Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Der Kampf um ein Stück Freiheit

Seit 2004 gibt es die Harley-Freunde aus Landau.
Seit 2004 gibt es die Harley-Freunde aus Landau.

Überall in Deutschland protestierten Motorradfahrer gegen drohende Fahrverbote. RHEINPFALZ-Mitarbeiter Felix Schönhöfer hat sich in einer kleinen Südpfalz-Tour mit den Harley-Freunden Landau einen Eindruck verschafft, warum den Bikern ihre Freiheit so wichtig ist. Was hat die Gastronomie mit der Diskussion zu tun?

Schneller, lauter – besser! So denkt sicherlich der ein oder andere Motorradfahrer. Deshalb drohen nun Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen. Ob in München, Stuttgart oder Karlsruhe – überall gab es Demo-Korsos. Generalverdacht ist ein häufig genannter Begriff, den gewisse Biker-Gruppen verwenden. Um herauszufinden, was es damit auf sich hat und um die Faszination Motorrad zu verstehen, treffe ich mich mit den Harley Freunden Landau.

Neun Maschinen warten auf mich an der Aral-Tankstelle in Landau. Helm auf, aufsitzen und schon geht sie los: Meine erste Motorradfahrt. Jetzt bin ich mittendrin. Die Motoren röhren – aber irgendwie auf eine besondere Art und Weise. „Wenn wir die Maschinen anmachen, geht vielen das Herz auf. Die Harley hat einen Ton, da kann man sich gar nicht aufregen“, erzählt mir Klaus aus der Gruppe später. Ist die ganze Aufregung also unbegründet?

Es geht nicht um Geschwindigkeit

Gegen 19 Uhr tuckern wir los Richtung Klingenmünster. Die Voraussetzungen, unter denen ich antrete, sind nicht optimal. Tagsüber war ich mit dem Auto unterwegs, stand im Stau, war gestresst. Beinahe hätte ich das Treffen mit den Harley-Freunden sogar verpasst. Doch der Stress verfliegt schnell. Mein Fahrer ist Otmar Trauth. Ich bin nicht der Erste, den er auf eine Jungfernfahrt mitnimmt. Auf dem ersten Teil der Strecke quatschen wir gemütlich. Und das ist auch das richtige Stichwort: gemütlich.

Beim Harley-Fahren geht es nicht um Geschwindigkeit. „Wir wollen Spaß haben, der Weg ist das Ziel“, sagt der Vorsitzende Jürgen Asinger. „Es geht darum, gut durchzukommen und das Ganze zu genießen.“ Und da liegt auch der Streitpunkt. Die angedachten Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen sollen für alle motorisierten Krafträder gelten. Die Harley-Freunde fühlen sich diskriminiert. „Es gibt immer schwarze Schafe. Die, die übertreiben, müssen auch bestraft werden. Ein Generalverbot ist für uns aber eine Einschränkung der Freiheit“, sagt Asinger. Kontrollen, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Verkehrsschilder würden seiner Meinung nach ausreichen.

Das Gemeinschaftsgefühl zählt

Beim Motorradfahren ist immer wieder die Rede von Freiheit. Doch was bedeutet das überhaupt? Grundsätzlich fühle ich mich schon frei, in dem was ich tue und denke. Erleben Motorradfahrer ein anderes, besonderes Gefühl von Freiheit? Wir fahren durch Klingenmünster. Als wir den Ort verlassen, muss ich sagen: Ja, das ist schon besonders. Allein auf der Straße. Nur wir und unsere Maschinen. Links: Natur, rechts: Natur. Voraus: der Sonnenuntergang. Dazu warmer Sommerwind, der ins Gesicht weht. Ich kann verstehen, dass sich Motorradfahrer dieses Gefühl nicht nehmen lassen wollen.

Weiter geht es über Münchweiler, durch Silz nach Vorderweidenthal. Unterwegs fliegt mir auch mal eine Fliege an den Kopf. Ihre Freiheit wäre wohl auch bei einem Auto zu Ende gewesen. Kommt uns ein Motorradfahrer entgegen, wird er gegrüßt. „Wir Harleyfahrer haben schon ein Zugehörigkeitsgefühl zueinander. Egal wen man wo trifft. Man hilft sich gegenseitig“, schwärmt Asinger. Als wir gemeinsam im Konvoi durch die Südpfalz brettern, kommt auch bei mir ein Gemeinschaftsgefühl auf. Es macht schon etwas her. Wie das erst bei größeren Treffen sein muss?

Harley-Freunde bei Demo in Karlsruhe dabei

Die Harley-Freunde Landau waren bei der Demo in Karlsruhe dabei. 25 Männer und Frauen auf ihren Maschinen. In Germersheim und Schwegenheim schlossen sich andere Gruppierungen an. Auf einmal seien rund 1100 Biker gemeinsam nach Karlsruhe gefahren. 7000 Leute waren es auf dem Karlsruher Messeglände. „Die Stimmung war entspannt und friedlich“, versichert Asinger. Die Organisatoren der Demo hatten nicht mit dem Andrang gerechnet. Größere Vorkommnisse oder Störungen gab es keine, allerdings kam es zu Verkehrsbehinderungen, wie die „Badischen Neuesten Nachrichten“ berichteten. „Es waren Leute auf der Brücke gestanden, haben gewunken und waren positiv gestimmt“, sagt Asinger, der seit über 20 Jahren Motorrad fährt. Diese Akzeptanz nehme ich auch auf unserer Strecke war. Zwei Bewohnerinnen in Darstein winken uns zu.

Unser Ziel ist Schwanheim. In der Gaststätte „Zum alten Nußbaum“ wollen wir gutbürgerlich essen. Kurz vor der Ortseinfahrt sehen wir noch zwei junge Rehe, die davonhuschen. Ein Anblick, den es auch nicht überall gibt. Beim Essen fällt mir auf, dass die meisten nicht nur Klamotten mit der Aufschrift „Harley Freunde Landau“ tragen, auch Harley-Davidson-Uhren, -Gürtelschnallen und Totenkopf-Ringe gehören zum guten Ton. Es ist eben nicht nur ein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung.

Viele Lokale sind auf Biker ausgelegt

Als ich meine Schweinemedaillons mit Spätzle esse, erklärt mir Asinger, dass an so einem Verbot weit aus mehr dranhängt: „Viele hängen Schilder mit der Aufschrift ,Biker Welcome’ auf. Die wissen genau, dass Biker sonntags kommen und sich hinsetzen wollen. Es ist ein Kreislauf. Bricht das eine weg, bricht auch das andere weg.“ Viele Lokale seien auf Biker ausgelegt und müssten ohne sie wohl schließen. „Corona zwei“, meint einer der Gruppe.

Vor der Heimfahrt um kurz nach 21 Uhr bittet uns die Gaststättenbesitzerin langsam vorbeizufahren, dass der Sohnemann uns möglichst lange bestaunen kann. Seine Augen werden groß. Über Annweiler geht es dann wieder zurück. Einer nach dem anderen verlässt uns. Ampeln werden genutzt, um sich zu verabschieden.

Der Jüngste ist 20, der Älteste 80

Die Harley-Freunde erzählen mir noch von längeren Trips. 600 Kilometer nach Österreich sind dann noch mal eine andere Hausnummer. Seit 2004 gibt es die Gruppierung. Der Jüngste ist 20, der Älteste 80. Stammtische, Weihnachts- und Geburtstagsfeiern gehören dazu. Kommt eine Demo in der Nähe, sind sie wieder am Start.

Die kurze Runde im Sonnenuntergang, mit gutem Essen und netter Gesellschaft, war für den Einstieg optimal. Ich hatte meinen Spaß und kann die Standpunkte der Harley-Fahrer jetzt verstehen. Und wer weiß, vielleicht sitze ich eines Tages selbst am Lenker.

Autor Felix Schönhöfer genießt seine Premierenfahrt.
Autor Felix Schönhöfer genießt seine Premierenfahrt.
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