Edenkoben RHEINPFALZ Plus Artikel Der Weg zur Post wird weiter

13 Jahre gab es die Postfiliale in der Bahnhofstraße. Nun schließt sie für immer.
13 Jahre gab es die Postfiliale in der Bahnhofstraße. Nun schließt sie für immer.

Die Postfiliale in der Bahnhofstraße verabschiedet sich Ende Januar aus dem Edenkobener Stadtbild. Wirtschaftliche Gründe zwangen den Betreiber zu der Entscheidung. Die Deutsche Post AG verteidigt die Entwicklung in der Nahversorgung.

Briefe und Päckchen gab man in Edenkoben bis zuletzt in der Bahnhofstraße 2 ab. Damit ist nun Schluss. Zum 31. Januar schließt die von Günter Poth als Familienunternehmen geführte Postfiliale endgültig ihre Türen. „Wir hätten es gerne weiter gemacht“, erklärt Poth, jedoch sei das Geschäft zuletzt nicht mehr wirtschaftlich gewesen. „Meine Mitarbeiter wollen ja auch von etwas leben.“ Je nach Anliegen müssen die Edenkobener Bürger zukünftig entweder zu Tabakshop Meier im SBK-Markt am Stadtrand. Oder zu einem neuen Paketshop, der in der Innenstadt öffnen soll.

Grund für die finanziellen Schwierigkeiten der alten Filiale sei vor allem eine Umstellung seitens des Mutterkonzerns. „Als wir vor 13 Jahren mit dem Postgeschäft angefangen haben, gab es noch eine Grundvergütung. Heute wird nur noch nach Umsatz bezahlt. Für jeden Brief ein paar Cent“, erklärt der ehemalige Inhaber Poth. Man habe versucht, diesbezüglich mit der Deutschen Post zu reden, um das Geschäft zu retten. Jedoch ohne Erfolg.

Geld nicht das einzige Problem

„Wir sind heute ein privatwirtschaftliches Unternehmen und müssen entsprechend betriebswirtschaftliche Entscheidungen treffen“, sagt dazu Post-Sprecher Heinz-Jürgen Thomeczek im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Dass es sich heutzutage nicht mehr lohnt, eine Postfiliale im Hauptgeschäft zu führen, will er gar nicht leugnen. „Wenn es anders wäre, hätten wir mehr eigene Filialen“, eklärt er. Deutschlandweit betreibe die Deutsche Post AG nur noch drei Filialen in Eigenregie. Selbst die haben im Übrigen eher Symbolcharakter: Sie befinden sich auf der Zugspitze, im Reichstagsgebäude und im Post Tower in Bonn.

Poths Schilderungen zufolge scheiterte die Rettung der Edenkobener Post jedoch nicht bloß am Geld. So sei eine seiner Mitarbeiterinnen bereit gewesen, die Filiale in der Bahnhofstraße am Leben zu erhalten. „Ich habe drei Personen beschäftigt, sie hätte es alleine probiert. So hätte es vielleicht geklappt.“ Für den Vorschlag sei die Deutsche Post jedoch nicht offen gewesen. Das habe bei Poth endgültig den Eindruck erweckt, Filialen wie seine seien nicht mehr gewollt. Angesprochen auf die Gründe für diese Absage zeigt sich Thomeczek überrascht: „Darüber weiß ich nichts.“ Es sei allerdings „sehr schade“, zumal es so lange eine erfolgreiche Zusammenarbeit gegeben habe.

Filiale im SBK-Markt erweitert

Es stimme jedoch, dass man zunehmend auf Partner im Einzelhandel baue, erklärt er. Filialen wie die von Poth, welche sich alleine durch das Postgeschäft finanzieren, seien die Seltenheit. „Weil sich damit nichts mehr verdienen lässt“, gibt er zu. Der Vorteil für Einzelunternehmer liege vielmehr darin, durch die Postfiliale Kundschaft für das eigentliche Kerngeschäft zu gewinnen.

Für die Edenkobener bleibt noch der Paketshop im SBK-Markt am Stadtrand. Dort wird das Angebot zum 1. Februar erweitert, wie es vom Post-Sprecher heißt: Als vollumfängliche Postfiliale übernehme der Standort zukünftig alle Leistungen, die zuvor im Stadtzentrum abgedeckt wurden.

Der einen Freud ist der anderen Leid

Für alle, die nicht (mehr) so gut zu Fuß sind, ist das jedoch ein schwacher Trost. „Überlegen Sie mal: Den Supermarkt in der Stadtmitte gibt es auch nicht mehr“, sagt dazu Thomeczek. Übersetzt klingt das wie ein Schulterzucken: Die Zeiten ändern sich eben. Die Menschen im Ortskern hätten es nun weiter, aber „Leute, die am Stadtrand wohnen, freuen sich vielleicht“, fügt der Post-Sprecher hinzu.

Ist Nahversorgung bei der Post also aus der Mode? Im Gegenteil, meint Thomeczek. Die Post baue die Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel massiv aus, es gebe immer mehr statt weniger Filialen. Bei der Standortfrage gebe es eine ganze Liste an Kriterien, die sich manchmal widersprächen. So wie im aktuellen Fall die Frage nach der Erreichbarkeit einerseits und Parkmöglichkeiten andererseits: Mit dem Auto sei die neue Filiale im Supermarkt viel besser erreichbar, als zuletzt in der Stadt.

Pakete weiter in der Innenstadt

Ganz postfrei wird das Edenkobener Zentrum nicht bleiben. Ab dem 7. Februar nimmt der Obst- und Gemüseladen in der Tanzstraße als DHL-Paketshop Sendungen an, wie ein Schild im Schaufenster der Bahnhofstraße ankündigt. Die Post bestätigt das auf Anfrage. Da es sich allerdings um einen Paketshop, nicht um eine Postfiliale handelt, hilft das Geschäft nicht immer weiter. Der ehemalige Postfilialleiter Poth erklärt: „Vor allem die Beratung fällt in den Paketshops weg.“ Auch darauf hat Thomeczek eine beschwichtigende Antwort: „Viele fangen als Paketshop an. Von dort ist es ein kleiner Weg hin zur Filiale.“ Ob man im Stadtzentrum von Edenkoben irgendwann auch wieder Briefmarken kaufen kann, bleibt also abzuwarten.

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