitze Rede und Antwort stehen werde, versprach er. Es war Ludwigs erster Neujahrsempfang als Stadtoberhaupt. Er begann ihn mit einer Gedenkminute für die Pariser Terroropfer, nachdem er Gäste aus Weißenburg und dem Elsass begrüßt hatte. Eine Stadt könne nur lebendig sein, wenn sie attraktiv sei und den Menschen etwas zu bieten habe. Früher seien vor allem Markt und Handel die Zugkräfte gewesen. Doch Einzelhandelsangebot und Verbraucherverhalten hätten sich deutlich verändert. „Wenn wir mehr Leben in unserer Innenstadt wollen, müssen wir außer dem verbliebenen Fachhandelsangebot auch alle anderen Angebote stärker nutzen, die als Zugkräfte für eine Innenstadt wirken“, sagte Ludwig. Er nannte Gastronomie, Kultur- und Bildungseinrichtungen, Vereine, Kirchen, Physiotherapeuten, Ärzte , Anwälte Anwalts- und Steuerberater. „Ein besonderer Schatz ist unsere Innenstadt mit ihren historischen Gebäuden. Diesen Schatz wollen wir heben, das heißt zur Wertschöpfung machen“, kündigte Ludwig an. Die Stadtspitze wolle kein totes Architektur-Museum, sondern über Jahrhunderte gewachsene Häuser mit Charakter und Leben in ihren Mauern. Dafür brauche es eine hohe Aufenthaltsqualität, eine gepflegte Atmosphäre. In der kurzen Zeit seit dem Amtsantritt habe die Stadtspitze bereits Teilerfolge erzielt. So seien mit Hilfe des Stadtplaners verschiedene Modernisierungen geplant und durchgeführt worden. Ludwig nannte das neue Pflaster in Eichamts-, Markt- und einem Teil der Königstraße. Auch seien die Sanierungsarbeiten am Storchenturm und am Stadtmauerrundweg weit fortgeschritten. Ludwig bedauerte es, dass die Kreisspitze das Kreisaltenheim geschlossen habe. „Denn jetzt müssen wir sie davon überzeugen, dass es sozial notwendig und menschlich verpflichtend ist, uns das kreiseigene Gelände für den Bau eines modernen Pflegeheims zu überlassen, damit uns die Liebenaustiftung dort ein solches hinstellt.“ Die Kombination von Jugend- und Seniorenarbeit unter Einbindung des Jugendhauses hob Ludwig ebenso hervor, wie das vom Stadtrat verabschiedete „Seniorenpolitische Konzept“. Ludwig bekräftigte, dass es sein Ziel sei, Bad Bergzabern ins Netzwerk „Gesunde Städte“ zu bringen: „Die Kombination aus seniorenpolitischem Konzept und Mitgliedschaft im Netzwerk ,Gesunde Städte’ bedingen aber auch den Erhalt des höchsten Prädikats eine heilklimatischen Kurortes.“ Dafür sei die Ortsumgehung mittels Tunnel notwendig. Zum Schluss wagte der Stadtchef noch einen Ausblick. Bad Bergzabern ist mit 15.259.603 Euro verschuldet. „Wir müssen alles versuchen, um die Entwicklung unserer Stadt voranzubringen, ohne die Schuldenfalle zuschnappen zu lassen“, sagte Ludwig. Er habe die Vision, dass sich Bad Bergzabern in den nächsten Jahren zu einer für alle Generationen lebens- und liebenswerten Stadt entwickele. „Hierzu benötigen wir allerdings die Tunnelvollendung vor Ende der Amtsperiode 2019, eine saubere und geschäftige Innenstadt und einen Anschluss an das Technologiezentrum Karlsruhe durch eine Elektrifizierung der Strecke durch eine Stadtbahn nach Karlsruhe.“ Die Neujahrsansprache wurde von einem bunten Programm umrahmt. Der Petronella-Chor unter der Leitung von Jutta Jäger sang, ebenso wie „Voice of Germany“-Teilnehmer Philipp Rodrian, der mit dem Gitarristen Benedikt Broda auftrat. Musikalisch eröffnet und abgeschlossen wurde der Empfang von Helmut Breuner (Trompete) und Peter Kusenbach (Klavier). Die Nachwuchsturner des Turnvereins unter der Regie von Gaby Hüther und Beate Jacoby begeisterten die Gäste. Oberstleutnant Wolfgang Eder stellte das Elektronikzentrum der Bundeswehr vor, und Märchenfee Sulamay Fillinger führte in die Märchenwelt zum Jahresanfang ein. (jpa)