Offenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Anwohner haben Bedenken wegen Erweiterung der Siedlung Neumühle

Anwohner der Neumühle bei einer Begehung durch das Wohngebiet. In naher Zukunft werden sie neue Nachbarn haben.
Anwohner der Neumühle bei einer Begehung durch das Wohngebiet. In naher Zukunft werden sie neue Nachbarn haben.

Das Wohngebiet Offenbacher Neumühle wird bald sein Gesicht verändern. Dort sollen fast doppelt so viele Menschen leben wie bisher. Darüber sind nicht alle Anwohner glücklich.

Die Musik ist im Datscha längst verstummt. Das Tanzlokal, das über die Grenzen der Südpfalz bekannt war, hat seit Längerem geschlossen. Das Gebäude wird neuem Wohnraum weichen. Generell werden an der Offenbacher Neumühle mehr Haushalte ein neues Zuhause finden. In jenem Viertel, das etwa zwei Kilometer von der Ortslage beziehungsweise vom Interpark entfernt ist. Die Firma SR Projekte GmbH möchte die Siedlung erweitern.

Nach Angaben Sören Reuthers von der Geschäftsleitung sind die Planungen weit gediehen. Nach „zig Gutachten“ könne über die Genehmigung des Bebauungsplanes gesprochen werden. Ortschef Axel Wassyl merkt an, dass die Träger öffentlicher Belange zuvor ein zweites Mal zu dem Projekt Stellung beziehen können, damit auf Einwände reagiert werden kann. Laut Reuther könnte Mitte kommenden Jahres Baustart sein. Etwa zwei Jahre sollen die Arbeiten dauern. Stehen sollen dann acht Doppel- sowie sechs Mehrfamilienhäusern mit sieben bis elf Wohnungen. Zusammengerechnet sollen fast 80 Wohneinheiten mit einer Wohnfläche von 6500 Quadratmetern geschaffen werden.

Bewohner haben Bedenken

Die bevorstehenden Veränderungen beunruhigen die jetzigen Bewohner. Das berichtet Julia Hans, deren Familie nach eigener Aussage seit vielen Generationen in der Neumühle lebt. Der Großteil der rund 70 Anwohner befürchte, dass der Charakter der Siedlung zerstört wird, gibt Hans stellvertretend die Meinung der Bewohner wieder. Das Wohngebiet sei geprägt von Einfamilien- und Doppelhäusern. Insofern wäre die Akzeptanz für das Projekt „voll da“, so Julia Hans, wenn nur Einfamilien- und Doppelhäuser vorgesehen wären. Schließlich wehrten die Anlieger sich nicht gegen eine Erweiterung, sondern kritisierten die Dimension der mehrgeschossigen Bauten.

Darüber hinaus gibt es Bedenken wegen der sensiblen Umgebung, wie auch aus Stellungnahmen der Bürger zum Bebauungsplan hervorgeht. Von den Planungen betroffen ist ein Vogelschutzgebiet und ein angrenzendes FFH-Gebiet, worauf der Bund für Umwelt und Naturschutz Südpfalz hinweist. Auch deshalb machen sich Anwohner Sorgen, dass die Grünflächen mangels Stellplätzen zugeparkt werden. „Anders als in der Ortslage kann nicht ein paar Straßen weiter weg geparkt werden“, sagt Hans. Viele Anwohner wünschen sich, dass die Anzahl der geplanten Wohneinheiten reduziert wird. Sie berufen sich dabei auch auf andere Stellungnahmen. So ist aus Sicht des Verbands Region Rhein-Neckar das Plangebiet für eine wohnbauliche Nutzung nur eingeschränkt geeignet, wegen der Distanz zur Ortslage und mangelnder Infrastruktur. Allerdings könne die Anzahl an Wohneinheiten nicht in einem Bebauungsplan festgelegt werden, betont Ortschef Wassyl. Dies sei Sache des Bauträgers.

„Kein Neubau zu groß“

Wie der Gemeindevorstand weiter informiert, wurde bisher ein offener Austausch mit Anwohnern gepflegt. Eingeladen wurde zu Treffen, zudem konnten sie sich im Bauausschuss erklären. Auch Reuther weiß von deren Sorgen. Er verweist aber auf Gespräche, in denen alle Fragen geklärt worden seien. Zumal die Gestaltung des Gebiets in enger Abstimmung mit der Gemeinde und dem Stadtplanungsbüro durchgeführt werde. So werde zum Beispiel die Straßenansicht an die bisherige Ansicht der Neumühle angepasst. Im vorderen Bereich seien keine Mehrfamilienhäuser vorgesehen – obwohl das ohne einen neuen Bebauungsplan möglich wäre. Ein Aspekt, den die Gemeinde auf Anfrage bestätigt.

„Dabei könnten diese Mehrfamilienhäuser größer und höher sein als die, die wir jetzt bauen wollen“, sagt Reuther. „Dies ist aber nicht unser Ziel. Wir wollen das Gelände lieber minimalisierter bebauen, damit es auch zu dem Gebiet passt.“ Im vorderen Bereich soll deshalb die Reihe mit Doppelhäusern fortgeführt werden. „Kein Neubau wird höher sein als das bestehende Wohngebäude am Datscha“, versichert der Unternehmer.

Was in Sachen Naturschutz getan wird

Angesprochen auf die sensible Umgebung teilt Reuther mit, dass ihm die Schutzgebiete „sehr wichtig sind, da gerade diese das Wohnen in dieser Region so attraktiv machen“. Auch in dieser Angelegenheit gebe es eine enge Abstimmung mit Gutachtern. „So wird zum Beispiel für alles, was wir tun oder ändern, ein Verträglichkeitsgutachten angefertigt.“ Wie Beigeordneter Simon Wingerter erklärt, wurden Voruntersuchungen zur Verträglichkeit des Baugebietes mit den Erhaltungszielen der Natura-2000-Gebiete „Bellheimer Wald mit Queichtal“ und „Offenbacher Wald, Bellheimer Wald und Queichwiesen“ erstellt. Weiterhin werde eine artenschutzrechtliche Bestandserfassung zu Insekten, Faltern, Vögeln, Heuschrecken und Eidechsen vorgenommen.

Auch beim Thema Parkplätze wird kein Problem gesehen. Gemäß der Stellplatzordnung werde es zwei pro Wohneinheit geben. „Zusätzlich sind noch Parkplätze im öffentlichen Raum geplant und auch schon vorhanden“, teilt Wingerter mit. Wobei sich der Parkdruck aus Sicht der Gemeinde nicht so stark erhöhen dürfte, dass Bewohner ihren Wagen auf Grünflächen abstellen werden.

Neue Verkehrsplanung vorgesehen

Nach Angaben von Wassyl ist die Gemeinde wegen einer neuen Verkehrsplanung mit dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Kontakt. So ist unter anderem eine Linksabbiegespur für die aus Richtung Hochstadt kommenden Verkehrsteilnehmer angedacht. Zudem wird noch ein Emissionsgutachten für Lärm und Geruch eingeholt. Dieses sei aus verschiedenen Gründen nötig. So hatte die Verbandsgemeinde-Verwaltung in ihrer Stellungnahme erwähnt, dass der Abstand der geplanten Bebauung zur Kläranlage im Süden sehr gering sei und damit Beschwerden von Anwohnern zu befürchten wären.

Ob die Erweiterung mit einer verbesserten Anbindung zum Öffentlichen Personennahverkehr einhergeht, ist laut Wassyl Angelegenheit der Kreisverwaltung SÜW.

x