Kreis Südliche Weinstraße Bussard im Klassenzimmer

Das war sicherlich eine der spannendsten Schulstunden seit Langem für die Zweitklässler der Böhämmer-Grundschule in Bad Bergzabern. Kam doch der Vorleser Marcus Hohaus nicht nur mit ausgestopftem Hasen und Fuchs in die Schulbibliothek, sondern auch noch mit einem quicklebendigen Wüstenbussard – der schönen Wilma.
Bevor der in der Kurstadt wohnende Bienenzüchter, Falkner und Jägerausbilder seine Überraschungskiste mit Wilma für die Kinder öffnete, las er ihnen erst einmal seine zwei Tiergeschichten vor. Es war die fünfte Lesung aus der Reihe „Bergzabener Buchlese“, zu der auch die Organisatorinnen Renate Becker, Helvi Sternberg-Fedderkern und Eva Wichmann gekommen waren, unterstützt wurden sie von Schulrektor Fritz Ehrgott. Marcus Hohaus hatte kurz vor Beginn etwas Lampenfieber, denn Kinder sind „kritische Zuhörer“, wie Helvi Sternberg-Fedderkern aus der Stadtbibliothek weiß. Doch gekonnt meisterte Hohaus dann seine Vorlesestunde, erzählte zuerst von Fuchs und Hase, die eines kalten Wintertags gemeinsam loszogen, um etwas Fressbares zu ergattern. Geschickt band er die gebannt lauschenden Kinder immer wieder in die von Ludwig Bechstein geschriebene Geschichte ein, ließ sie Fragen beantworten und Lösungen erraten. Dass am Ende der Hase doch schlauer war als der schlitzohrige Fuchs, liegt in der Natur der Sache: Denn wer sich zuletzt freut, freut sich bekanntlich am besten. Die folgende, aus dem Internet gefischte Geschichte von „Ritter und Greif“ war zwar nicht gerade kindgerecht verfasst, aber sie gab Anlass genug, sich ausgiebig über den geschicktesten Weg durch ein Labyrinth auszutauschen, und sie führte schließlich hin zum Höhepunkt der Lesung: Wilma! Die Begeisterung war groß und wäre die mahnende Lehrerin nicht gewesen, hätte am liebsten jedes Kind auch einmal den großen Vogel auf der behandschuhten Hand gehalten und sein zartes Gefieder gestreichelt. Schön war der Vogel anzuschauen, auch von fern: als hätte er sandfarbene Kniebundhosen an, darüber ein dunkelgraues Federkleid mit fast schuppenartig gemusterten braun-grauen Flügeln und einem weiß-braun gestreiften Schwanzgefieder. Etwas mehr als ein Jahr ist die etwa 1000 Gramm schwere Wilma und sie „ist eigentlich kein richtiger Bussard, denn Bussarde sind Einzelgänger“, lernten die Kinder. Wilma aber mag Gesellschaft und selbst vor der Kinderschar blieb sie ganz gelassen, äugte mal schräg und schlug mal mit den Federn, wagte, trotz Fußfessel, auch mal den Flugstart und pfefferte die ein oder andere saftige Verdauungsladung auf das vorsorglich ausgebreitete Zeitungspapier. Der Lacher war auf der Kinderseite. Klar lesen die Kinder gerne und klar war dies eine spannende Lesung, aber am allerbesten war Wilma, darüber waren sich die begeisterten Zweitklässler am Schluss einig. (ika)