Offenbach
Bekannte Schleichwege sollen legalisiert werden
Viele kennen die beiden unscheinbaren und ziemlich löchrigen Straßen, nicht nur die Offenbacher. Wer beispielsweise aus Richtung Ottersheim kommt und fix nach Herxheim möchte, weil er keine Lust hat, an der Hauptstraßenkreuzung auf Grün zu warten, der biegt nach dem Fußballplatz in die Brühlfahrt ab. Zunächst geht es an Wohnhäusern vorbei, dann an Feldern, am Ende kommt der ehemalige Bahnhof im Böhlweg. Und schon geht es auf die Landstraße nach Herxheim.
Wer die Route aber dafür nutzt, der handelt ordnungswidrig. Und wer erwischt wird, der muss zahlen. Denn Böhlweg und Brühlfahrt sind für den Durchgangsverkehr nicht freigegeben. Das schreckt aber viele nicht davon ab, die Schleichwege zu nehmen, wie etliche Polizeikontrollen der vergangenen Jahre immer wieder gezeigt haben.
Verwaltung lehnte Freigabe ab
Besonders in den Fokus gerückt waren die beiden Wirtschaftswege vor rund drei Jahren, als die Sanierung der Offenbacher Hauptstraße immer näher rückte. Der Start der Arbeiten war für Anfang 2019 terminiert, die Ortsdurchfahrt sollte von der Ampelkreuzung bis zum Ortsausgang voll gesperrt werden, mindestens für ein Jahr. Das bedeutete: Wer beispielsweise von Bornheim nach Herxheim wollte, der sollte über die A 65 ins Großdorf fahren. Diese Umleitung hatte der Landesbetrieb Mobilität in Speyer entwickelt. Das stieß bei vielen Bürgern auf Unverständnis.
Es war die FWG-Fraktion, die wenige Wochen vor dem Baustart in der Hauptstraße den Vorschlag machte, Böhlweg und Brühlfahrt für den Durchgangsverkehr während der Sanierungsphase freizugeben, um vor allem Pendler nicht über Gebühr zu belasten. Die Verwaltung lehnte jedoch ab. Das sei aus versicherungstechnischen Gründen nicht möglich, hieß es aus dem Rathaus. Aber auch die Christdemokraten waren gegen den Vorschlag der Freien Wähler.
Gemeinde will weitere Grundstücke schaffen
Während die Sanierung der Offenbacher Hauptstraße bereits seit einigen Wochen abgeschlossen ist, gab es in der jüngsten Gemeinderatssitzung eine erstaunliche Wendung: Die CDU-Fraktion brachte den Vorschlag ein, Brühlfahrt und Böhlweg zu Gemeindestraßen zu machen. Dazu fasste der Rat dann auch mit großer Mehrheit einen Grundsatzbeschluss, wie Ortsbürgermeister Axel Wassyl (parteilos) auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilte.
Jetzt würden zuerst die Kosten ermittelt, die ein Ausbau der beiden Wege mit sich bringen würde. Außerdem werde geprüft, so Wassyl, ob es daneben möglich wäre, weitere Grundstücke für Wohn- und Gewerbezwecke entlang von Böhlweg und Brühlfahrt auszuweisen. Sollte das alles klargehen, dann würden die Schleichwege zu ganz normalen Straßen – offen für jeden Verkehrsteilnehmer.