Kreis Südliche Weinstraße Aus Fehlkauf wird Lieblingsjeans
„Tausch dich glücklich!“ – dieses „Glücklichsein“ konnte man bei der zweiten Kleidertauschparty am Freitag im Haus der Familie erleben. Frauen, die mit ihren prall gefüllten Körben oder Rucksäcke ankamen, freuten sich endlich ihre Fehlkäufe oder die nicht mehr geliebte Jeans loszuwerden. Und gingen, nach etwa zwei Stunden, mit genauso gefüllten Körben oder Rucksäcke wieder nach Hause. Einziger Unterschied: Nun befanden sich gebrauchte Neu-Klamotten drin.
Wie auch bei der ersten Kleidertauschbörse im April organisierten die Leiterin des Haus der Familie, Helga Schreieck, und Ulrike Job aus Kapellen-Drusweiler diesen Abend. Die Organisatorinnen sind zufrieden: „Die Börse findet immer mehr Interessenten, das freut uns. Nach dem ersten Event im April hat sich das ganz schnell rumgesprochen und heute sind schon bedeutend mehr Frauen da, um zu schnuppern“, sagt Schreieck. So ähnlich erging es auch Anna Schmitt vom Deutschhof: „Ich bestelle viel übers Internet, freue mich ganz arg drauf, dann kommt das Paket an und einiges davon passt nicht so richtig. Ach, furchtbar! Zurückschicken ist mir meist zu viel Arbeit. Da kommt so eine Kleidertauschbörse genau richtig.“ Und tauschen macht Laune, denn etwas später hatte die 31-Jährige zwei Jeansröcke in ihrer Tasche: „Die hab ich gesucht. Ich freue mich über den guten Tausch.“ Kerstin Ledtermann begleitete die somalischen Damen Naema und Hinda zur Kleidertauschparty. Ledtermann ist „Bufdi“ (Bundesfreiwilligendienstlerin) und für Flüchtlingsarbeit im Haus der Familie zuständig. Die 30 und 26 Jahre alten Somalierinnen sind Flüchtlinge mit Asylbescheinigung. Sie freuten sich über die große Auswahl an tollen Kleidern oder auch Pullovern und Hosen für den Winter. Beide sprechen schon ziemlich gut Deutsch und erklärten strahlend: „Wir brauchen Kleider für die Kinder und vielleicht Schuhe für uns.“ Dazu sagte Ulrike Brunck, Sozialarbeiterin und Leiterin des Diakonischen Werkes in Bad Bergzabern: „Die Frauen können sich an feste Schuhe nicht richtig gewöhnen. Sie laufen den ganzen Tag nur in Flip-Flops rum.“ Aber auch die Damen aus Afrika haben etwas später Erfolg und zeigen stolz ihre Schuhe, die sie im Winter tragen werden. Cristine Jung aus Bad Bergzabern erschien mit Hamida Gasi bei der Börse. Die Zwölfjährigen erzählen:„ Wir suchen eigentlich alles und nichts besonderes. Einfach überraschen lassen. Aber ein paar Jeans wären echt cool!“ Einiges an Pullis und Blusen haben sie zum Tauschen in ihrem Gepäck. Clarissa Strasser aus Karlsruhe organisierte schon viele Kleidertausch-Abende bei sich zu Hause und war begeistert von dem kleinen, aber feinen „Kleiderabend“ im Haus der Familie. Auch ihre Schwester Theodora Strasser aus Maximiliansau ist dabei und hat, so wie sie selbst erklärt, fast den ganzen Kleiderschrank dabei: „So wie ich mich kenne, werde ich genauso viel wieder mitnehmen. Für mich ist so eine Tauschbörse ein großes Stück Nachhaltigkeit - und darauf lege ich viel Wert.“ |alve