Klingenmünster
Burg Landeck: Bekannter Pfälzer Gastronom übernimmt Burgschänke
Mit 64 Jahren denken die meisten an die Rente. Jürgen Stern dagegen ist bereit für ein neues Abenteuer. Ihn zieht es auf die Burg Landeck, die hoch über der Gemeinde Klingenmünster thront. „Mich reizt es einfach, jetzt noch einmal solch eine Aufgabe anzugehen“, sagt der Landauer, der sein Restaurant am Kleinen Platz in Landau aufgibt, um im Pfälzerwald neu anzufangen.
Da das Altstadt-Stern’l in der Innenstadt erst zum Jahresende schließt, er aber schon jetzt in der Burgschänke präsent ist und das Team unterstützt, etwa beim anstehenden Weihnachtsmarkt am dritten Adventswochenende, hat er aktuell eine Doppelbelastung. Aber das sei nicht so schlimm. „Gastro ohne Stress gibt es nicht“, sagt der Südpfälzer, der seit mehr als 30 Jahren im Gastgewerbe tätig ist.
Vom Weinpavillon ins Restaurant
1990 eröffnete Jürgen Stern sein erstes Lokal in Birkweiler, führte dort später den Weinpavillon am Keschdebusch. Die Idee, die Weinschorle schoppenweise auf „der grünen Wiese“ auszuschenken, ging auf. Später ging es für ihn nach Landau. Dass seine Zeit nun dort zu Ende geht, hat viel mit Ralf Altherr zu tun. Als Vorsitzender des Landeckvereins und als Geschäftsführer der Burg Landeck Gastro GmbH hat er sich darum bemüht, ihn als neuen Betriebsleiter zu gewinnen. Obwohl er auf seine erste Mail an Jürgen Stern keine Reaktion erhielt – was daran lag, dass es eine veraltete Adresse war, so Jürgen Stern –, probierte er es erneut. Mit Erfolg.
Mit dem bisherigen Betriebsleiter hatte man sich im Herbst einvernehmlich darauf geeinigt, getrennte Wege zu gehen. Das ist insofern spannend, weil es auch wegen dieser Personalie im vergangenen Jahr zu Differenzen zwischen dem Landeckverein und dem Stiftsgut Keysermühle kam. An diesen hatte er die Burgschänke ab 2016 für mehrere Jahre unterverpachtet, der Landeckverein selbst ist ebenfalls Pächter. Eigentümerin des imposanten Bauwerks ist nämlich die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE), also das Land Rheinland-Pfalz.
Landeckverein: Mehr Zugriff auf Burgschänke
Die Mitglieder des Landeckvereins pflegen die Ruine und sorgen dafür, dass sich die mehr als 100.000 Besucher, die jährlich hoch zur Burg kommen, dort wohlfühlen. Weil sie mehr Einfluss auf den Betrieb der Burgschänke haben wollten, trennte sich der Verein vom Stiftsgut Keysermühle und gründete die besagte Burg Landeck Gastro GmbH.
Die Burgschänke habe sich im Jahr eins nach der Neuorganisation gut entwickelt, betont Altherr. Das macht er vor allem an den Bewertungen bei Google und Tripadvisor fest. Doch er und seine Mitstreiter sind überzeugt, dass die Gastro noch mehr Potenzial habe, das nun Jürgen Stern ausschöpfen soll. Umgekehrt weiß der Landauer, was sich für Möglichkeiten an seiner neuen Wirkungsstätte bieten.
Kindheitserinnerungen an die Burg Landeck
Viele Menschen ziehe es verstärkt nach draußen in die Natur, beobachtet Stern. So wie es in seiner Kindheit war, als man nicht am Smartphone hing, sondern auf die Hütte oder zu anderen Ausflugszielen im Pfälzerwald ging. Die Burg Landeck habe er häufig mit seinem Vater erlebt, dabei habe er auch mitbekommen, wie man durch die Holzbrücke einen neuen Zugang zur Burg schaffte.
Trotz der Verbundenheit mit seiner Region zog es Jürgen Stern als jungen Mann ins Ausland. Nach seiner Lehre zum Kfz-Mechaniker ging er in die USA. Später war er in der Dominikanischen Republik tätig, sei dort durch Freunde zu einer Käsefabrik gekommen. Nach der Rückkehr in die Heimat begann das Gastro-Leben für ihn.
Geschäftsführer: „Stern unsere erste Wahl“
Für Ralf Altherr war Jürgen Stern die erste Wahl für die Stelle des Betriebsleiters. Unter anderem, weil er die Erfahrung und Ideen mitbringe, um dieses Geschäft auf der Burgschänke regeln zu können. Es biete zwar viele Vorteile: So ist die Burg Landeck stärker besucht als andere Ruinen im Land. Und durch die abgelegene Lage habe man in Sachen Events mehr Gestaltungsspielraum. Allerdings lebe die Burgschänke hauptsächlich von der Außengastronomie. Was heißt, dass nicht alles so planbar sei wie in einem Restaurant. Bei schlechtem Wetter habe man auch mal weniger zu tun, im Sommer dagegen möchte die Masse bedient werden.
Doch Jürgen Stern weiß, worauf er sich einlässt. Zumal er auch Ideen hat, wie die Burgschänke als Treffpunkt etabliert werden könnte. So, wie es lange Zeit mal war: Der Mittwoch beispielsweise war der Tag, an dem die Handwerker mittags einkehrten. Der neue Gastgeber möchte in der Küche eine wechselnde Tageskarte. Für kulturelle Akzente sollen die regionalen Musiker sorgen, denen man eine Bühne bieten wolle. Jenen Künstlern, die nach einem Ort suchen, an dem sie spielen und den Hut rumgehen lassen können, um auch in finanzieller Hinsicht etwas vom Abend zu haben. Das Landeckfest, das der Verein in diesem Jahr wegen des zu hohen Aufwands und aus Kostengründen absagte, soll es auch wieder geben, so Jürgen Stern.
