Kreis Südliche Weinstraße Angehörige bei der Pflege entlasten
Auch wenn sich die graue Fassadendämmung des Hauses noch ohne Verputz präsentierte, innen empfingen helle, freundliche Räume die vielen Besucher, die zur Eröffnung in die neue Senioren-Tagesstätte gestern Nachmittag nach Annweiler gekommen waren. Neben der seit 2012 bestehenden Einrichtung in Bad Bergzabern ist sie die zweite ihrer Art, die das Pfalzklinikum Klingenmünster unterhält, gleichzeitig dessen 14. Außenstandort.
„Wir sind doch noch fertig geworden“, strahlte Pfalzklinikum-Geschäftsführer Paul Bomke. Er betonte, die vor allem für Demenzkranke vorgesehene Tagesstätte sei in Abstimmung mit der Kreisverwaltung entstanden. Sie habe das Projekt sehr unterstützt, auch in enger Kooperation mit den Kommunen. Theo Wieder, Verwaltungsratsvorsitzender des Pfalzklinikums und Vorsitzender des Bezirkstags Pfalz, verwies auf die glücklicherweise in der Bevölkerung sich geänderte Einstellung zu Anstalten der Psychiatrie. Früher habe man derartige Einrichtungen gerne aus den Ortschaften verbannt. Heute hole man sie in die Städte. Dennoch machten immer noch viele Angehörige von an Demenz Erkrankten Erfahrungen, die sie als Alleinpflegende an den Rand des Ertragbaren brächten, weil sie in ihrer Unerfahrenheit solch extremen Situationen nicht gewachsen seien. Sie seien in der Pflege einfach überfordert und benötigten Entlastung, um wieder Kraft sammeln zu können. Das Modell der Tagesstätte halte er daher für effizienter als eine Vollversorgung in einem Pflegeheim, da so die alten Menschen immer wieder in ihre vertraute Welt zurück könnten. Auch erster Kreisbeigeordneter Marcus Ehrgott hält Annweiler für den richtigen Standort. Die Menschen dort fühlten sich nicht ausgegrenzt. „Das Thema Demenz wird uns immer stärker beschäftigen“, sagte er. Es gelte, die entsprechenden strukturellen Maßnahmen zu seiner Bewältigung zu schaffen, um den Betroffenen gerecht zu werden. Christiane Heming-Herzog, Beigeordnete der Verbandsgemeinde, erinnerte daran, dass in der Verbandsgemeinde Annweiler mehr als 3000 Bürger im Alter von über 70 Jahren wohnten. Sie alle wünschten sich, ihr Leben so lange wie möglich selbst gestalten zu dürfen. Für die Region sei die Tagesstätte ein Gewinn und werde sicherlich zum Ort der Begegnung werden. Die kurzen Wege in der Stadt halte er für einen wesentlichen Vorteil, ergänzte Beigeordneter Reiner Niederberger. In anschaulichen Beispielen erläuterte die Fachbereichsleiterin am Pfalzklinikum, Rita Becker-Scharwatz, die Arbeit der Tagesstätte mit Demenz-Kranken. Die Menschen erführen dort, dass sie noch wichtig im Leben seien und auch viel dazu selbst beitragen könnten. Ausgiebig konnten die Besucher beim Rundgang die Räume der Tagesstätte in Augenschein nehmen. Im Kreativraum erhielten sie Informationen zu dem sogenannten SimA-Programm, einem Trainingsprogramm, das speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen abgestimmt ist und die Selbstständigkeit möglichst lange erhält. Derzeit zählt die Tagesstätte elf Mitarbeiter, durchweg Betreuungskräfte mit Spezialausbildung für Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, insbesondere in Gerontologie und Demenzbegleitung. Es gehe darum, Ressourcen bei alten Menschen zu wecken und zu entwickeln, sie als wichtigen Teil der Gesellschaft anzuerkennen, informierten die Einrichtungsleiterin Brigit Fuchs, die Leiterin für Beratung und Verwaltung Lisa Ehrhardt, und deren Stellvertreterin Kirsten Kleinböck. Man gehe auf Interessen und Hobbys der Insassen ein. Es werde gemeinsam gesungen, gelesen, viel Handwerkliches getan, auch Küchen- und Gartenarbeit angeboten. Info Die Tagesstätte ist gedacht für Senioren ab 65 Jahren. Öffnungszeiten: Montags bis freitags von 8 Uhr bis 16 Uhr, mittwochs von 8 Uhr bis 17 Uhr. (ppo)