Albersweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Anwohner beschweren sich über Geruch des Asphaltmischwerks

Stefanie Kraft kämpft mit einer Bürgergruppe und der Gemeindespitze gegen die Geruchsbelästigung durch das Asphaltmischwerk.
Stefanie Kraft kämpft mit einer Bürgergruppe und der Gemeindespitze gegen die Geruchsbelästigung durch das Asphaltmischwerk.

Die Albersweilerer sind verärgert. Seit Jahren versuchen sie, gegen die Geruchsbelästigung durch das Asphaltmischwerk Rhein-Pfalz am Ortsrand vorzugehen. Ohne Erfolg. Nun bäumt sich der Widerstand erneut auf. Wieso muss der Betreiber nicht nachbessern?

„In den letzten Jahren hat sich nichts geändert“, ist die erste Beigeordnete Katharina Niering (Grüne) erbost. Seit Jahren gingen Bürger und die Gemeinde gegen den Geruch aus dem Asphaltmischwerk Rhein-Pfalz in Albersweiler vor. Am schlimmsten sei der Gestank von 6.30 bis 9.30 Uhr, aber auch tagsüber komme es zu Geruchsbelästigungen.

Ein Werktag, 6.30 Uhr morgens. Auf dem Weg zum Briefkasten hat Stefanie Kraft den ihr schon vertrauten Geruch nach Asphalt in der Nase. Zurück im Haus geht sie sofort ins Wohn- und ins Schlafzimmer. Vor wenigen Minuten hatte sie die Fenster zum Lüften geöffnet. Sie schließt sie schnell. „Aufgrund des fast unerträglichen Gestanks kann man erst wieder am Abend lüften“, erzählt sie, wie es ihr und Hunderten anderen Haushalten in Albersweiler gehe.

Seit zehn Jahren beißender Geruch

Vor gut zehn Jahren habe die Anlage den Betrieb aufgenommen. Produziert werde nur im Sommerhalbjahr. Und immer dann könne man kein Fenster öffnen oder auf der Terrasse sitzen, erzählt Kraft. Der beißende Geruch breite sich durch den vorherrschenden Westwind über den Ort aus, dringe bis nach Siebeldingen und Godramstein. Kraft gehört zu einer Gruppe von Bürgern, die unter Führung der Gemeindespitze für die Reduzierung der Geruchsbelastung kämpft.

Mit der Betreiberfirma und der Gewerbeaufsicht hat es zahlreiche Gespräche und Ortstermine gegeben. Ein Gutachten, zu dem die Gewerbeaufsicht den Betreiber verpflichtet hatte, kam zu dem Ergebnis, dass die Häufigkeit und die Intensität des Gestanks keine erhebliche Belästigung darstellt. Solange die Anlage gemäß den bestehenden Genehmigungen betrieben werde, könne die Aufsichtsbehörde vom Betreiber keine Schritte einfordern. Dies ist derzeit der Fall, wie die Gewerbeaufsicht der Gemeinde im Juli mitteilte.

Werk hat alle Auflagen erfüllt

Laut Geruchsimmissionsrichtlinie darf es bis zu zehn Prozent der Jahresstunden der Produktion „riechen“, was derzeit 876 Stunden entspricht. Geht man von einer täglichen Betriebsdauer von 16 Stunden aus, so dürfte es an rund 55 Tagen im Jahr stinken. Die Richtlinie gilt für ganzjährig produzierende Betriebe, allerdings produzieren Asphaltmischanlagen witterungsbedingt nicht ganzjährig. Dieser Umstand wird nach Ansicht der Gemeindeverantwortlichen nicht berücksichtigt und führt dazu, dass hier mehr Geruchsstunden erlaubt werden, als tatsächlich zu genehmigen wären.

Beschwerden seien immer wieder an seine Firma herangetragen worden, weiß Christoph Fey. Er ist Spartenleiter Asphalt der Südwestdeutschen Hartsteinwerke in Kirn, zu denen das Albersweilerer Werk gehört. Man habe dies zum Anlass genommen, Geruchsminderungsvorkehrungen zu treffen, erklärt er auf RHEINPFALZ-Anfrage. „In den vergangenen Jahren wurde diese Thematik unsererseits weiterverfolgt und Optimierungen durchgeführt. Die technischen Möglichkeiten werden auch weiterhin dem neuesten Stand der Technik angepasst“, sagt Fey. Es komme aber auch immer wieder vor, dass Geruchsbelästigungen gemeldet würden, die gar nicht mit der Produktion in Zusammenhang stünden. „Im Sommer 2018 wurde beispielsweise auf der B 10 bei Birkweiler circa vier Wochen lang Asphalt geliefert und eingebaut. Diesen haben wir in Albersweiler aber gar nicht produziert“, stellt Fey fest.

SGD überwacht die Anlage

Die Kreisverwaltung SÜW hatte die Anlage 2007 genehmigt. Die Auflagen nach dem Bundes-Immissionsschutz-Gesetz würden eingehalten, informiert Nora Schweikert, Pressesprecherin der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) in Neustadt. „In der Anlage wird die Abluft gesammelt und über einen Schornstein über das Dach geführt. Zusätzlich gibt es eine Deodorierungsanlage als Abluftbehandlung. Diese wird verwendet, um den anfallenden Geruch zu überdecken“, so Schweikert. Der Betreiber sei verpflichtet, die Geruchsstunden auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die SGD prüfe nicht nur die Anlage selbst, sondern mache auch Geruchsbegehungen.

Auf Anfrage bestätigt die SGD, dass in der Sache seit Jahren Beschwerden eingingen. Die letzte datiere vom 20. August 2020. Wieso wird der Geruch in Albersweiler so stark wahrgenommen? Laut SGD liegt das an dem natürlich vorkommenden Kaltluftabfluss im Queichtal, der vor allem im Sommer zwischen 6 und 9 Uhr vorkommt. Der Kaltluftabfluss wirke wie ein Deckel, weshalb sich die Gerüche in Bodennähe konzentrierten und nicht in höhere Luftschichten entweichen könnten, wo sie sich besser verteilen, erklärt Schweikert.

Um dies und die Genehmigung für die Anlage als Ganzes zu überprüfen, hat die Ortsgemeinde Akteneinsicht bei der Kreisverwaltung SÜW beantragt. Eine Stilllegung des Werks wäre die einzig wirksame Lösung, findet Kraft. „Ich bin frustriert. Es ist ein Gefühl des Kampfes David gegen Goliath.“ Ihr sei aber bekannt, dass auch anderenorts gegen solche Werke gekämpft worden und man dort zu dem Schluss gekommen sei, dass die geltende Geruchsimmissionsrichtlinie für Asphaltmischwerke nicht anwendbar sein dürfte. „Ich werde weiterkämpfen“, ist Kraft entschlossen.

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