Kreis Südliche Weinstraße Auf Marys Spuren durch die Kurstadt
Die Anspannung bei Clemens Schmitt steigt stündlich – aber auch die Vorfreude. Seit zwei Jahren ist der ehemalige Musiklehrer mit der Planung und Organisation des Stationentheaters und Wandelkonzerts „Baronesse Mary de Bode“ beschäftigt. Morgen Abend wird die außergewöhnliche Inszenierung an Originalschauplätzen in der Kurstadt aufgeführt. Alle 377 Eintrittskarten sind verkauft.
„Wir hätten viel mehr Eintrittskarten verkaufen können“, versichert Clemens Schmitt, „aber das wäre nicht fair gewesen.“ Die Schauplätze lassen nicht mehr zu. Der wichtigste Ort der Aufführung ist die Marktkirche. „Die dortige Empore bietet viel Platz, aber wir nutzen nur die erste Reihe, denn auf den hinteren Plätzen ist nicht alles zu sehen“, erläutert Schmitt. Clemens Schmitt spricht immer von „wir“. Zwar ist der leidenschaftliche Musiker mit seiner Begeisterungsfähigkeit der unbestrittene Kopf des Projekts, aber: „Ich habe ein wunderbares Team. Ohne mein Team, ohne die vielen Leute, die sich auf verschiedenen Ebenen engagieren, ließe sich so ein Projekt nicht stemmen.“ Los geht es um 19 Uhr im Innenhof des Gasthauses „Zum Engel“. Der Engel war früher ein herzogliches Amtshaus. Die in England geborene Mary zog mit ihrem Ehemann Baron August von Bode 1782 nach Bad Bergzabern und lebte im Engel. Dort wird morgen an Marys frühe Jahre in England erinnert. Unter anderem singt der Macclesfield Church Community Choir. „Dieser Chor hat vor genau 30 Jahren die musikalische Verbindung von Bad Bergzabern und Macclesfield mitbegründet“, erzählt Schmitt. Die Szene im Hof des Gasthauses „Zum Engel“ dauert etwa 20 Minuten, anschließend zieht der gesamte Tross – Schauspieler, Chor und Zuschauer – musikalisch begleitet vom Bläserkreis Bad Bergzabern zur Marktkirche. Dort wird sowohl an Marys Zeit in Bad Bergzabern als auch an den Neuanfang im Elsass und die letzten Lebensjahre in Russland erinnert. 1790 war die Familie nach Soultz-sous-Forêts ins Elsass gezogen, wo der Baron eine Saline betrieb. In den Revolutionswirren teilten die Bodes das Schicksal vieler französischer Adliger: Sie verloren ihren Besitz. Die Familie floh nach Russland, wo Mary de Bode 1812 in Moskau starb. Zum Abschluss des Wandelkonzerts geht es in den Park der Villa Zickzack. Die Villa Zickzack war der Sommersitz der Familie von Bode. Im illuminierten Park klingt die Veranstaltung bei russischer Musik aus. Gegen 22 Uhr rechnet der Organisator mit dem Ende. Vor gut zwei Jahren plante Clemens Schmitt ein Konzert zu Mary de Bode, von deren Leben er schon seit Langem fasziniert ist. „Das Projekt hat sich immer weiter entwickelt. Inzwischen spreche ich von vier Ebenen“, sagt Schmitt. Die erste Ebene ist die musikalische, das heißt Konzert samt Schauspiel. Die zweite Ebene nennt Schmitt „die Nachfahrenebene“. Sechs direkte Nachfahren von Mary de Bode, die immerhin elf Kinder geboren hat, haben ihren Besuch angekündigt. Sie reisen aus London, Straßburg sowie Belgien an. Angekündigt haben sich auch fünf Autoren und Historiker, die allesamt über Mary de Bode publiziert haben. Schmitt nennt es „Historikertreffen“, die dritte Ebene. Erwartet wird auch eine neunköpfige Delegation aus Soultz-sous-Forêts, an der Spitze der Bürgermeister Pierre Mammosser – die vierte, die „politische Ebene“. „Mal schauen, was sich daraus entwickelt. Die Elsässer waren begeistert von dem Projekt“, erzählt Schmitt. Auf Einladung von Bürgermeister Mammosser fahren die Mitwirkenden samt Nachfahren am Samstagmorgen mit dem Bus zum Besuch nach Soultz-sous-Forêts. „Dort werden wir uns auf Marys Spuren im Elsass bewegen“, so Schmitt. Mit viel Spannung blickt Clemens Schmitt auch auf die Generalprobe heute Abend. Dann werden Schauspieler, Chöre, Blaskapelle und Orchester zum ersten Mal zusammen üben. (jpa)