Offenbach RHEINPFALZ Plus Artikel "Das ist respektlos": Spaziergängerin findet illegal entsorgte Grabsteine

Ihre Hündin Lotte habe sie durch Bellen auf die Grabsteine aufmerksam gemacht, sagt Stefanie Meller.
Ihre Hündin Lotte habe sie durch Bellen auf die Grabsteine aufmerksam gemacht, sagt Stefanie Meller.

Stefanie Meller kann ihren Augen nicht trauen. Sie findet Grabsteine, illegal in der Natur entsorgt. Die Inschriften sind lesbar, es gibt Angehörige. Nur: Wer ist der Täter?

Wenn sie mit ihrer Hündin Lotte bei ihren Runden durch Feld und Flur unterwegs ist, sieht Stefanie Meller allerlei Müll in der Natur liegen. „Sie können sich gar nicht vorstellen, was da alles zu finden ist“, erzählt sie. Mal seien es Nahrungsmittel, etwa Kuchen oder gar ein gebratenes Steak, mal Restabfall, der dort landet, wo er eben nicht hingehört.

Wenn sie mal einen Müllsack sieht, wirft Stefanie Meller auch gerne mal einen Blick rein. „Da bin ich doch neugierig, was weggeworfen wird.“ Meist ist es etwas Ungewöhnliches, aber nichts Spektakuläres: So habe sie mal Tapetenreste oder defekte Klodeckel entdeckt. Ihre jüngste Entdeckung in der Nähe der Windräder bei Offenbach habe sie aber so entsetzt, dass alles andere dagegen harmlos erscheint.

„Wer betreibt solch einen Aufwand?“

Ihre Hündin Lotte habe sie einmal mehr darauf gestoßen, was da in der Natur abgeladen wurde. „Ich habe zunächst etwas Dunkles wahrgenommen, mit einer glatten und glänzenden Oberfläche.“ Als sie sich dann am Hang den stillgelegten Schienen näherte, wo das Gesteinsartige lag, konnte sie Inschriften erkennen. Stefanie Meller war sprachlos: Da hat doch wirklich jemand zwei Grabsteine dort hingebracht. „Wenn man möchte, kann man den Weg mit einem Pritschenwagen befahren, um so etwas Schweres dorthin zu transportieren“, meint Stefanie Meller.

Die Offenbacherin ist aber ratlos: Wer kommt denn auf solch eine Idee? Wer betreibt den Aufwand, Grabsteine irgendwo in der Natur zu entsorgen, ohne dabei Spuren zu verwischen? Schließlich sind die besagten Inschriften ja noch deutlich zu erkennen. Ein Anruf bei der Friedhofsverwaltung soll Klarheit bringen.

Wieso es an Info mangelt

Wie Fachbereichsleiter Stefan Eckert berichtet, hat die Verwaltung vor etwa 20 Jahren die Friedhöfe in der Verbandsgemeinde Offenbach unter die Lupe genommen. „Damals wurde der gesamte Gräberbestand mit Namen digital erfasst.“ Insofern ließen sich nötigen Infos schnell zusammentragen – eigentlich. „Die beiden gefundenen Grabstein sind aber älter, weshalb die Verantwortlichen bislang nicht ausfindig gemacht werden konnten“, berichtet Stefan Eckert. Denn wenn auch die Inschriften zu Hinterbliebenen führen, könne dennoch nicht nachvollzogen werden, wer für die Tat infrage kommt. Mangels Daten könne nicht mehr nachvollzogen werden, wer das Nutzungsrecht beziehungsweise wer die Grabsteine geräumt hatte. Zumal es immer noch Fälle gebe, dass Gräber geräumt werden, ohne dass die Verwaltung etwas davon mitbekommt.

ür den Hintergrund: Wenn ein Grab nach Ende der Ruhefrist geräumt werden soll, melden gewöhnlich Hinterbliebene dies bei der Friedhofsverwaltung an. Anschließend melden sie sich bestenfalls danach noch mal, berichtet Stefan Eckert vom Fachbereich Bürgerdienste. „Wir vermerken anschließend das Grab als geräumt.“

Handelt es sich um Grabschändung?

In der Regel erhält ein Steinmetz den Auftrag, sich um die Angelegenheit zu kümmern. Der Grabstein wird dann über eine andere Firma recycelt. Wobei es Hinterbliebene gibt, die das Ganze selbst erledigen, um Kosten zu sparen. Das weiß Diana Hoffmann von Grabmale Hoffmann in Knittelsheim. „Wobei es mit der Entfernung des Grabsteins allein nicht getan ist. Es muss auch das Fundament entsorgt und der Bereich anschließend aufgefüllt werden.“ Dann sei es schlichtweg sinnvoller, die dreistellige Summe zu investieren, die für den kompletten Service anfällt.

In dem konkreten Fall handelt es sich laut Stefan Eckert um eine illegale Abfallentsorgung, weshalb auch die Kreisverwaltung SÜW Bescheid weiß. „Eine Grabschändung liegt hier jedoch nicht vor. Die Gräber sind geräumt, es geht nur um die illegale Entsorgung der Grabsteine“, betont Stefan Eckert. Dass sie nach der Räumung des Grabes noch andere Verwendung finden, sei gar nicht so unüblich. „Es gibt wohl öfters Privatpersonen, die abgeräumte Grabsteine ihrer Lieben als Erinnerung zu Hause aufbewahren“, weiß der Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste.

Immer mehr Hinweise auf illegalen Müll

Stefanie Meller jedenfalls ärgert es, wenn Müll rücksichtlos in die Natur „gepfeffert“ wird. Über eine App mache sie die Gemeinde stets darauf aufmerksam, wo genau sie den Müll gefunden hat. Zusätzlich mache sie ihre Entdeckungen oft auch in den sozialen Netzwerken öffentlich, um die Menschen zu sensibilisieren und bestenfalls solche Taten einzudämmen. Dieses Mal hatte ihre Nachricht den zusätzlichen Effekt, dass sich Hinterbliebene bei ihr meldeten. Eine Frau wies darauf hin, dass es sich bei der einen Person um die verstorbene Schwester ihres Mannes handelt. Eine Nutzerin identifizierte den anderen Verstorbenen als ihren Uropa.

Marco Gensheimer ist als Beigeordneter für die Entfernung von illegalem Müll rund um Offenbach zuständig. Er kennt zufällig einer der beiden Familien. Diese könnte es sich auch nicht erklären, wie es zu dieser Tat kommen konnte. Der Bauhof werde nun die Grabsteine abholen und entsorgen. Im Schnitt werde die Truppe zwei Mal die Woche wegen illegalen Mülls kontaktiert. Die Mängelmelder-App Mein Ort werde dafür rege genutzt. Auch die Verbandsgemeinde registriert viele Hinweise. „Tendenz steigend“, informiert Stefana Eckert.

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