Kreis Südliche Weinstraße „Bei einer so langen Wartezeit kann man ja sterben“

Bad Bergzabern. „Ich habe 50 Jahre in die Krankenkasse einbezahlt. Jetzt bin ich Patient, und das ist ein beschissenes Gefühl“, sagt der 75-jährige Erich Oberle. Der Grund für seine Unzufriedenheit und seinen Ärger: Er muss bis zu einem Jahr auf einen Termin beim Facharzt warten, auf den er dringend angewiesen ist.
Noch aufgebrachter ist seine Ehefrau Karin, die ebenfalls 75 Jahre alt ist. Das Paar lebt seit mehr als 40 Jahren in Bad Bergzabern. Dass ihr Mann wegen seines Rheumas ständige Schmerzen am ganzen Körper hat, bekommt sie hautnah mit. „Es gab Zeiten, da konnte er die Socken nicht alleine anziehen, weil die Hände so geschwollen waren“, erzählt sie. Sie ist wütend und verzweifelt, dass ihr Mann, mit dem sie seit mehr als 50 Jahren verheiratet ist, so lange warten soll. Seit gut einem Jahr hat Erich Oberle, der 45 Jahre auf dem Bau gearbeitet hat, Rheuma. Er nimmt Tabletten, auch Cortison, aber die Schmerzen sind allgegenwärtig. „Er hat ständig Schmerzen“, sagt seine Frau. Für eine genaue Diagnose hält ihr Hausarzt einen Termin mit einem Spezialisten für Rheuma, einem Rheumatologen, für wichtig. „Unser Sohn hat uns geholfen und fünf Adressen herausgesucht“, erzählt Karin Oberle. Das Paar hat fünf Kinder und zwei Enkel. Die Adressen der Spezialisten sind in der Vorderpfalz und in Baden-Württemberg. Das Ergebnis ihrer Telefonaktion, um einen Termin zu bekommen, ist für die Oberles niederschmetternd. Fünf Monate war die kürzeste Wartezeit, gut ein Jahr die längste, die meist ohne ein Wort des Bedauerns angeboten wurde. „Von einem haben wir gar keine Rückmeldung erhalten, ein anderer nimmt nur Privatpatienten, eine Dame an der Anmeldung ist sogar unverschämt geworden“, erzählen die Oberles. Ein Rheumatologe in Baden-Württemberg nehme keine Pfälzer, habe man ihnen gesagt. „Bei einer so langen Wartezeit kann man ja sterben, wenn man eine schlimmere Krankheit hat, deshalb dachte ich, das muss in die RHEINPFALZ“, erbost sich die Ehefrau. Ein Besuch bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse, von der sie sich Hilfe erhoffen, hat bisher auch noch kein Ergebnis gebracht. „Solange man arbeiten kann, ist alles gut, schlimm wird es, wenn es nicht mehr so ist“, findet Kurt Oberle, der diese Zustände auch nicht fassen kann. Seine Rente, auch nach 45 Jahren harter Arbeit ist nicht üppig und muss beide ernähren, seine Frau hat die Kinder großgezogen. Einen kleinen Zusatzverdienst hat er zusätzlich als Hausmeister für den Wohnkomplex, in denen die Oberles wohnen. „Wenn er wegen seiner Schmerzen nicht kann, helfen ich oder mein Sohn aus“, erzählt seine Frau. Das Paar hat Angst, irgendwann aus gesundheitlichen Gründen finanziell nicht mehr über die Runden zu kommen. Denn wenn Kurt Oberle zur Schmerzbekämpfung auf Spritzen angewiesen wäre, müsste er diese selbst bezahlen. „Da kostet eine 100 Euro, wenn er davon einige im Monat benötigen würde, bliebe nichts zum Leben“, ist die bittere Rechnung der Oberles, die trotz aller Widerstände auf einen schnellen Termin mit einem Rheumatologen hoffen. (pfn)