Annweiler
B10-Ausbau: Tunnel oder Umgehung?
107 Zuschauer hatten sich eingeloggt, als Martin Schafft, Leiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) in Speyer, via Livestream über den B10-Ausbau zwischen den Anschlussstellen B48 (Wellbachtal) und Queichhambach informierte. Die Bürger mit im Boot zu haben bei dem seit Jahrzehnten vor allem in der Südpfalz umstrittenen vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 10 ist den Behörden wichtig. Bürgerversammlungen sind derzeit schwierig, deshalb wurde eine Online-Veranstaltung gewählt. Das Interesse an der rund 45-minütigen Präsentation war gleichbleibend hoch, erst in der anschließenden Chat-Fragerunde ebbte es allmählich ab.
Zehn mögliche Ausbauvarianten hat der LBM in den vergangenen Jahren untersucht und bewertet – aus planerischer, verkehrlicher und umweltfachlicher Sicht, wie Schafft erläuterte. Je nach Variante ist die Strecke zwischen 7,64 und 11,11 Kilometer lang, die Kosten liegen zwischen 228,4 und 392,3 Millionen Euro. Im Angebot waren zunächst vier Hauptvarianten mit je einer Nebenvariante. Zu einem späteren Zeitpunkt kamen noch zwei Bürgervarianten dazu, eingebracht von der Interessengemeinschaft Queichhambach/Gräfenhausen. Drei Varianten sind übrig geblieben, die eine realistische Chance auf Umsetzung haben.
Zwei Varianten sind nahezu gleichauf
LBM-Favorit ist die sogenannte A2-Variante. Sie sieht einen Paralleltunnel zu den bestehenden Tunnel vor sowie eine Tunnelumfahrung von Rinnthal, die den Lärmschutz in der Gemeinde verbessern soll. Der Verkehr Richtung Landau würde durch die alten Tunnel fahren, der Verkehr Richtung Pirmasens würde die noch zu bauenden Tunnel benutzen. Die Strecke wäre rund 9,3 Kilometer lang, zwei Tunnel müssten gebaut werden, ebenso vier Brücken. Die Kosten schätzt der LBM auf rund 292 Millionen Euro.
Nahezu gleichauf in der Bewertung liegt eine Variante, die einen zweispurigen Basistunnel ab Queichhambach mit Trog bei Gräfenhausen vorsieht. Die Strecke wäre 7,64 Kilometer lang, die Kostenschätzung beträgt 257 Millionen Euro. „Verkehrlich betrachtet hat diese Variante Nachteile, ihre Vorteile liegen in der Ökologie“, sagte Schafft. Auf Rang drei steht eine andere Variante mit Basistunnel, aber ohne Trog. Sie ist mit knapp acht Kilometern ein wenig länger, mit geschätzten Kosten von 231 Millionen Euro aber fast die günstigste aller Varianten.
„Es wird noch einige Jahre dauern“
Ob sich der LBM-Favorit tatsächlich durchsetzt, ist nicht sicher. „Das entscheidet sich im Raumordnungsverfahren“, so Schafft. Dieses soll Anfang nächstes Jahr beginnen, wie Matthias Dreyer von der zuständigen Struktur- und Genehmigungsdirektion in Neustadt informierte. Normalerweise dauert so ein Verfahren etwa ein halbes Jahr. „In diesem Fall könnte es etwas länger dauern, die Geschichte ist sehr komplex“, sagte Dreyer.
Wann denn mit Baubeginn und Fertigstellung zu rechnen sei, wollte ein Zuschauer von Schafft wissen. Auf das Raumordnungsverfahren folge die Detailplanung, die eine Frage von Jahren sei. Dann brauche man die Genehmigung des Bundes, bevor man ins Planfeststellungsverfahren gehen könne, was sicher ebenfalls mehrere Jahre dauern werde. „Dann kommt die Bauvorbereitungszeit. Es wird also noch einige Jahre dauern, und ich spreche da ganz sicher nicht nur von fünf Jahren“, sagte Schafft. Im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist der vierspurige Ausbau der B10 auf dieser Strecke vorgesehen. Bei den Kosten machte Schafft klar, dass es sich nur um Schätzungen handele. „Aber wir haben da schon viele Erfahrungswerte. Zuverlässiger ist die Kostenberechnung, die folgt später im Verfahren“, so Schafft.
Mehrere Bürger äußerten die Sorge, dass eine auf diesem Streckenabschnitt ausgebaute B10 mehr Schwerlastverkehr anlocken werde. Aktuell seien täglich zwischen 18.000 und 19.300 Fahrzeuge auf dieser Strecke unterwegs. „Im Jahr 2030 rechnen wir mit 19.000 bis 24.000 Fahrzeugen pro Tag. Der Güterverkehrsanteil liegt bei 23 Prozent, daran wird sich nicht viel ändern“, prognostizierte Schafft.