Südliche Weinstrasse
Café Ingrid auf dem Hermersbergerhof schließt Ende März
Seit 40 Jahren bereits führt Ingrid Scharwath die Café-Pension Ingrid auf dem Hermersbergerhof, der höchstgelegensten Siedlung im Pfälzerwald. Zum Jubiläum am vergangenen Freitag gaben sich die Stammgäste gegenseitig die Klinke in die Hand, so groß war der Andrang. Ende März aber schließt das beliebte Ausflugslokal für immer.
„Ich habe das alles die Jahre hindurch mit Leib und Seele gemacht“, sagt die Wirtin, die auch Eigentümerin des Hauses ist. Sie ist nun 73 Jahre alt und findet, dass es genug sei. Länger als ihr halbes Leben habe sie ihre Kraft aufgebracht, damit sich ihre Gäste hätten wohlfühlen können. Zu den treuesten gehört ein Ehepaar aus den Niederlanden. Seit 26 Jahren machen Paula und Lein aus Uitgeest in der Nähe von Alkmaar regelmäßig Urlaub bei ihr, dreimal im Jahr für jeweils zehn Tage.
Am Morgen nach dem Fest hängt Ingrid beim Frühstück mit den beiden in der gemütlichen Gaststube Erinnerungen nach. Lein rechnet zusammen: „Wir haben also jedes Jahr einen ganzen Monat bei Ingrid gewohnt. Insgesamt sind das mehr als zwei Jahre.“ Die beiden Holländer schwärmen von der Abgeschiedenheit in den Wäldern. Die Stille und die saubere Luft haben es ihnen angetan. Dabei, so berichten sie, hat sie eher der Zufall in die gottverlassene Gegend verschlagen. Auf einer Durchfahrt sei es gewesen, erzählt Paula. Sie hätten nach einer Bleibe für die Nacht gesucht. Jemand habe ihnen die Fremdenpension der Scharwaths empfohlen. „Es ist schon dunkel geworden, und die Straße ging immer weiter durch die tiefen Wälder. Wir wollten schon umkehren.“ Die Gastfreundlichkeit, mit der sie dann aber empfangen worden seien, habe prägend auf sie gewirkt.
Früher gab es Kappensitzungen im Café Ingrid
Seither habe das Café Ingrid sie nicht mehr losgelassen. Vor allem in der Faschingszeit ging es hoch her, als die Scharwaths noch das Gästehaus gegenüber mit allein 26 Betten mitführten. In der dort angebauten „Klosterschmiede“ wartete ihr vor zehn Jahren verstorbener Ehemann Fritz mit selbst gemachtem Flammkuchen auf. 60 Leute hätten an die Tische und Bänke gepasst, weiß Lein noch. Die Kappensitzungen hätten bis in die Nacht hinein gedauert. Er selber habe den Discjockey gemacht.
Ingrid Scharwath stammt aus Hinterweidenthal. Ehemann Fritz betrieb dort ein Geschäft als Steinmetz und Bildhauer. 1977 bauten sie sich das geräumige Haus auf dem Hermersbergerhof, zunächst nur für Wochenendaufenthalte. Aber schon 1979 eröffnete Ingrid darin das Café mit Übernachtungsmöglichkeiten – eine kluge Entscheidung, denn der Ort mauserte sich mehr und mehr zum Wanderparadies, nicht nur im Sommer oder Herbst. Es gab in den späten 1980er Jahren schneereiche Winter. Ein Skihang nebst Rodelbahn entstand am Hermersbergerhof. Die Waldwege verwandelten sich in Langlaufloipen. Um die Autos der vielen Tagestouristen fernzuhalten, wurde am Ortsanfang ein riesiger Parkplatz angelegt. Im Café herrschte fast täglich Hochbetrieb.
Ein Träger aus Sandstein stützt die Decke
Die heimelige Gaststube wird von einer baulichen Besonderheit beherrscht. Ein gewaltiger Träger aus Sandstein stützt die Decke. Er ruht auf den Gewändesteinen einer ehemaligen Toreinfahrt, in die Steinmetzlehrlinge kunstvoll Ornamente und Reliefs eingeschlagen haben. Vier Jahre nach Eröffnung zogen die Scharwaths ganz in das neue Haus. Zunächst halfen Mutter, Vater und Tante noch kräftig mit. Auch Fritz packte mit an, holte gerne mal versprengte Hausgäste, die in Hofstättens Gasthäusern hängengeblieben waren, mit seinem Pritschenwagen auf holperigen Waldwegen zurück.
„Meine Mutter hat einen Strammen Max kreiert, den wir heute noch anbieten“, sagt die Tochter. „Wir haben noch mehr Spezialitäten, etwa die Lauch-Hackfleischsuppe, die Sauerkrautsuppe.“ Zum Renner sei der eingelegte Matjes geworden oder die Kuchen – alles hausgemacht. Ingrid Scharwath ist froh, dass sie Sabine Lanowski als Küchenchefin hat, und Monika Schwarz für die Sauberkeit im Haus.
Seit drei Jahren hat Ingrid Scharwath wieder einen Lebensgefährten, Wolfgang aus Schwegenheim, einen pensionierten Apotheker. Mit ihm möchte sie die weiteren Jahre in Ruhe verbringen und endlich einmal die Umgebung erwandern.
Info:
Die Café-Pension Ingrid hat noch geöffnet bis 31. März, mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. ǀ