Kreis Südliche Weinstraße Aufgepfropft und veredelt

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EDESHEIM. Wenn man in einer Weinbauregion lebt, dann liegt es für viele Leute nahe, sich im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon eine Rebe zu halten. Wer ein solches Geschenk machen will, ist unter anderem bei der Rebveredlung Oberhofer in Edesheim (an der Staatsstraße) an der richtigen Adresse.

Zur Erinnerung: Vor über 100 Jahren hat die massive Verbreitung der Wurzelreblaus den Weinbau in Europa beinahe zum Erliegen gebracht. Mit besonderen Maßnahmen versuchten die Winzer, den Schädling zu bekämpfen. Rodung, Entseuchung, Abflammung der Flächen und langjährige Anbauverbote brachten aber auch nicht den erhofften Erfolg. Die Erkenntnis, dass sich die Reblaus zwar an den Blättern, nicht aber den Wurzeln der „Amerikanerreben“ (Unterlagsreben) gütlich tat, war der Anfang der Rebveredlung. Dabei wird eine europäische Rebe auf eine amerikanische aufgepfropft, damit sie zusammenwachsen und gegen den Schädling tolerant sind. Einer, der sich darauf spezialisiert hat, ist Christian Oberhofer. Sein Vater Arthur hatte sich früher auch schon mit Rebveredlung beschäftigt, doch der Filius wollte ein anderes Metier erlernen – und wurde Kfz-Mechanikermeister. Als in Edesheim ein landwirtschaftlicher Betrieb frei wurde, stieg der Sohnemann eigenen Angaben zufolge um und trat in die Fußstapfen des Papas. Wo sich einst ein Schweinestall befand, werden seit langem junge Reben in Façon gebracht. Aufgezogen auf einem angepachteten Acker in der Nähe von Offenbach, kommen die etwa unterarmlangen Pflanzen in die Halle. Dort werden die Triebe und die Wurzeln fachmännisch eingekürzt. Die wichtigste Stelle der jungen Reben, der Pfropfstumpf, wird später in Wachs eingetaucht. Nach der Trocknung kommt die Zeit für ein etwa zweistündiges Wasserbad. „Es ist wichtig, etwas gegen die drohende Lagerfäule zu tun“, sagt Oberhofer. In Folien und Kartons verpackt, warten die Rebenzöglinge dann in einer auf zwei Grad Celsius gekühlten Kühlhalle auf Käufer. „Damit sie nicht treiben.“ Fünf Euro kostet eine Tafelrebe, die im Frühjahr gepflanzt wird und nach drei Jahren Früchte trägt. Wenn sie im Freien treibt, wird die Wachsfolie aufgebrochen, damit ausreichend Platz vorhanden ist. Nachdem die Pflanzen Tiefwurzler sind, sollte für ausreichend Boden gesorgt werden. Übrigens: Die Anzuchtanlage muss nach zwei Jahren wegen Rebenmüdigkeit gewechselt werden. (mik)

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