Kreis Südliche Weinstraße Baustellen bei Spielplätzen

„Ich bin platt“, brachte es RHEINPFALZ-Redakteur und Moderator Robert Wilhelm angesichts der Zuschauerzahl von über 300 auf den Punkt. Von Politikverdruss sei hier keine Spur. Er hatte reichlich Fragen in petto, die den Blick nicht nur auf den für die Kurstadt wichtigen Tourismus, sondern vor allem auf die 7500 Bürger richteten, die in Bad Bergzabern leben, arbeiten, Steuern zahlen – und wählen. So startete die Fragerunde denn auch mit Kinder- und Jugendthemen – der Zukunft der Stadt. Heike Grill (FDP) als Beigeordnete für Jugend Kultur gab zu, dass beim Spielplatzangebot noch einiges im Argen liege, dem die anderen drei Kandidaten zustimmten. Wenn die Stadt die Erneuerungen nicht finanzieren könne, müsste man eben auch mal selbst anpacken – sowohl Eltern als auch Rat, schlug sie vor. Dass das neue Jugendhaus überteuert sei und nicht gut angenommen werde, wollte sie nicht auf sich sitzen lassen. Es sei wichtig, dass die Jugend im Herzen der Stadt einen Platz gefunden habe, zudem seien Kooperationen zum Beispiel mit der Volkshochschule geplant. Jugendarbeit äußere sich nicht in Quantität, sondern in Qualität, pflichtete erster Stadtbeigeordneter Rolf-Dieter Enke (SPD) bei. Herxheim sei der Kurstadt bei der Jugendarbeit 25 Jahre voraus, gab Grünen-Kandidat Gerhard Rodrian zu, aber „jetzt sind wir wachgerüttelt und machen etwas“. Während die Stadt tief in den roten Zahlen steckt, „habe ich das Gefühl, dass die Stadtwerke nicht wissen, wohin mit dem Geld“, spielte Redakteur Wilhelm auch auf den einst anvisierten Kauf des Postgebäudes durch die Werke an. Wieso werden also nicht die Gebühren für die Kunden gesenkt, wollte er von Enke wissen. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke hatte viele Antworten parat, wohin das Geld der Stadtwerke fließe – so beispielsweise Einstehen, wenn die Stadt Probleme hat, Investitionen in moderne Technik, erneuerbare Energien – und versuchte so immer wieder die leidige Frage um die Gebühren zu umschiffen. Diese seien im Vergleich zu anderen Kommunen nicht die schlechtesten. Apropos Postgebäude. In Bad Bergzabern gibt es eine ganze Reihe von Filet-Arealen wie Kreisaltenheim, die Grundstücke Scherer rund um den Döner und Gärtnerei Pfeiffer, die der Stadt zwar nicht gehören, deren zukünftige Nutzung ihr aber ein wichtiges Anliegen seien sollte. Was können sich die Kandidaten hier vorstellen und wer soll das bezahlen, wollte Robert Wilhelm wissen. Ein Mischgebiet mit barrierefreiem Wohnen für Jung und Alt, Arkaden mit Dienstleistern und kleinen Geschäften schwebt Fred-Holger Ludwig (CDU) für den Bereich des Kreisaltenheims vor. Heike Grill ging bei diesem Vorschlag mit, machte aber ebenso wie Enke darauf aufmerksam, dass die Stadt nicht Eigentümer der Grundstücke sei, nur als Vermittler auftreten könne und sich „nicht noch mehr Immobilien ans Bein binden lassen solle“, so Grill. Ludwig sprach die Möglichkeit an, dass die Stadt einem Investor über Erbpacht die Grundstücke anbieten könnte. Er wolle eine „soziale Inklusion der Senioren in der Stadt statt einer sozialen Kasernierung am Stadtrand“, so das Stadtratsmitglied. Rodrian versuchte zu vermitteln: Die Stadt müsse überlegen, wie das Gelände entwickelt werden könnte. Arkaden hält er für ein „Eigentor“, dann würde die Innenstadt ganz ausbluten. Ein Frequenzbringer müsse her. Beim Thema Straßen wies Ludwig auf die vielen Strecken in „katastrophalem Zustand“, besonders am Schulzentrum, hin. Rodrian erinnerte an das nicht umgesetzte Buskonzept, mit dem man den Verkehr entzerren und die Straßen schonen könnte. Enke fand, über wiederkehrende Beiträge wäre auf Dauer vieles machbar. Beim Thema Ortsumgehung äußerten sich alle vier Kandidaten pro Tunnel, auch wenn sich der Grüne Rodrian angesichts der widerstrebenden Meinung von Parteifreunden und Umweltverbänden ein wenig bitten ließ. „Ich setze mich für eine ortsnahe Umgehung ein. Und wenn der Tunnel die Ultima Ratio ist, dann eben der Tunnel.“ (höj)