Klingenmünster
Nach Pachtauflösung: Landeckverein übernimmt Burgschänke
Seit einer Woche schauen Wanderer und Burgenfans in die Röhre, wenn sie der Landeck einen Besuch abstatten. Wo bis vor Kurzem noch Schorle, Flammkuchen und andere Pfälzer Klassiker zu einer gemütlichen Rast in altem Gemäuer mit herrlichem Ausblick lockten, stehen Gäste aktuell vor verschlossenen Türen und Ausgabefenstern. Die Burgschänke inmitten des beliebtes Ausflugsziels ist geschlossen. Grund: Differenzen zwischen dem Landeckverein und dem Gastrobetreiber, der Stiftsgut Keysermühle GmbH, die unten im Ort auch gleichnamiges Hotel mit Restaurant betreibt.
Was genau dahintersteckt, da bleiben beide Parteien nach wie vor vage. Denn es geht auch um eine Personalie und ein laufendes Verfahren. Nachdem der Landeckverein in der vergangenen Woche kaum ein Wort zu dem abrupten Ende von sich geben wollte, geht er nun in die Offensive. Umfangreich schildert er, wie sich die Entzweiung anbahnte und wie es in Zukunft weitergehen soll. Sicherlich nicht zuletzt, um den mehr als 100.000 Besuchern, die die Ruine oberhalb von Klingenmünster alljährlich ansteuern, die Sorge zu nehmen, die Schänke könnte dauerhaft versperrt bleiben. „Es entspricht den Vorstellungen und Werten des Landeckvereins, dass die Burg mit ihrer Burgschänke in allen Jahreszeiten für die Menschen aus Klingenmünster und Umgebung, für Wanderer und Radfahrer, Urlauber und historisch interessierte Gäste ein beliebtes Ausflugsziel und ein Ort der Gastlichkeit mit Pfälzer Küche und der dazu gehörenden Schorle bleibt“, versichert der Verein in einer Stellungnahme.
Neue Gastro GmbH soll gegründet werden
Noch einmal kurz die Verhältnisse zusammengefasst: Eigentümer der Burg ist die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) – also das Land. Diese hat das Bauwerk an den Landeckverein verpachtet, der die Ruine ehrenamtlich pflegt. Die Burgschänke innerhalb der Gemäuer ist seit 2016 an das Stiftsgut Keysermühle verpachtet, hinter dem die Pfalzstiftung steht. Und offenbar gingen und gehen die Vorstellungen zwischen Verein und Gastrobetreiber auseinander.
Der Landeckverein erklärt nun, dass er schon „seit Monaten an der Entwicklung von Plänen für die Zukunft der Burgschänke arbeitet“. Zuvor sei in intensiven Gesprächen im Vorstand und Ausschuss des Vereins gemeinsam entschieden worden, den eigentlich erst im Februar 2026 auslaufenden Pachtvertrag mit dem Stiftsgut Keysermühle nicht mehr zu verlängern. Der Verein habe verschiedene Geschäftsmodelle geprüft. Zusammen mit einer Steuer- und Unternehmensberatung sei dann der Entschluss gefallen, dass der Verein einen eigenen Betrieb gründen soll – die Burg Landeck Gastro GmbH. Deren alleiniger Gesellschafter soll der Landeckverein sein. „Diese GmbH wird zukünftig die Burgschänke betreiben und für die Besucher ein gastronomisches Angebot entwickeln“, kündigt der Verein an. Die GDKE sei in den gesamten Prozess miteingebunden.
Eigentlich Pachtende erst für später vorgesehen
Mitte Juli habe das Stiftsgut Keysermühle schriftlich von den Plänen erfahren, berichtet der Verein. Im gleichen Atemzug sei dem Gastronomiebetreiber vorgeschlagen worden, „das Pachtverhältnis im beiderseitigen Einvernehmen vorzeitig zu beenden“. Damit hatte der Verein aber nicht jetzt, sofort gemeint, sondern Ende dieses Jahres oder Frühjahr 2025 angepeilt, um einen geordneten Betreiberwechsel vollziehen zu können. Doch dann kam alles anders.
„Die Situation hat sich allerdings in den letzten Tagen aufseiten der Stiftsgut Keysermühle gGmbH so stark und einschneidend verändert, dass wir zur Kenntnis nehmen mussten, dass ein dem Pachtvertrag entsprechendes Betreiben der Burgschänke durch die Pächterin nicht mehr gewährleistet werden kann“, heißt es vom Landeckverein. Gemeint ist damit die angesprochene Personalie. Wie Geschäftsführerin Christiane Steinmetz bereits äußerte, hat die Keysermühle vor wenigen Tagen ihrem Betriebsstättenleiter fristlos gekündigt. Dieser war nicht nur Gastro-Manager im Stiftsgut, sondern auch für die Burgschänke und das Café Buntspecht in der Kaiserbacher Mühle in Klingenmünster zuständig. Laut Steinmetz wurde der Mitarbeiter angezeigt. Was ihm vorgeworfen wird, sagt sie aus juristischen Gründen nicht. Das Problem sei nun gewesen, so Steinmetz, dass der Landeckverein mit eben jenem Mann als Chef der Burgschänke weitermachen wolle. „Deswegen hatten wir keine gemeinsame Wertebasis mehr“, so die Geschäftsführerin zur Auflösung des Pachtvertrags mit sofortiger Wirkung. Wobei diese betont, dass man sich „sauber und friedlich getrennt“ habe.
Ist die Burg aktuell geöffnet?
„Gegenseitiges Einvernehmen“ bestätigt auch der Landeckverein. Seit vergangenem Mittwoch gehen beide Seiten offiziell getrennte Wege. „Diese für uns unerwartete und nicht geplante Entwicklung führte leider zu der aktuellen zeitweiligen Schließung der Burgschänke“, führt der Verein aus. Dieser arbeite nun „mit Hochdruck“ an einer vorgezogenen und schnellstmöglichen Gründung der Burg Landeck Gastro GmbH. Bei den Behörden sei dies bereits eingeleitet worden. Für die Geschäftsführung soll eine Unternehmensberatung engagiert werden. Den gastronomischen Part soll – wie Steinmetz bereits kundtat – der bisherige Betriebsstättenleiter übernehmen. „Er ist unser Wunschkandidat, mit dem wir bereits seit mehreren Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten“, so der Verein.
Wie und vor allem wann geht’s nun also weiter? „In den nächsten Tagen werden wir einen neuen, realistischen Zeitplan entwickeln und hoffentlich bald ein Datum für die Neueröffnung der Burgschänke bekanntgeben“, kündigt der Verein an. Bis dahin sei die Burg für Besucher täglich von 10 bis 18 Uhr zur Besichtigung geöffnet. Der Burgturm mit Museum und die Burgschänke bleiben vorläufig geschlossen.
