Kreis Südliche Weinstraße Berater des Kurfürsten

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Kirrweiler feierte Doppel-Jubiläum: Anno 1466 wurde der Ort zum Marktflecken erhoben. Im gleichen Jahr erblickte der große Sohn der Gemeinde, Florenz von Venningen (1466-1538), das Licht der Welt. Von Venningen, weil sich die landadelige Familie nach ihrem Herkunftsort nannte, ursprünglich von dort stammte. Doch als Florenz geboren wurde, war seine Familie schon rund 150 Jahre im Oberamt Kirrweiler ansässig und verwaltete hier die Burg.

Mit einem festlichen History Dinner im Edelhof gedachte die Gemeinde Kirrweiler ihres großen Sohns. Am Vorabend lud der Heimat- und Kulturverein zu einem gut besuchten Vortrag ins Gasthaus Schwanen. Es referierte der Historiker und Kreisarchivar Andreas Imhoff. Im Vorfeld ausverkauft war das von Judith Ziegler-Schwaab moderierte Dinner mit historischen Hintergrund. Am weitesten gereist war eine amerikanische Besucherin aus Los Angeles, die mit Heidelberger Freunden nach Kirrweiler gekommen war. Ein großer Moment war es, als das „Porträt“ des Florenz enthüllt wurde: Das von der Kirrweilerer Künstlerin Andrea Ramsel geschaffene Gemälde zeigt einen Edelmann aus der Zeit der Renaissance. Florenz von Venningen, so wie er ausgeschaut haben könnte – denn es existieren von berühmtesten Kirrweilerer zahlreiche Schriften, jedoch kein Bildnis. Dafür nahm Ramsel unter anderem Anleihen beim „Venninger Doktor“ der Neuzeit: Georg Wiedemann vom Weinessiggut Doktorenhof in Venningen, sponserte nicht nur zwei Edelessige, er versprach auch spontan seinem großen Vorbild noch einen ganz besonderen Essig „Florenz Florentissimus“ zu widmen. Gegessen wurde zu Musik aus der Zeit der Renaissance. Aufgetischt wurde ein Menü frei nach der Gesundheitsküche des Doctor Florenz. Sebastian Hauptmann, Chefkoch im Edelhof-Restaurant, hat sich inspirieren lassen. Auch nach 500 Jahren noch gültig ist der Wahlspruch des heilkundigen Kurpfälzer Kanzlers: „Dem Menschen überige Fülle zu verbieten sein Leben lang.“ Kirrweilers großer Sohn Florenz von Venningen war ein Vielbegabter, galt als Wunderkind seiner Epoche. Studiert hatte er in Siena und promoviert in beiderlei Recht (weltliches und Kirchenrecht). Tätig am Reichskammergericht, erhielt er anno 1499 eine Professur an der Universität Heidelberg und wurde zum Berater des Kurfürsten bestellt. Drei Jahre später war der Kirrweilerer bereits Kanzler der Churpfalz. Er blieb dies 36 Jahre lang, bis zu seinem Tod im Jahr 1538. Loyal nach innen und diplomatisch nach außen, diente er drei Kurfürsten als Kanzler, auch vertrauter Freund und Ratgeber. Nebenher befasste Florenz von Venningen sich mit Heilkunde und begründete Heidelbergs berühmte Apotheke zum Einhorn. (rhp)

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