Maikammer RHEINPFALZ Plus Artikel Auch die Trauerfeiern ändern sich

In Zeiten der Corona-Krise muss selbst bei Trauerfeiern auf Abstand geachtet werden.
In Zeiten der Corona-Krise muss selbst bei Trauerfeiern auf Abstand geachtet werden.

Die Corona-Krise verändert auch den Abschied von den Verstorbenen. Trauerfeiern sind generell möglich, aber es gibt Einschränkungen. Wie sensibel die Menschen darauf reagieren, hat der Maikammerer Ortsbürgermeister Karl Schäfer vergangene Woche selbst erlebt.

Der Abschied von unseren Liebsten gehört zu den schmerzvollsten Augenblicken in unserem Leben. Momente, in denen wir Trost und Nähe brauchen. Doch das Coronavirus macht keinen Bogen um Trauernde. Deshalb gelten auch hier Einschränkungen.

Verboten sind Trauerfeiern aber nicht. Das zu betonen, ist dem Maikammerer Ortsbürgermeister Karl Schäfer sehr wichtig, nachdem am Donnertag auf der ersten Lokalseite der RHEINPFALZ zu lesen war, in Maikammer seien keine Trauerfeiern mehr erlaubt. Die Meldung beruhte auf Informationen der Stadt Neustadt. „Wir haben nur den Zugang der Aussegnungshalle auf den Kreis der Angehörigen beschränkt“, betonte Schäfer. Dabei sei keine Personenzahl festgelegt. In Neustadt dagegen gibt es eine zahlrenmäßige Begrenzung. Laut Oberbürgermeister Marc Weigel dürfen an Trauerfeiern und Beisetzungen nicht mehr als 25 Personen teilnehmen.

Keine Zahl festgelegt

„Eine Zahl festzulegen, finde ich schwierig“, sagte Schäfer am Donnerstag. Diese müsse dann kontrolliert werden, und das könne er sich nur schwer vorstellen.

Wie sensibel die Menschen gerade im Trauerfall sind, hat Schäfer bei einer Beerdigung am vergangenen Freitag selbst erlebt. Es sei eine der größten Beerdigungen in Maikammer in den vergangenen beiden Jahren gewesen, erzählt der Ortsbürgermeister. Rund 200 Menschen seien gekommen, um von einem Mann, der in der Gemeinde sehr beliebt gewesen sei, Abschied zu nehmen.

Schäfer hatte um kurz vor 12 Uhr erfahren, dass eine große Trauerfeier anstehe, und musste reagieren. Daraufhin ließ er ein Schild an der Trauerhalle anbringen, auf dem zu lesen war, dass nur Angehörige zugelassen sind. „Als ich selbst zum Friedhof kam, war der Raum proppenvoll“, berichtet er. Bemühungen, einen Teil der Trauergemeinde dazu zu bringen, auf Stühlen vor der Halle Platz zu nehmen, seien ins Leere gegangen. Viele hätten mit Empörung darauf reagiert, dass sie von der Trauerfeier ferngehalten werden sollten.

Kein Händedruck

Am Freitag steht nun in Maikammer wieder eine Beerdigung an, und Schäfer betont: „Die Trauerhalle ist den Angehörigen vorbehalten.“ Sie umfasse etwa hundert Plätze. Schäfer bittet darum, am Grab auf Abstand zu achten und beim Kondolieren auf Umarmungen und Händedruck zu verzichten. „Auch wenn’s schwer fällt“, sagt er. Selbst vom Erdwurf mit der Schaufel rate er ab. Er selbst habe vergangene Woche mit der Hand ein wenig Erde aufs Grab geworfen.

Kommentar: Virus macht nicht Halt vor Trauerfeiern

In keinem Bereich ist es verständlicher, dass die Menschen mit dem Versammlungsverbot hadern, als bei Trauerfeiern. Aber wir müssen auch das lernen: Trauern ohne Umarmung, kondolieren ohne Händedruck, Trauerfeiern ohne Gottesdienst.

Es gibt in Deutschland schon Gemeinden, die die Trauerhallen ganz geschlossen haben und Beerdigungen nur noch im engsten Kreis unter freiem Himmel gestatten. Mancherorts gibt es auch keine Kondolenzbücher mehr, keine Schaufel für den Erdwurf, keine Blütenblätter zum Verteilen. So bitter es ist: Gerade bei Beerdigungen ist es wichtig, auf Abstand zueinander zu gehen. Denn dort kommen viele ältere Menschen zusammen. Und um deren Schutz geht es in erster Linie. Daran gilt es zu denken – auch in den schweren Momenten des Abschieds.

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