Kreis Südliche Weinstraße „Der Marktplatz ist romantischer“

Gestern ist der Wochenmarkt in Bad Bergzabern wieder auf dem Marktplatz in der Fußgängerzone zurückgekehrt. Wegen Bauarbeiten in der Eichamts- und Marktstraße war er seit Oktober vergangenen Jahres auf dem Parkplatz vor der Sparkasse . Ein besserer Standort mit mehr Kundschaft, finden die einen. Der historische Marktplatz in der Innenstadt ist schöner, sagen die anderen. Die RHEINPFALZ hat sich auf dem Wochenmarkt umgehört.
In der Stadtratsitzung im Januar war der Standort des Marktes Thema gewesen. Stadtbürgermeister Fred-Holger Ludwig (CDU) hatte darüber informiert, dass es der Wunsch vieler Standbetreiber sei, auf dem Parkplatz zu bleiben. Die Begründung: Es sei besser für ihr Geschäft, der Platz sei größer und es kämen mehr Kunden. Vielleicht gäbe es ja den Kompromiss, im Sommer oben und im Winter unten, so der Stand der Dinge vor wenigen Wochen. In der jüngsten Stadtratssitzung informierte Ludwig ohne nähere Begründung das Gremium, dass der Wochenmarkt nun ab sofort wieder auf dem Marktplatz aufgebaut wird. Maria Leininger steht seit fast 50 Jahren mit Obst und Gemüse auf dem Markt, seit Jahrzehnten sind auch ihre Kinder Ulrike und Willi dabei. Die Leiningers haben seit Januar Unterschriften für den Standort „Parkplatz Sparkasse“ gesammelt. „102 Kunden haben sich bisher schriftlich dafür ausgesprochen“, erzählt Willi Leininger. „Das Geschäft war oben besser, es sind neue Kunden dazu gekommen und die Parkplätze sind kundenfreundlicher“, sagt er. Gut finden die Leiningers, dass ihrer Kenntnis nach jetzt Schilder aufgestellt werden sollen, die auf den Wochenmarkt hinweisen. „Der Wochenmarkt ist ein uraltes Kulturgut, aber er braucht auch Kunden“, findet das Ehepaar Leininger. „Der Marktplatz ist schöner“, findet Ayelet Menasche-Roth aus Steinfeld, die gerade bei Ibrahim Isadi einkauft, der seit mehr als 25 Jahren auf dem Wochenmarkt steht. „Das Geschäft ist oben besser, das Flair auf dem Marktplatz ist schöner“, ist die Erfahrung von Isadi in den vergangenen Wochen. Der Iraner weist schmunzelnd auch auf den völkerverständigenden Aspekt des Wochenmarkts hin, seine Kundin hat israelische Wurzeln. „Der Marktplatz ist romantischer“, findet Wanja Nikolaus aus Heuchelheim, die am Fischstand einkauft. Fast zwei Jahre hat Fisch-Berger aus Landau, auch wegen mangelnder Kundschaft pausiert. Fischverkäufer Hans-Georg Segieth kennt bisher nur den Standort an der Sparkasse und kann sich noch kein Urteil bilden, wo für ihn der bessere ist. Michael Breiner kauft jeden Freitag auf dem Markt ein. „Mir ist es egal, wo er stattfindet“, sagt er. Inge Honeck hat es oben besser gefallen. „Es war heimeliger“, findet sie. Kristina Kern-Walzock kauft Brot bei der elsässischen Bäckerei. „Die Atmosphäre auf dem Marktplatz ist besser, die Leute haben sich an der Sparkasse an den Markttagen um die Parkplätze gekloppt“, ist ihre Erfahrung. Während Verkäuferin Muriel Tuch-Scherer, die seit 13 Jahren nach Bad Bergzabern kommt, mehr Laufkundschaft auf dem Marktplatz hat, ist es beim Blumenhändler genau umgekehrt. Adam Jesil aus Karlsruhe kommt seit zehn Jahren in die Kurstadt. „Hier auf dem Marktplatz ist es besser, be- und entladen ist kein Problem“, sagt er. Viele Kunden, die er gefragt habe, wollten den Standort Marktplatz. Zudem sei es für Menschen mit Behinderungen und Senioren schwierig, die Treppen vom Parkplatz zur Innenstadt zu bewältigen, da habe er in den vergangenen Wochen immer wieder geholfen. „Ich verstehe die Diskussion nicht wirklich“, sagt Roman Wirth, der seit fast 30 Jahren mit Bioware auf dem Markt steht. Die Meinungen der Kunden seien ganz unterschiedlich, seiner Meinung nach sei es im Winter auf dem Parkplatz besser auch wegen des großzügigeren Platzes und im Sommer auf dem Marktplatz, auch weil dort mehr Schatten sei. „Der Marktplatz ist netter, oben ist ja nur ein Parkplatz“, bemerkte dagegen eine Marktbesucherin im Vorübergehen. (pfn)