Kreis Südliche Weinstraße Besen-Geheimnis gelüftet
Wer glaubte, das herbstliche Wetter am Samstag hätte die Besucher vom 17. Maikammerer Gartenmarkt abgehalten, der irrt. „Es waren vielleicht ein paar weniger da, aber ich bin erstaunt, wie gut der Markt am Samstag besucht war“, resümierte Verbandsbürgermeister Karl Schäfer am Abend.
Bis kurz vor 18 Uhr war in den Straßen und Gassen reger Betrieb. Besucher mit Tüten und Kisten voller Pflanzen brachten ihre neuen Schätze nach Hause. Bei Ursula Ohse wurde dann noch kurz vor Geschäftsschluss der ersehnte Hut gekauft. „Um den schleiche ich schon den ganzen Tag herum“, sagte eine Kundin. Ohse ist Inhaberin des „Ateliers Kopfsache“ in Freiburg, wo sie ein Atelier, aber keinen Laden betreibt. Die Modistin präsentiert ausschließlich auf Märkten, die sie im Internet ankündigt. In Maikammer ist sie zum 16. Mal dabei und hat hier ein Stammpublikum. „Jede Kopfbedeckung aus Filz ist ein Einzelstück“, erklärt sie. Woll- oder Haarfilz werden von ihr gepresst, gebügelt, plattiert, gedehnt, gerandelt, gestaucht, geformt, mit Schellack gesteift und mit Accessoires versehen, bis ein Hut das gewünschte Aussehen hat. Ohse setzt nur eigene Entwürfe um, die sich an dem Stil der 1920er-Jahre anlehnen. „Immer einen Schnitt voraus“ ist der Gärtner mit Gerhard Krügers Garten- und Astscheren. Die nach seinen Worten dreimal leichter zu bedienenden Gartenscheren schneiden Äste bis 25 Millimeter Durchmesser spielend leicht durch, was an seinem Stand auch ausprobiert werden kann. Es handelt sich um eine Roll- und Hebelübersetzung der Klinge, die die Arbeit spürbar erleichtert. „Keine Kraftverschwendung und keine Sehnenscheidenentzündungen mehr nach Schnittarbeiten“, sagt er schmunzelnd. Krüger ist seit zwölf Jahren Anbieter auf dem Gartenmarkt. „Ein guter Besen hält so lang wie eine gute Ehe“, zitiert Harald Klein von der Besen- und Bürstenfabrik Josef Klein aus Ramberg ein altes Sprichwort. Er erklärt den Zusammenhang zwischen Borstenqualität und Langlebigkeit: „Ein Stubenbesen aus Rosshaar hält gut 40 bis 50 Jahre und kostet zwischen 22 und 25 Euro“. Allerdings würden heute kostengünstige „Rosshaarbesen“ angeboten, die gerade mal zehn Prozent Rosshaaranteil hätten. Die Kunststoffborsten aber verformten sich schnell und stellen sich nicht wieder auf, so dass sie ihren Zweck nicht mehr erfüllen können. Bis zu 700 unterschiedliche Bürsten und Besen hat Klein dabei, allein 17 verschiedene Nagelbürsten. Für Bewohner einer Altbauwohnung mit hohen Stuckdecken ist nach Kleins Erklärung der „Wiener Wand- und Deckenbesen“ unverzichtbar. Die flauschigen Ziegenhaarborsten, die auch mit etwas Rosshaar gemischt sein können, säubern und pflegen die Schmuckleisten und Rosetten an Wand und Decke. Natürlich gibt es auf dem Maikammerer Gartenmarkt jede Menge Pflanzen zu sehen und zu kaufen. Gerhard May vom Ortenauer Staudencenter hatte einige Raritäten mitgebracht. So die aus Nordamerika stammende Indianerbanane (Asimina triloba) mit vielfältigen Eigenschaften: Sie hat purpurrote Glockenblüten mit exotischem Flair, Früchte mit tropischem Geschmack zwischen Ananas und Mango, eine leuchtend gelbe Herbstfärbung und ist bis minus 25 Grad Celsius winterhart. Sie ist Frucht- und Ziergehölz zugleich. May ist seit zehn Jahren auf dem Gartenmarkt vertreten und freute sich über die vielen Besucher am regnerischen Samstag. Der Sonntag war trocken und wieder gut besucht. |stgi