Essingen / Bornheim
B272: Radfahrer will Entschärfung von Gefahrenstelle durch Tempo 70
In Hochstadt wird seit Jahren die Unterführung herbeigesehnt, die im Osten der Gemeinde, in der Nähe des großen Kreisels, gebaut werden soll. Damit sollen Radler und Fußgänger schneller und sicherer die B272 passieren, die als Grenzlinie zwischen der Ortslage und dem Naherholungsgebiet betrachtet wird. Rochus Rehers hatte in der RHEINPFALZ gelesen, dass dieses Projekt im fortgeschrittenen Planungsstadium ist. Der Essinger sieht derweil an anderer Stelle der stark befahrenen Bundesstraße Handlungs- beziehungsweise Verbesserungsbedarf. Und anders als in Hochstadt müssten dort keine Millionen für ein Bauwerk investiert werden.
Es geht um die Kreuzung, die sich zwischen der Abzweigung Dammheim und dem Essinger Kreisel befindet. Sie verbindet im Süden die Bundesstraße mit der Kreisstraße 41, die in Richtung Bornheim führt. Nördlich der Fahrbahn beginnt beziehungsweise endet ein Wirtschaftsweg, den Rehers zufolge Radfahrer und Fußgänger nehmen, um von Essingen zum Einkaufszentrum in Bornheim, nach Dammheim beziehungsweise weiter in die Landauer Innenstadt zu gelangen und umgekehrt.
Wie ist die Sachlage?
Vom Essinger Kreisel kommend können Autofahrer an der Kreuzung nur vorbeifahren: Ein Einbiegen auf die K41 Richtung Bornheim ist verboten, die Ein- oder Ausfahrt zum landwirtschaftlichen Weg nach Essingen ist zusätzlich durch Steinpoller versperrt. Aus umgekehrter Richtung, also von der B272 oder aus Dammheim, kommend, können motorisierte Verkehrsteilnehmer zwar nach rechts nach Bornheim abbiegen. Das sei aber nicht ungefährlich, da sie ihre Geschwindigkeit stark reduzieren müssten, weshalb nachfolgende Fahrzeuge teils abrupt abbremsen würden. Von Bornheim kommend ist die Auffahrt auf die B272 zwar in beide Richtungen erlaubt, was jedoch wegen des dichten Verkehrs ebenfalls gefährlich ist und Geduld erfordert.
Nicht nur wegen des dichten Verkehrs, der dort herrscht, ist es aus Sicht von Rehers für Radfahrer und Fußgänger fast unmöglich, an der B272 die Straßenseite zu wechseln. Zumal erschwerend hinzukomme, dass Autofahrer mit bis 100 Stundenkilometer an der Kreuzung vorbeirauschen können. Sie dürfen schneller fahren als in Höhe der Gemeinde Hochstadt, wo sich die eingangs beschriebene Unterführung als sichere Überquerungshilfe gewünscht wird.
Welche Änderung gewünscht wird
In seiner Zeit als Essinger Gemeinderatsmitglied habe er angeregt zu prüfen, ob dort eine Geschwindigkeitsreduzierung durchgesetzt werden kann, so Rehers. Die Umsetzung des Gedankens sei einfach: Auf dem Abschnitt von der A65 bis kurz nach der Abzweigung Dammheim gelte überwiegend Tempo 70. Dementsprechend müsste diese Beschränkung nur einen größeren Bereich abdecken, was durch das Versetzen eines Schildes gelingen würde. „So wäre zumindest eine Verbesserung der Situation erreicht“, findet Rochus Rehers.
Der Essinger war bislang in dem Glauben, dass seine Anfrage, die er vor mehr als einem Jahr gestellt hatte, von der Verbandsgemeindeverwaltung Offenbach an den Landesbetrieb Mobilität (LBM) beziehungsweise an die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße herangetragen wurde. Deshalb ist er verwundert, dass sich nichts geändert hat. Kein Wunder: Wie sich nach einer Presseanfrage bei den drei genannten Behörden herausstellt, weiß keiner von diesem Anliegen Bescheid.
Behörden wollen vor Ort beraten
Die Anordnung einer Geschwindigkeitsbegrenzung obliegt der Straßenverkehrsbehörde, in diesem Fall dem Landkreis. Das teilt der LBM mit. „Da uns keine Erkenntnisse über ein erhöhtes Unfallaufkommen vorliegen, sehen wir hierfür keine Grundlage“, ergänzt Martin Schafft, Leiter der LBM-Dienststelle in Speyer.
Kreissprecherin Marina Mandery schickt voraus, dass der Verkehr auf Bundesstraßen möglichst zügig und uneingeschränkt fließen soll. Es müssen bestimmte Anforderungen für eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 70 erfüllt sein. So müsse es sich um eine besondere Gefahrenstelle handeln oder es müsse eine erhöhte Unfallhäufigkeit geben. Die Verwaltung nimmt den Hinweis zum Anlass, um zu prüfen, ob die Anforderungen an der genannten Stelle der B272 erfüllt sind. Im Zuge einer Verkehrsschau soll sich mit der Polizei und dem LBM ein Bild von der Verkehrssituation gemacht werden. Anfang 2023 ist ein Vor-Ort-Treffen vorgesehen.
LBM: „Es gibt Alternativen“
Aus Sicht des LBM ist der betreffende Bereich aufgrund der hohen Verkehrsstärke mit großem Schwerverkehrsanteil nicht geeignet für eine sichere Radfahrerquerung, zumal es sichere Alternativen gebe. Gemeint sind die Radwege, die entlang der Landesstraße zwischen Essingen und Offenbach über den Dreihof führen beziehungsweise ab dem Essinger Ortsteil Dreihof parallel zur Draisinenbahn weiter entlang der K42 über vorhandene Radwegeverbindungen nach Bornheim verlaufen. Rochus Rehers sieht aber auch an dieser Stelle Handlungsbedarf, weil Teilstücke nicht als Radweg ausgewiesen, sondern nur für Radfahrer freigegeben seien.
Der Essinger erinnert in diesem Zusammenhang an einen Antrag, den die FWG 2013 gestellt habe. Angeregt worden sei damals, den parallel zur Bundesstraße verlaufenden Feldweg von der Einmündung Richtung Westen bis zur Brücke über die B272 bei Dammheim als Radweg auszubauen. „So wäre zumindest Richtung Dammheim eine sichere Überquerung der Straße gegeben.“ Doch diese Idee habe damals keine Beachtung gefunden.