Kreis Südliche Weinstraße An Banane und Rettich geübt
Hobbytätowiererin Jin Wa aus Thailand zaubert bei sich zu Hause in Maikammer bunte Kunstwerke auf die Haut von Freunden. Sie arbeitet ohne Motivvorlage und komplett freihändig. Sich unter ihre Nadel zu legen, ist reine Vertrauenssache.
besingt das „Voodoo child“, dazu surrt die Nadel, und Jin Wa ist voll in ihrem Element. Die Thailänderin, die vor zehn Jahren nach Deutschland kam, ist Hobby-Tätowiererin. Jin Wa ist der Künstlername der 35-Jährigen, die bürgerlich den für deutsche Zungen schwer aussprechbaren Namen Walaiporn Jintoung trägt. Das Außergewöhnliche: Jin Wa arbeitet nicht im Tattoo-Studio, sondern bei sich zu Hause, ausschließlich kostenlos – für Freunde und Bekannte, die ihre Kunst mögen. Bei ihr gibt es keine vorgefertigten Motivvorlagen wie im Tätowierstudio, noch nicht einmal einen Plan, wie das fertige Tattoo aussehen soll. Sich bei Jin Wa unter die Nadel zu begeben, ist reine Vertrauenssache. Klar ist nur, dass sie in mühevoller Kleinarbeit aus feinen Linien florale und ornamentale Kunstwerke zaubert. Überraschungseffekte inklusive. Die Hobbytätowiererin liebt es bunt. Überall in ihrem Zuhause finden sich Zeugnisse ihrer überbordenden Kreativität: Vielfarbige Mandalas zieren als Bilder oder direkt auf die Tapete gemalt die Wände, und ein selbstgenähter Patchworkhocker verbindet alten Jeansstoff mit Stoffresten im typischen ornamentalen Stil ihrer Heimat, bunte Ornamente aus zarten Linien finden sich auch auf den Masken aus Papier, die Jin Wa herstellt. Ihre kreative Ader hat die Thailänderin anfangs nur mit dem Zeichenstift, der Näh- und Häkelnadel ausgelebt. Bis Freunde ihr vor etwa zwei Jahren eine Tätowiermaschine zum Geburtstag schenkten. „Zuerst habe ich mit Obst und Gemüse probiert, Bananen und Rettich mit der Nadel bearbeitet“, erzählt sie. Als sie sich im Umgang mit der Tätowiermaschine sicherer fühlte, begann sie, an sich selbst zu üben. Mittlerweile sind ihre Füße und Beine über und über mit feinen Ornamenten bedeckt. Schließlich wagte sie sich an fremde Haut. Einer Freundin hat Jin Wa in unzähligen Sitzungen den ganzen Rücken tätowiert – eine Orgie an Farben und Formen in rot, grün, blau und schwarz. Zehn Stunden Arbeit sind es für sie, aus dem alten verblassten Hautbild einer anderen Bekannten ein schillerndes ornamentales Kunstwerk zu zaubern. Dabei verdeckt sie das alte Tattoo nicht, sondern bezieht es geschickt in das neue Werk mit ein. Bei einem geplanten halbjährigen Thailand-Aufenthalt, zu dem sie jetzt aufbricht, will sie in der Hauptstadt Bangkok weiterlernen. Jin Wa interessiert sich auch für die Bamboo-Tätowierkunst. Früher wurde dabei tatsächlich mit Bambus-Sticks tätowiert. Heute werden sterile Einmalnadeln benutzt, die an einem Bambusstab befestigt werden. Doch zunächst geht es mit Ehemann und Tochter in ihr Heimatdorf, das „in der Mitte zwischen Bangkok und Chiang Mai liegt“, wie sie erklärt. Später soll es weitergehen in die Touristengebiete im Süden. Dort könne sie sich vorstellen, die Erzeugnisse ihrer Kreativität auf Märkten zu verkaufen. Doch auch wenn sie im Frühjahr nach Maikammer zurückkehrt, wird Jin Wa nicht arbeitslos sein. Etliche Freunde, die Tattoos von ihr möchten, stehen bereits auf der Warteliste.