Kreis Südliche Weinstraße Die gute Seele des Turnvereins
Bad Bergzabern. „Bewegung ist das A und O“, ist das Motto von Antonie Körner, das sie nicht nur im wörtlichen Sinn umgesetzt hat. 40 Jahre lang war sie Geschäftsführerin des Turnvereins Bad Bergzabern, der mit heute 1700 Mitgliedern Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Für ihre Verdienste wurde Antonie Körner gestern im Innenministerium in Mainz die hohe Auszeichnung des Sport-Obelisken verliehen. Am kommenden Samstag wird sie vom Turnverein offiziell verabschiedet.
Sie ist ein Energiebündel, Probleme sind für sie eine Herausforderung, die es zu meistern gilt. „Ich bin halt so, man muss sich selbst fordern“, sagt die 76-Jährige über ihren bemerkenswerten Elan. Und dass ihr die Entscheidung nicht leicht gefallen sei, als Geschäftsführerin aufzuhören: „Ich habe es gerne gemacht.“ Sie wird weiter zur Verfügung stehen, wenn ihr Rat gebraucht wird und natürlich weiter in der Gymnastikgruppe in Bewegung bleiben. Antonie Körner wurde in Bad Bergzabern geboren. Als der Turnverein nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1950 neu gegründet wird, ist sie zehn Jahre alt und wird Mitglied. 1951 ist sie Vorturnerin beim ersten Fest der Böhämmer in Bergzabern auf einer Bühne am Schwanenweiher. Turnen ist ihre Leidenschaft, sie erinnert sich an das Deutsche Turnerfest 1958 in München: „Das war ein Erlebnis, wir haben ein ,Sehr gut’ für Geräteturnen bekommen.“ Die Turnhose, die sie bei dieser Vorführung getragen hat, besitzt sie noch. 1959 heiratet sie Peter Körner, das Paar bekommt drei Kinder und hat heute sieben Enkel und einen Urenkel. 1972 wird Antonie Körner Mitglied des Turnrats, dem leitenden Gremium des Turnvereins, 1974 Geschäftsführerin. Zu Beginn ihrer Tätigkeit hatte der Verein rund 350 Mitglieder und vier Abteilungen, heute sind es zirka 1700 Mitglieder und mehr als zehn Abteilungen, aus denen schon Spitzensportler hervorgegangen sind. Im Vorstand arbeitet sie mit dem ersten Vorsitzenden Werner Kerth und Klaus Janson zusammen. Und mit den Abteilungsleitern, die bei den Sitzungen dabei sind. „Ich schreibe noch viel mit der Schreibmaschine, nutze aber auch den Computer“, sagt sie im Arbeitszimmer in ihrem Wohnhaus, in dem alles fein säuberlich geordnet ist. Und in dem viele Auszeichnungen hängen. Sie findet Unterlagen mit einem Handgriff. Buchhaltung, Versicherungen, Finanzamt, Gemeinnützigkeit, Mitgliedsbeiträge, Bauangelegenheiten, neue Kurse, Kontakte zu Sportverbänden. Die Liste des umfangreichen Aufgabengebiets der Geschäftsführerin ist lang. Die Organisation der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehens des Turnvereins 1982 gehörte auch dazu. „Es war ein Riesenprogramm mit einem großen Spielfest im Kurpark, der ersten grenzüberschreitenden Radtouristikfahrt und einem Galaball mit kaltem Buffet und einer Showband“, erinnert sie sich an die umfangreiche Organisation inklusive der rund 150-seitigen Festschrift. Für die Buchhaltung hat Antonie Körner, die Buchhalterin gelernt hat, ein eigenes System entwickelt. Für jede Abteilung des Turnvereins gibt es ein Kontenblatt, das sie entworfen hat und in das die Einnahmen und Ausgaben eingetragen werden. Ihre Nachfolgerin Marika Job-Reinig, die sie seit einem Jahr einarbeitet, erledigt die Buchhaltung jetzt komplett am Computer. Wie viel Geld sie in 40 Jahren verwaltet hat, weiß sie nicht. „Es waren Millionen“, sagt sie. 200.000 Euro hat allein der Anbau des Turnerheims 2002 gekostet. „Bis ich aufhöre, muss alles bezahlt sein und das habe ich erreicht“, ist ihre private Bilanz. Sehr bereichernd seien die teils auch privaten Gespräche gewesen, sagt sie. Neue Angebote des Turnvereins liegen ihr bis heute am Herzen, unter anderem hat sie die Mutter-Kind-Gruppe gegründet. „Man muss offen für Neues bleiben und die Leute animieren.“ Am Herzen lagen ihr auch die Protokollbücher der Sitzungen des Vorstandes, die sie von 1882 bis 1979 archivieren ließ und die jetzt im Sportmuseum in Kaiserslautern sind. Heute macht sie Gymnastik für alte Damen. Dass sie keineswegs eine ist, beweist nicht nur der große Garten, der ihre Leidenschaft ist und ziemlich viel Arbeit macht, sondern auch die Familie, für die sie immer da ist. „Die mich aber auch immer unterstützt hat“, sagt sie. Info Der Turnverein lädt für Samstag, 7. November, anlässlich der Verabschiedung von Antonie Körner um 11 Uhr zu einem Empfang ins Vereinsheim in der Theodor-Heuss-Straße ein.