Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Busfahren in der Pandemie: „Die Fahrgäste sind disziplinierter geworden“

Manfred Jochim fährt alle Busse, auch die kleinen der sogenannten Sprinterlinie.
Manfred Jochim fährt alle Busse, auch die kleinen der sogenannten Sprinterlinie.

Seit fast vier Jahrzehnten ist Manfred Jochim aus Hayna Busfahrer. In dieser lange Zeit hat sich natürlich viel verändert. Nicht erst seit Beginn der Pandemie. Kurios ist, wie der 62-Jährige zu seinem Beruf gekommen ist.

In zwei Jahren geht Manfred Jochim als Busfahrer in Rente. Gelernt hat er Kfz-Schlosser, anschließend arbeitete er 35 Jahre in einer Möbelfabrik in Germersheim. Durch Zufall kam er zum Busfahren. „Eines abends saßen wir in einer Stammtischrunde zusammen, ich wurde zum Busfahrer ernannt und fuhr alle heim. Das hat mir so gut gefallen, dass ich mich gleich am nächsten Tag für den Busführerschein anmeldete.“ Inzwischen fährt der 62-Jährige seit fast 30 Jahren Bus, hauptberuflich allerdings erst seit vier Jahren. Davor fuhr Jochim nebenberuflich Bus, als Vertretungsfahrer nach Feierabend oder im Reiseverkehr an den Wochenenden. „Ich feierte in der Möbelfirma Überstunden ab und fuhr mit einer Reisegruppe für zwei Wochen nach Norwegen.“

Jochim arbeitet beim Busreiseunternehmen Hetzler in Herxheim. Er ist dort auf allen Linien eingesetzt, auch auf der Sprinterline, „das sind die kleinen blauen Linienbusse, die neuerdings die Strecke RohrbachKandelRülzheim fahren“. Die Linie wird gut angenommen von den Fahrgästen, sagt Jochim. „Und so wird Hayna viel öfter angefahren.“

Stehen müssen die Fahrgäste nur selten

Wegen der Pandemie hat sich einiges verändert, zum Beispiel wurde in den Bussen ein Spuckschutz zwischen Fahrer und Eingang installiert. Außerdem sind die jugendlichen Fahrgäste seit Corona viel disziplinierter, findet Jochim. „Wenn sie so bleiben, bin ich sehr zufrieden.“ Es liege auch nicht mehr so viel Dreck auf dem Boden. Vor Dienstende sei es die Aufgabe des Busfahrers, den Bus besenrein zu verlassen. „Wenn es regnet und viele Leute mit matschigen Schuhen ein- und aussteigen, habe ich viel zu tun.“ Auch der Geräuschpegel ist aktuell nicht mehr so hoch, da es weniger Fahrgäste gibt. Vor Corona waren die Busse zumindest auf den Schulwegen voll besetzt.

In seinen Anfangszeiten als Busfahrer fuhr Jochim Gelenkbusse, auch Ziehharmonika-Busse genannt, mit über 100 Schülern an Bord. Heute haben die großen Busse etwa 50 Sitzplätze plus 30 Stehplätze, „wobei selten Fahrgäste stehen müssen“. Und wenn dies doch einmal vorkommt, sorgt Jochim dafür, dass kleine Kinder, ältere Herrschaften oder andere Bedürftige einen Sitzplatz bekommen. „Die Leute, die ich auffordere den Platz frei zu machen, sind eigentlich immer einsichtig.“

Kameras helfen Vandalismus aufzuklären

Bei besonderen Ereignissen wie Kerwe oder verkaufsoffenen Sonntagen, muss er die Personenanzahl im Überblick behalten. Dabei helfe ihm ein Monitor, der Bilder einer Kamera zeigt, die hinten im Bus installiert ist. Dies helfe auch, um mitzubekommen, wenn plötzlich jemand aufsteht, was wichtig ist, falls er mal scharf bremsen muss. „In Rheinland-Pfalz gibt es in Linienbussen keine Anschnallpflicht.“ Manchmal stehen jüngere Schulkinder einfach auf, da sie an jeder Haltestelle den Sitzplatz wechseln möchten, erzählt Jochim, da muss er dann besonders aufpassen.

Die Kamera helfe auch, Vandalismus aufzuklären. „In der Aufnahme sieht man die Leute nur von hinten. Doch da es fast immer dieselben Leute sind, die mitfahren, kenne ich die meisten Fahrgäste.“ Früher wurden manchmal die Sitze aufgeschlitzt oder es wurden Aschenbecher geklaut, „damals war Rauchen in Bussen noch erlaubt.“ Seit die Kameras in den Bussen sind, verhalten sich die Fahrgäste disziplinierter, findet Jochim.

Außerdem fällt ihm auf, dass heutzutage immer mehr Eltern ihre Kinder mit den Autos zur Schule fahren. Früher sei man bei Wind und Wetter zu Fuß zur Schule gegangen oder mit dem Rad gefahren, sagt der Busfahrer. Vor Corona war an den Schulen oft die ganze Straße zugeparkt, „die Autos halten im absoluten Halteverbot und behindern den Verkehr. Manche Eltern schauen dann nur ganz verwundert und merken anscheinend gar nicht, dass der Bus ihretwegen nicht weiterfahren kann.“ Raus kommt er manchmal auch nicht. „Da sieht die Zentrale gleich, dass ich zu spät bin.“ Durch eine Funkverbindung kann die Leitzentrale live verfolgen, wo sich der Bus gerade befindet, wo er steht, wo er angehalten hat und wann er von wo abgefahren ist.

„Kaffeekränzchen“ mit einer 100-Jährigen

Jetzt zu Corona soll der Fahrer kontrollieren, ob die Fahrgäste durchgehend ihren Mundschutz tragen. Das ist schwer umsetzbar, findet Jochim. Doch wenn er mitbekommt, dass jemand die Maske abzieht, kann er eine Durchsage abspielen mit der Bitte, die Maske aufzusetzen. Außerdem hat der Fahrer im Bus das „Hausrecht“, er kann also ein Hausverbot, in dem Fall ein Beförderungsverbot, erteilen.

Als besonderes Ereignis bleibt Jochim eine ältere Dame in Erinnerung. „Ich fuhr den Shuttlebus über die Rheinbrücke nach Speyer. Eine Frau stieg ein, sie sagte sie ist 100 Jahre alt, ihr falle die Decke auf den Kopf und sie möchte in Speyer einkaufen gehen.“ An einer Haltestelle holte Jochim für sich und die Dame einen Kaffee, sie saßen zusammen im Bus und erzählten, bis die Fahrt weiterging.

Etwas möchte Jochim den anderen Verkehrsteilnehmern mitteilen: „Im Dorf ist es oft sinnvoller mit 40 statt 50 Stundenkilometern zu fahren, dann kommt man schneller durch und muss nicht ständig ruckartig bremsen.“ Dies kommt dann auch dem Bus zugute, wenn er sich durch enge Hauptstraßen schlängeln muss. Außerdem ist ihm aufgefallen, dass Autofahrer oft nicht mehr den Blinker setzen, wenn sie anfahren. Das sei nicht ungefährlich.

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