Maikammer / Deidesheim / Lambrecht
Brauchtumspflege trotz Pandemie
Die Stadt Neustadt hat bereits alle Veranstaltungen bis Ende Juni abgesagt, Maikammer ist jetzt gefolgt. Der Gemeinderat hat am Dienstag beschlossen, Veranstaltungen der Ortsgemeinde, wie das Maifest, die Kerwe, die Alsterweiler Brunnenkerwe und den Gartenmarkt, abzusagen. „Dies auch deshalb, da es noch einige Monate dauern wird, bis die größte Zahl der Impfwilligen geimpft sein wird“, heißt es in einer Pressemitteilung der Gemeinde. Weiterhin sei es nötig, die Kontakte zu reduzieren.
„Unsere Veranstaltungen beginnen nicht erst mit deren Eröffnung“, verdeutlicht Ortsbürgermeister Karl Schäfer (CDU). Die Vorbereitungen erforderten viele Treffen und Gespräche der Organisationsteams. Deshalb sei es aus seiner Sicht „unverantwortlich und unzulässig“, mit den Vorbereitungen zu beginnen und hohe Kosten zu produzieren. Die Entscheidung sei mit den Akteuren der Veranstaltungen besprochen.
Deidesheim: Entscheidung nächste Woche
In Deidesheim steht das Thema in der kommenden Woche in der Stadtratssitzung auf der Tagesordnung. „Sicherlich werden wir nicht wie gewohnt feiern können“, sagt Stadtbürgermeister Manfred Dörr (CDU). Die nächste größere Veranstaltung in Deidesheim wäre die Geißbockversteigerung, traditionell am Dienstag nach Pfingsten. In diesem Jahr ist das der 25. Mai. „Wir wollen versuchen, das Brauchtum trotz Pandemie zu erhalten“, so Dörr. So soll auf jeden Fall an der Tradition der Geißbocklieferung festgehalten werden. Die Stadt Lambrecht hatte über Jahrhunderte zur Abgeltung von Weiderechten im Waldgebiet der Stadt Deidesheim jährlich einen Geißbock abzugeben, woraus sich schon im 19. Jahrhundert ein Volksfest entwickelt hat. In „normalen“ Zeiten kommen mehrere Tausend Besucher zur Geißbockversteigerung nach Deidesheim.
Im vergangenen Jahr waren es genau zehn offizielle Vertreter aus Lambrecht und Deidesheim, die an der Übergabe des Tributbocks teilnahmen. Die Versteigerung entfiel ganz, der Bock kehrte umgehend zurück auf die Weide von Züchter Oliver Wittmer. Für 2021 war zunächst eine Doppelversteigerung geplant.
Inzwischen ist klar, dass es auch in diesem Jahr keine Versteigerung mit vielen Besuchern geben wird. Doch es ist noch offen, in welcher Form zumindest der Kern des Brauchtums umgesetzt wird. „Wir sind im Gespräch mit dem Versteigerer und der Spielgruppe“, so Dörr. Möglich wäre beispielsweise ein Live-Stream der Gerichtssitzung. Wie viele Personen an der Geißbock-Übergabe teilnehmen können, müsse mit dem Gesundheitsamt besprochen werden.
Lambrecht: Heimatabend fällt aus
Fest steht, dass es in Lambrecht keinen Heimatabend geben wird. Im vergangenen Jahr war er auch ausgefallen, es hatte aber ein Brautpaar gegeben, das den Tributbock nach Deidesheim gebracht hat: Alessa Grimm und Steffen Kern. Wie es in diesem Jahr sein wird, ist noch offen. Ein Brautpaar schien zunächst da zu sein, inzwischen hätten sich die beiden jedoch getrennt, sagt Müller. Ob es eine Wanderung geben könne, sei ebenfalls unklar. Was den Verantwortlichen auch Gedanken macht: Eventuell gibt es im kommenden Jahr dann drei Tributböcke, die versteigert werden müssen.
Ein bisschen Zeit haben Deidesheim und Lambrecht noch, um eine Entscheidung über die jeweilige Kerwe zu fällen. Beide Veranstaltungen finden im August statt. Dass das Weinfest in Deidesheim „wie normal“ stattfindet, glaubt Dörr nicht. Schließlich ist die Deidesheimer Weinkerwe (zweites und drittes August-Wochenende) eine der größten in der Pfalz. Dörr hofft, dass bis Sommer kleinere Veranstaltungen im Freien und mit Einlasskontrolle möglich sein werden.
Die Gemeinde Haßloch hat sich für die Maikerwe und die Leisböhler Weintage, die am dritten Wochenende im Mai gefeiert werden, ein Zeitfenster gesetzt. Da laut Verwaltung eine Vorlaufzeit von rund drei Wochen notwendig ist, werden die Verantwortlichen beobachten, wie sich die Pandemie Mitte bis Ende April entwickelt. Dann will die Gemeinde entscheiden, in welcher Form Maikerwe und Weintage abgehalten werden. Für das traditionelle Andechser Bierfest am vierten Septemberwochenende gelten andere Planungszeiträume. Spätestens Anfang Juli muss eine Entscheidung fallen, ob das größte Fest im Großdorf gefeiert werden kann.