Kreis Südliche Weinstraße Dem Populismus widerstehen

91-91130144.jpg

Populisten freuen sich über Zulauf in Deutschland, in Europa, in der ganzen Welt. Wie gefährlich das ist, daran wurde gestern Abend beim Gedenken des SPD-Ortsvereins Bad Bergzabern an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 erinnert. Die alljährliche Zusammenkunft am Gedenkstein für die zerstörte Synagoge am Glockenturm der Marktkirche ist ein Stück gelebte Demokratie.

Vor 78 Jahren haben in Deutschland Synagogen und jüdische Häuser gebrannt. „78 Jahre – das scheint lange her zu sein“, sagte Aleksander Bogdanovic, stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender, „um so erschütternder ist es, dass heute in diesem Land wieder Häuser brennen.“ Häuser von Flüchtlingen würden angezündet, Menschen, die bei uns Zuflucht gesucht hätten, würden bedroht und beschimpft. Bogdanovic warnte vor dem Populismus, der Rassismus und Fremdenfeindlichkeit möglich mache. Er warb für Toleranz und Mitmenschlichkeit. Er habe erst in diesen Tagen einen Artikel über eine Lehrerin gelesen, die einen Bus mit Flüchtlingskindern begleitet haben. An einer roten Ampel sei der Bus von einer Horde Menschen angegriffen worden, die so lange gegen die Scheiben des Busses gehämmert und ihre hasserfüllten Parolen gerufen hätten, bis die Kinder verängstigt gewesen seien und geweint hätten. So etwas dürfe es in Deutschland nicht geben. Erster Stadtbeigeordneter Martin Wichmann (CDU) las aus dem Buch „Jüdisches Leben in der Stadt Bergzabern vom 14. bis 20. Jahrhundert“ von Günther Volz die Passage, in der der Überfall auf die Bergzaberner Synagoge in der Reichspogromnacht geschildert wurde. Brigitte Weisbrod trug eine Botschaft von Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel vor, die dieser im Jahr 2002 in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem verkündete. Pfarrerin Angela Fabian las Psalm 142 aus der Bibel vor. Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier vom Bläserkreis unter der Leitung von Norbert Heft. Drei Stücke trug der Bläserkreis vor, die fachkundig von Manfred Heft vorgestellt wurde. „Kyrie“ in einer Vertonung des litauischen Komponisten Leonidas Abaris bildete den Auftakt. Es folgte eine Melodie von Fritz Baltruweit, Manfred Heft trug die dazugehörigen Verse „Freunde, dass der Mandelzweig“ von Schalom Ben-Chorin vor. Das Schlussstück stammte aus dem Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy. |jpa

x