MAIKAMMER RHEINPFALZ Plus Artikel Cittaslow: Auszeichnung für Weingut Dengler-Seyler

Der Wein reift hier im Holzfass: Eva und Matthias Seyler.
Der Wein reift hier im Holzfass: Eva und Matthias Seyler.

Wenn es darum geht, die Lebensqualität zu verbessern, liegt der Gedanke an guten Wein nah. Und deshalb passt ein Bio-Betrieb wie das Weingut Dengler-Seyler in Maikammer gut zum Citta-Slow-Gedanken. Dafür gab es jetzt eine Auszeichnung.

Das Weingut Dengler-Seyler in der Weinstraße Süd im Maikammer hat die Auszeichnung als „Cittaslow-Unterstützer“ erhalten. Der Präsident der Cittaslow-Bewegung in Deutschland, Deidesheims Bürgermeister Manfred Dörr, überreichte das „Unterstützer-Schild“. Hauptziele der Bewegung sind, die Lebensqualität zu verbessern, die Vereinheitlichung und Amerikanisierung von Städten zu verhindern sowie die kulturelle Unterschiede in Stadt und Land zu betonen.

Eva und Matthias Seyler, die das 200 Jahre alte Weingut in Familienbesitz in vierter Generation leiten, haben sich der Arbeit mit der Natur verschrieben. Ihre Reben gedeihen auf 18 Hektar Anbaufläche, die sich komplett in ihrem Besitz befinden und die sie seit 2018 biologisch bewirtschaften. Dafür ist ihr Betrieb auch zertifiziert. Ein Zukauf von Weinen anderer Winzer erfolgt nicht. Deshalb passen sie genau in das Schema von Cittaslow. „Man muss sich doch fragen, wie sich die Gesellschaft zeitgemäß entwickelt. Dazu sind eben Veränderungen notwendig. Das gilt in allen Bereichen, also auch der Weinwirtschaft“, stellt Mattias Seyler fest. Für ihn beschreibe Cittaslow den Mikrokosmos Maikammer.

Handlese der Trauben

„Wir haben aber nicht erst 2018 damit begonnen, biologisch zu wirtschaften, sondern sind schon seit 20 Jahren ganz nah am biologischen Anbau dran“, erklärt Seyler. Er ist der Meinung, dass diejenigen Winzer, die mit dem Attribut Bio werben, sich auch zertifizieren lassen sollten. Zu den Bio-Eigenschaften gehört der Verzicht auf Herbizide. Vordringlich setzt das Ehepaar Seyler auf Gründüngung. Aufgrund der Bio-Bewirtschaftung sinkt der Ertrag pro Hektar Rebfläche: Statt bei rund 100 Hektoliter liegt er nur noch bei circa 65 Hektoliter.

Das liegt neben der schonenden Bodenbewirtschaftung auch daran, dass die Trauben von Hand gelesen werden. Im Gegensatz zur Lese mittels Vollernter landet nicht alles in der Presse. Durch den Schnitt auf nur eine Rebe wird schon ein geringerer Ertrag vorgegeben, dazu kommt noch das gezielte Herausschneiden von Trauben schon während der Reifezeit. „Der Verzicht auf den größtmöglichen Ertrag wird durch die erzeugte hervorragende Weinqualität aufgewogen. Das ist uns all die Mühen wert“, stellt der Winzer fest.

Immer ein Wein aus besten Lagen

Um diese Qualität ins Glas zu bringen, bedarf es zahlreicher Arbeiterinnen und Arbeiter, welche das Ehepaar je nach Jahreszeit und Bedarf in den Weinbergen und im Keller einsetzt. Aus den Erträgen der Lagen „Kapellenberg“, „Heiligenberg“, „Am heiligen Berg“, „Schlangengässel“ und „Im oberen Weinsper“ kommen jährlich rund 130.000 Flaschen zur Abfüllung, wobei von jeder Lage ein „Beste-Lage-Wein“ produziert wird. Mit ihrer „Autumnus-Linie“ (Autumnus, lateinisch für Herbst) widmen sie sich dem Holzfassausbau der Burgundersorten, aber auch einer Sektlinie.

Die Weinbautechnikerin und der Industriekaufmann mit Winzerausbildung setzen in ihrem Betrieb auf klassische Rebsorten, wobei der Riesling und die Burgundersorten mit zusammen 80 Prozent den Hauptanteil bilden.

Aber auch Bukettweinen wie Muskateller, Scheurebe oder Gewürztraminer widmen sie viel Zeit. „Zeit ist etwas wichtiges im Weinbau“, stellt Matthias Seyler fest. In der heutigen Zeit komme der Wein oft zu schnell in die Flasche, er sei teilweise noch gar nicht ausgereift.

Weinkeller aus dem Barock

Der Keller, in dem die Weine bei den Seylers reifen, stammt aus der Zeit des Barock. Der Ausbau im Holzfass hat im Hause eine lange Tradition. Neben dem Weingut verfügt die Familie sogar über ein eigenes bauliches Wahrzeichen, den im Jahr 1913 als Weinberghäuschen erbauten Sonnentempel auf dem Heiligenberg.

Der aktuelle Jahrgang ist gerade für Bio-Winzer nicht einfach zu bewirtschaften. So gab es Probleme mit Peronospora, dem falschen Mehltau. Auch der echte Mehltau sorgte für Schwierigkeiten, die man aber in den Griff bekommen hat, berichtet Matthias Seyler. Die Pilzkrankheiten hatten, bedingt durch die recht feuchte Witterung im Frühjahr und Sommer, beste Grundlagen. Zudem tritt nun noch die Kirschessigfliege wieder vermehrt auf den Plan, von der besonders rote Rebsorten bedroht sind. Hier rechnet der Winzer ebenfalls mit Ertragsausfällen.

Info

  • Weingut Dengler-Seyler, Weinstraße Süd 6, 67487 Maikammer, Telefon 06321 5103, E-Mail weingut@dengler-seyler.de, im Internet www.dengler-seyler.de.
  • Öffnungszeiten: montags, mittwochs bis freitags 9 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr, samstags 9 bis 17 Uhr; dienstags, sonn- und feiertags nur nach Vereinbarung.
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