Kreis Südliche Weinstraße „Damit haben wir nicht gerechnet“
Bad Bergzabern. Die Überraschungsmannschaft in der Basketball-Oberliga ist der TV Bad Bergzabern: zehn Siege in zwölf Spielen, Platz zwei. Mit einem Erfolg im Nachholspiel am 14. Januar können die Kurstadt-Korbjäger den lange gehaltenen ersten Platz zurückerobern. Ein Aufwärtstrend ist auch deutlich im Umfeld zu spüren, die Fans pilgern in Scharen in die Bergzaberner VG-Halle. Die RHEINPFALZ sprach mit TVB-Cheftrainer Florian Hatt über den jüngsten Höhenflug.
Das stimmt. Mit dieser Entwicklung haben wir nicht gerechnet, auch wenn wir im Sommer schon wussten, dass wir großes Potenzial im Team haben. Doch die Situation war anspruchsvoll. Mit Tim Hartmann haben wir den langjährig erfolgreichsten Korbjäger der gesamten Oberliga verloren. Das war ein herber Verlust. Hinzu kamen weitere Abgänge von unseren Leistungsträgern Michael Rodrian, Stefan Kastner und Bojan Kalajdzic - so ein großer Einschnitt passiert normalerweise nicht ohne Spuren zu hinterlassen. Wir haben aber die schwierige Situation frühzeitig angenommen und in der Vorbereitung aktiv nach Lösungen gesucht, sprich Verantwortungsbereiche im Team umverteilt und auch unser Spielsystem dem neuen Potenzial des Kaders angepasst. Diese Veränderungen haben vom ersten Moment an gegriffen. Was meinen Sie konkret damit? Wir haben uns auf die neue Situation eingestellt, nicht mehr viele große Leute im Kader zu haben, machten unser Spiel aggressiver und vor allem schneller, wir punkten jetzt mehr über die Halbdistanz und Weitdistanzpositionen und zeigen einen intensiveren Zug mit Dribblings und Passstafetten zum Korb. Einige Spieler, die früher in erster Linie in der Korbvorbereitung eingebunden waren, punkten jetzt auch primär. Unser Spielmacher Martin Langenfeld, der eine überragende Runde bisher spielt, ist da das beste Beispiel. Wir sind auf vielen Positionen enorm korbgefährlich, das macht uns so unberechenbar. Diese Basis für den Erfolg haben wir aber in erster Linie in unserer intensiven und kompromisslosen Verteidigungs- und Reboundarbeit gelegt. Als dies im Dezember mal zwei Spiele gegen die Topteams aus Trier und Mainz nicht so gut klappte, haben wir auch prompt verloren. Zuvor gab es eine atemberaubende Serie von zehn Siegen am Stück. Lange Zeit dominierten die TVB-Basketballer die Oberliga, obwohl Sie eigentlich nie Ihre Bestbesetzung aufbieten konnten. Mittlerweile gibt es einen packenden Zweikampf an der Tabellenspitze mit dem großen Favoriten Trimmelter SV Trier. Was machte den Turnverein trotz zahlreicher Ausfälle so stark und stabil? Viele Faktoren. Ganz am Anfang war es die sehr gute Vorbereitungszeit, bei der alle Jungs leidenschaftlich mitzogen. Da haben wir nicht nur unsere Fitness über ein perfekt abgestimmtes Training mit unseren Athletikcoach Markus Hoppe aufgebaut, sondern auch an der Taktik und den Systemen gefeilt sowie Automatismen einstudiert. Das ist im Basketball wichtig. Diese Sicherheit hilft uns in der Wettkampfphase. Unsere eigenen Talente Moritz Hoppe, Johannes Jäger, Julius Wichmann und Eric Bergmann haben sich gut entwickelt. Sicher tun auch die Neuzugänge Leonard Laxa und Sebo Krubally dem Team gut, die wichtige körperliche Präsenz in die Zweikämpfe einbringen. Zwei weitere Erlebnisse im September begünstigten unseren starken Lauf und trugen uns quasi durch die Hinrunde: Die offizielle Saisoneröffnung in voller Halle mit einer guten Leistung gegen den Zweitligisten BG Karlsruhe und der optimale Saisoneinstand mit dem 82:50-Erfolg gegen den starken ASC Mainz. Diese Erfahrungen stärkten unser Selbstbewusstsein und machten Lust auf mehr. Die Jungs sind bis heute hungrig geblieben. Und dennoch bleiben wir auf dem Boden. Wir denken weiter von Spiel zu Spiel, wollen jedes Match natürlich gewinnen. Da der Aufstieg aber nicht ausgegebenes Ziel war, müssen wir uns auch nicht jetzt damit beschäftigen. Am 18. Dezember im Derby gegen die SG TV Dürkheim/BI Speyer verwandelten über 300 Zuschauer die VG-Halle in einen Hexenkessel. Mit hunderten verteilten „Fanklatschen“, der sogenannten „offiziellen BEZA-Jubelhilfe“, wie sonst nur bei Bundesligaspielen üblich, unterstützten sie das TVB-Team lautstark und hatten an der atemberaubenden Aufholjagd entscheidenden Anteil... Das ist richtig. Im dritten Viertel lagen wir mit 20 Zähler zurück. Das war ein Tiefpunkt, da ist ein Spiel eigentlich verloren. Doch mit diesen unglaublichen Fans haben wir nochmals alle Kräfte mobilisiert und sind über uns hinaus gewachsen. Die Stimmung in der Halle ging unter die Haut, sie puschte jeden einzelnen im Team. Solche Rahmenbedingungen gibt es oft in der Regionalliga nicht. Das macht unglaublichen Spaß, vor solch einer Kulisse aufzulaufen. Dass wir das eigentlich bereits verlorene Match am Ende noch gewonnen haben, hatten wir sicher unserem sechsten Mann auf der Tribüne zu verdanken. Das war ein emotionaler, ein perfekter Jahresabschluss. 2017 eröffnen Sie am 8. Januar mit dem Schlagerspiel im Rheinland-Pfalz-Pokal-Viertelfinale gegen den zwei Klasse höher spielenden Regionalligisten BIS Baskets Speyer, am 14. Januar kommt der Traditionsclub TuS Treis-Karden in die Kurstadt. Erwarten Sie bei diesem Heimauftakt eine ähnliche Unterstützung wie kurz vor Weihnachten? Das hoffen wir natürlich. Denn diese Kulisse, diese Unterstützung beflügelt uns zusätzlich. Schön ist, dass wir nicht nur viele Eigengewächse und damit auch die Mannschaft in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert haben, sondern dass sich auch das ganze Umfeld entwickelt hat. Es gibt so viele Menschen hinter dem Team, die großartige Arbeit leisten. Auch für sie ist der stark gestiegene Zuschauerzuspruch und die große Unterstützung ein tolles Signal und Bestätigung der ehrenamtlichen Arbeit. Alle Rädchen greifen beim Turnverein, alle machen mit: Der Basketball bewegt in Bad Bergzabern - so soll das auch im neuen Jahr bleiben! | Interview: Uwe Eid