Kreis Südliche Weinstraße
Annweiler: „Eiserne Magnifizenz“ der Deutschen Uni Prag vor 150 Jahren geboren
Mit einer Straße erinnert die Stadt Annweiler an einen ihrer bekanntesten Söhne: den einstigen Rektor der Deutschen Karls-Universität in Prag. Nur dass sie August Naegle ein „ä“ statt des „ae“ verpasste. Die RHEINPFALZ deckte den peinlichen Fehler vor sieben Jahren auf. Morgen jährt sich der 150. Geburtstag des Theologie-Professors.
Die Straßenschilder sind längst geändert. Der Professor-Naegle-Platz heißt wieder so, wie er heißen soll. Er befindet sich in der Nähe der katholischen St. Josephkirche, wo einst auch das Elternhaus des großen Religionswissenschaftlers zu finden war.
In eine Lehrerfamilie hineingeboren, erhielt Naegle bereits mit vier Jahren von seinem Vater Unterricht. Nach der Volksschule und der Lateinschule in Annweiler besuchte er das Bischöfliche Konvikt in Speyer, bevor es ihn zum Studium der Theologie an die Unis München und Würzburg verschlug. In seinen Aufzeichnungen schreibt Naegle, dass er allen Anforderungen gerecht geworden sei, gepaart „mit dem Streben studentischen Frohsinns“ – was sicherlich seiner pfälzischen Herkunft zuzurechnen war.
Als Kaplan wurde er später seelsorgerisch im unterfränkischen Retzbach und in Weyher tätig. 1891 wurde er zum Diakon und wenig später zum Priester geweiht. Das Bischöfliche Ordinariat Speyer fand die Wahl seiner Predigt-Themen beachtenswert, allerdings: „Im Allgemeinen erscheinen jedoch die Vorträge für Ihre Zuhörerschaft geistig zu hoch.“ Hier deutete sich bereits an, dass Naegles Weg zur Hochschule führen wird. Während seiner Zeit in Weyher bereitete er ein weiteres theologisches Doktorexamen und seine Promotionsschrift „Die Eucharistielehre bei Johannes Chrysotomus“ vor. Sein Examen bestand er in Würzburg mit Auszeichnung.
Als außerordentlicher Professor für Kirchengeschichte und Patrologie ging er nach Passau und daraufhin als Ordinarius in der gleichen Disziplin an die theologische Fakultät der ältesten deutschen Universität, an die Karl-Ferdinands-Universität in Prag. Als dreifacher Doktor, mehrmaliger Dekan und Rektor wirkte er fast drei Jahrzehnte an dieser Stätte. Als Vertreter der deutschen Interessenverbände war er 1930 der Gegenkandidat zu Tomáš Garrigue Masaryk bei der zweiten Wahl für das Amt des Staatspräsidenten der Tschechoslowakei.
Für sein mutiges Auftreten bei den Verhandlungen um das Universitätsgesetz, mit dem die neue tschechische Regierung die Rechte der deutschen Universität einschränken wollte, erhielt er den Ehrennamen „Eiserne Magnifizenz“. In Prag am 13. Oktober 1932 verstorben, dort auf dem Friedhof Smichow bestattet, wurden die sterblichen Überreste 1936 nach Annweiler überführt und fanden auf dem Bergfriedhof im Familiengrab die letzte Ruhe. Heute erinnert ein Ehrengrab an den großen Sohn der Stadt.