Kreis Südliche Weinstraße Bei 540 Grad entspannen

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Offenbach. Dubbe, Dubbe, Dubbe. So schlägt das Pfälzer Herz. Auch das von Horst Jung. Der gebürtige Haßlocher ist viel rumgekommen in der Vorderpfalz und schließlich in Offenbach heimisch geworden. Und das mit einem sehr selten gewordenen Beruf: Der 69-Jährige ist Glasbläser. Seine Kreationen kommen auch unterm Weihnachtsbaum gut an.

Gelernt hat er diesen Beruf – man höre und staune: bei der BASF. Wie das? Die „Anilin“ hat für eigene Zwecke Glasbehältnisse für die Labore hergestellt. „Dort gab es damals drei Glasbläsereien mit rund 50 Mitarbeitern.“ 1981 hat sich Horst Jung selbstständig gemacht, lebte in Deidesheim und tingelte auch über die Weihnachtsmärkte mit seinem Stand. 1991 machte er einen Schnitt: Er baute im Offenbacher Gewerbegebiet den Glas-Corner – Werkstatt und Wohnhaus in einem. Dort will er nicht mehr weg. Jung deckt eine breite Produktpalette ab. Dabei macht die Glasbläserei nur noch rund die Hälfte seiner Arbeit aus. Immer mehr im Kommen ist das Gravieren. Er hat gerade eine ganze Fuhre Schoppen-Gläser für eine Feuerwehr bei Frankenthal mit einem ganz individuellen Motiv fertig gemacht. Selbstredend stellt er Gläser als Einzelstücke her und graviert sie auf Wunsch des Kunden – mit Namen oder Sprüchen. Aber eines zieht sich durch alles in seiner Werkstatt: die Pälzer Dubbe. Egal ob edles Sektglas, ein rund Halbmeter großes Weinglas mit Stil, ein kleines Schnapsglas oder Dekanter. Alle Kelche haben Dubbe. „Das geht halt“, sagt Jung. Nur ein Glas hat keine: der Daumen-Schoppen. Ein gewöhnliches 0,5-Liter-Stangenglas, das der fröhliche Zecher nicht nur mit dem kleinen Finger auf der Unterseite hält, sondern auch an der Seite per nach innen gewölbter Daumenkule zusätzlich fixieren kann. Was auch geht, ist ein Produkt für den Gesundheitsbereich: Schröpfgläser – nicht mit „Dubbe“, sondern mit abgerundeten Stacheln, um das Glas besser greifen zu können. Hauptabnehmer seien Physiotherapeuten. Das Handwerk der Glasbläserei habe in Deutschland stark an Bedeutung verloren, erzählt Jung. Billigimporte aus Asien und vor allem aus Tschechien (kurz hinter der bayerischen Grenze bei Zwiesel) würden in Mengen für den deutschen Markt produziert. Jung pflegt sein Handwerk, so lange er noch kann und es ihm Spaß macht. Das ist schon etwas Besonderes, wenn Stil und Kelch unter Flammen zusammenkommen. Oder, wenn das mundgeblasene Glas im Ofen bei 540 Grad Celsius „entspannt“ – die gegebene Form aus den verschiedenen Glaskomponenten zur Ruhe kommt. (rww) Info www.glasblaeserei-jung.de, Telefon 06348 5444, Öffnungszeiten: dienstags und donnerstags von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr

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