Edenkoben
BBS feiert 100-jähriges Bestehen
Im Jahr 1919 schrieb die Weimarer Verfassung die Schulpflicht für Deutschland fest. In Edenkoben wurde vier Jahre später eine Berufsschule eröffnet. Der Standort der damals als Berufsfortbildungsschule bezeichneten Einrichtung war im Gebäude des heutigen Museums für Weinbau und Stadtgeschichte in der Weinstraße 109. Im Jahr 1960 folgte der Umzug in das neue Domizil, das sich am heutigen Standort der Berufsbildenden Schule (BBS) in der Schillerstraße befindet. Für 2,3 Millionen Deutsche Mark wurde es erbaut.
Der langjährige Lehrer
Wolfgang Baumann gehörte 31 Jahre zum Lehrerkollegium. Bis 1980 hatte er an Berufsschulen in seiner früheren Heimat Bayern den Auszubildenden den Unterrichtsstoff näher gebracht. Der Liebe wegen kam er in die Pfalz. Wie willkommen er an seiner neuen Wirkungsstätte in Edenkoben war, sei ihm schon bei seiner Begrüßung deutlich geworden. Empfing ihn die damalige Schulsekretärin Hedi Möller doch mit den Worten „Sie schickt uns der Himmel“.
Hintergrund dieser schönen Begrüßung war die Tatsache, dass damals dringend ein Lehrer für den Fachbereich Metall gesucht wurde. Baumann blickt gerne auf sein Betätigungsfeld, in erster Linie auf den Unterricht für die Azubis der Firma Gillet zurück. Zu dem Landauer Unternehmen bestanden stets enge Beziehungen. Dies gilt auch für die Nachfolgefirma Tenneco, die im Metallbereich den Großteil an Auszubildenden an der Edenkobener BBS stellt. Für deren Ausbildung wurde unlängst ein Pneumatiklabor im Wert von 70.000 Euro eingerichtet. Mit den zahlreichen Handwerksbetrieben aus der Region wird ebenfalls hervorragend zusammengearbeitet.
Wolfgang Baumann zeichnete für Fachkunde, Fachrechnen, Fachzeichnen, Sozialkunde und Deutsch verantwortlich. „Die Zahl der Schüler und Lehrer war zu meiner Anfangszeit noch recht überschaubar. Es war eine fast familiär geführte Schule. Das wird schon daran deutlich, dass der Hausmeister noch bis Mitte der 1990er-Jahre auf dem Schulgelände wohnte.“ Heute werden in Edenkoben sowie an den beiden anderen Standorten der BBS SÜW in Annweiler und Bad Bergzabern rund 1500 Schüler ausgebildet, circa 500 davon in Edenkoben, die von 20 bis 25 Lehrkräften unterrichtet werden.
Die fast ewige Sekretärin
Fast schon zum Inventar der Schule gehörte lange Zeit die bereits erwähnte Schulsekretärin Hedi Möller. Am 1. April 1964 kam sie an die BBS, der sie bis zu ihrem Ruhestand im Februar 2013 die Treue hielt. Ihre inniges Verhältnis zur Einrichtung wird deutlich, wenn sie sagt: „Ich liebe diese Schule – bis heute!“ Die Unterstützung der Schulleitung war für sie die wichtigste Aufgabe. „Man sollte nicht zuletzt eine gute Menschenkenntnis haben, was sowohl für die Lehrer als auch für die Schüler gilt“, stellt sie fest. Sie sei mit der Technik mitgewachsen, also von der mechanischen über die elektrische Schreibmaschine bis hin zum PC, Laptop und Notebook. Drei Generationen von Schülerinnen und Schülern hat sie in den fast 49 Jahren ihres Schaffens kennengelernt. Teilweise seien Vater, Sohn und Enkel oder Mutter, Tochter und Enkelin im Laufe der Jahre in ihrem Büro aufgeschlagen, erinnert sie sich. Auch erlebte sie mehrere Schulleiter, wobei sie „erlebte“ positiv verstanden wissen will.
Und: „Früher war unsere Schule auch geradezu ein Heiratsinstitut, nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Lehrer. Heute ist das nicht mehr der Fall, haben sich doch die Möglichkeiten des Kennenlernens stark verändert.“
„Hofa-Gründung ein Meilenstein“
Einmal sperrte sich Hedi Möller aus. Sie hatte die Schule abgeschlossen und den Eingangsschlüssel wie gewohnt in den Briefkasten geworfen. Sie kam am nächsten Morgen aber nicht an den Schlüssel heran, da der Hausmeister, der sonst aufschloss, noch nicht vor Ort war. „Ich habe mir dann eine Bank genommen, bin durch ein offenstehendes Fenster eingestiegen und habe mir den Schlüssel geholt. Ich hatte nur Angst, dass jemand anderer vielleicht den gleichen Weg wählte, um ins Gebäude zu kommen und etwas zu stehlen. Das war glücklicherweise nicht der Fall“, erinnert sie sich.
Neben dem 100-jährigen der BBS gibt es ein weiteres Jubiläum zu feiern. Seit 30 Jahren gibt es in Edenkoben die Hotelfachschule (Hofa). Deren Einrichtung sei ein echter Meilenstein gewesen, stellt Matthias Bader fest. Er hat aktuell als ständiger Vertreter die Schulleitung inne, bis die Stelle der Schulleitung dauerhaft besetzt ist. Die Hofa hat sich auf die Ausbildung von Führungskräften im Hotel- und Gaststättengewerbe spezialisiert. Absolventen zieht es danach nicht selten ins Ausland. So wechselt ein ehemaliger Schüler gerade von Indonesien aus nach Singapur, um dort ein großes Hotel als Direktor zu übernehmen.
Breitgefächertes Angebot
Umgekehrt werden junge Menschen aus Kenia in Edenkoben ausgebildet, um dem in der Branche vorherrschenden Fachkräftemangel vor Ort entgegenzuwirken. Damit das gelingt, engagieren sich die Verantwortlichen des Hotels Alte Rebschule in Rhodt in besonderer Art und Weise. „Insgesamt haben wir hier noch sehr stabile Klassen, auch wenn die Zahl der Azubi in den letzten Jahren leider zurückgegangen ist“, stellt die für alle drei Standorte zuständige pädagogische Leiterin Marion Michel fest. „Die Folgen, gerade auch in der Gastronomie, wo es an Fachpersonal fehlt, machen sich bereits heute deutlich bemerkbar.“
Die BBS bietet ein breitgefächertes Angebot an Bildungsgängen. So kann in einem Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) der Hauptschulabschluss erworben werden. Dazu gibt es ein BVJ-Sprache, wo Zugewanderten in 16 Wochenstunden Deutsch beibringt und die Sprache berufsorientiert in den Bereichen Holz, Metall und Hauswirtschaft unterrichtet. Hinzu kommt noch ein BVJ-Inklusion, bei der ein Förderlehrer zusätzliche Hilfestellung gibt. So wirkt beim Festakt ein Schüler aus der Inklusionsklasse mit, er spielt mit einem Mitschüler am Klavier. Das Bemerkenswerte: Das Spielen haben sie beide selbst ohne Notenkenntnisse ausschließlich über das Hören erlernt.