Kreis Südliche Weinstraße Dem Einbrecher Paroli bieten

Obwohl der Termin sehr kurzfristig anberaumt war, hatten die Beamten der „Zentralen Prävention“ aus Ludwigshafen in Zusammenarbeit mit der Polizeiinspektion Bad Bergzabern ein volles Bürgerhaus in Schweigen-Rechtenbach. „Gemeinsam gegen Einbruch und Diebstahl“, war das Thema des Abends, zu dem mehr als 100 Interessierte aus der ganzen Verbandsgemeinde gekommen waren. Zwei Einbruchsserien in Schweigen-Rechtenbach waren nicht nur, aber auch, der Anlass der Veranstaltung.
„Rufen sie bitte zeitnah an, wenn sie ungewöhnliche Beobachtungen machen“, war der Appell des Leiters der Polizeiinspektion Bad Bergzabern, Kurt Braun. Zur ersten Einbruchsserie in Schweigen-Rechtenbach an den Osterfeiertagen gebe es inzwischen erfolgversprechende Ermittlungen, die Spur führe ins Elsass, wo mit gestohlenen Kreditkarten versucht worden sei, Geld abzuheben, informierte Braun. „Die Zusammenarbeit mit der Gendarmerie im Elsass funktioniert gut, zudem haben wir die Streifen verstärkt und weitere Maßnahmen ergriffen“, berichtete Braun. „Die Einbruchszahlen steigen“, betonte Ralf Debnar von der „Zentralen Prävention“ in Ludwigshafen am Anfang seines detaillierten und fachkundigen Vortrags . „Wenn einer will, kommt er rein. Bei uns ist doch nichts zu holen. Im Treppenhaus das Licht anzulassen, schreckt ab“, zitierte Debnar einige oft geäußerte Irrtümer. „Schließen sie die Türen und Fenster, auch wenn sie nur kurz aus dem Haus gehen“, lautete seine Empfehlung. Ein weiterer Ratschlag: Man solle sich Menschen, die mit scheinbar lapidaren Fragen, zum Beispiel wo eine Familie Müller wohnt, auf einen Zukommen, genau anzusehen. „Das können auch so genannte Ausspäher sein, die sich einen ersten Eindruck verschaffen wollen, ob etwas zu holen ist“, so Debnar. Die erstaunliche Zeit von maximal drei Minuten, die der Einbrecher sich Zeit lasse, um ins Haus zu kommen, sei durch Studien belegt. „In dieser Zeit müssen sie dem Einbrecher Paroli bieten“, sagte der Fachmann für Einbrüche. Ein bisschen Einbruchsschutz gebe es nicht, es müsse schon das Gesamtpaket sein. Will heißen: Sicherung von Fenstern, Türen und Kellerschächten. Exponate unterschiedlicher Verriegelungen gingen durch die Reihen, zu denen Debnar jeweils erklärte, wie einbruchssicher sie sind. Kleine Videoclips verdeutlichten, wie schnell ein Einbrecher mit einem Schraubenzieher oder einem Brecheisen ein Fenster aufhebeln kann. Wenig bekannt ist, dass die Polizei Betriebe mit einem so genannten „Errichternachweis“ zertifiziert, das heißt, dass Fenster und Türen garantiert einbruchssicher ge- und eingebaut werden. Allerdings sind von 8000 Betrieben deutschlandweit bisher nur 70 zertifiziert, die Liste der Betriebe ist bei den Polizeidienststellen erhältlich. Zur Frage, ob eine Alarmanlage eine Alternative sei, gab Ralf Debnar eine klare Antwort: „Die Polizei sagt, es ist kein Ersatz für sichere Fenster und Türen.“ Ein wichtiger Faktor ist die eigene Aufmerksamkeit und die der Nachbarn. Der Aufkleber der Polizei „Vorsicht wachsamer Nachbar“ könnte in Abwesenheit der Bewohner da schon einiges bewirken. Mehr noch, wenn es einen wachsamen Nachbarn gibt. Bei Fragen zur Einbruchsicherung kann immer die zuständige Polizeidienststelle angesprochen werden, die auch Beratung vor Ort macht oder weiter vermittelt. (pfn)