HERXHEIM
Altenzentrum mit langer Vergangenheit: Chef geht in Rente
Hubert Niederer, Jahrgang 1959, hat 40 Jahre in der Kranken- und Altenpflege gearbeitet. Doch die schwierigste Situation hat ihm am Ende seines Arbeitslebens Corona beschert. Weil die Schwächsten der Gesellschaft, die Bewohner von Pflegeeinrichtungen, am stärksten von der Pandemie bedroht sind. Auch im Herxheimer Altenzentrum starben Menschen mit oder an Corona. Mittlerweile hat sich die Situation etwas entspannt. In der ersten Impfrunde wurden zwei Drittel der Bewohner und Mitarbeiter geimpft, in der zweiten Runde wollen sich nahezu alle Mitarbeiter impfen lassen. Seit Januar gibt es keine positiv getesteten Senioren mehr.
Schon früh wusste Niederer, dass er einen Beruf im sozialen Bereich ergreifen will. Seinen Wehrdienst leistete er bei einer Sanitätsstaffel ab, danach schloss sich die Ausbildung zum Krankenpfleger im Vincentius-Krankenhaus in Speyer an. Die nächste berufliche Station war das Kreiskrankenhaus Kandel, wo er bald die Pflegedienstleitung übernahm. Nach 20 Jahren in der Krankenpflege strebte Niederer eine berufliche Veränderung an. Denn er hatte des Öfteren mit „Vorgesetzten zu tun, die einen autoritären Führungsstil“ praktizierten. Das wollte er nicht länger hinnehmen. Er wollte selbst eine Einrichtung leiten, aber mit einem „kollektiven Führungsstil“. Nach verschiedenen Weiterbildungen wurde er Leiter des Caritas-Altenzentrums in Limburgerhof.
Heim einst von Schwestern geleitet
2002 meldete sich der damalige Herxheimer Bürgermeister Elmar Weiller bei Niederer. Die Leitungsstelle des Altenzentrums St. Josef war vakant. Niederer, gebürtig aus Büchelberg, lebte schon lange mit seiner Familie im Großdorf und bewarb sich erfolgreich. So begann eine jahrelange gute Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister und den politischen Gremien. Nur ein einziges Mal gab es einen „Zusammenschiss“ von Weiller. Dessen Grußwort in der Festschrift zur Einweihung des Neubaus war nämlich nach Niederers Geschmack zu lange ausgefallen und von ihm um die Hälfte gekürzt worden.
Niederer führte ein traditionsreiches Haus, dessen Geschichte 1855 begann. Da beschloss der Gemeinderat von Herxheim die „Gründung eines Armen- und Krankenhauses, um 1. die Waisenkinder der Gemeinde zu erziehen, 2. Arme und Kranke zu pflegen und 3. täglich die Armen mit Nahrung zu versorgen, um sie vor dem Bettel zu bewahren“ – so heißt es in einem alten Gemeinderatsprotokoll. Die Leitung wurde den „Töchtern des Göttlichen Erlösers“ aus Niederbronn übertragen, von denen Niederer in seinen Anfangsjahren noch drei kennenlernte: die Schwestern Germana, Suso Marie und Marie Bernard. Die Niederbronner Schwestern sind gegangen. Doch das Haus blieb im Besitz der Gemeinde und ist damit eine der wenigen Pflegeeinrichtungen in Rheinland-Pfalz, die sich in kommunaler Trägerschaft befinden.
Gewaltige Umbauten und eine Kapelle
Die Aufgaben, die Niederer vor 20 Jahren anging, waren riesig. Lediglich die Cafeteria und der Speisesaal des Hauses waren modernisiert, der Rest war renovierungsbedürftig. In drei Bauabschnitten erfolgte in den kommenden Jahren die Umgestaltung zur zukunftsfähigen Pflegeeinrichtung: Ein Neubau, der eine Lebensgemeinschaft für Demenzerkrankte beherbergt, wurde gebaut. Der Mitteltrakt wurde saniert und mit Einzelzimmern ausgestattet. Aktuell entsteht im nördlichen Teil ein neues Gebäude mit 36 Einzelzimmern. In das alte Haus an der Hauptstraße wird die Verwaltung einziehen. Und zur Beruhigung der erhitzten Gemüter im Dorf: Die Kapelle bleibt am angestammten Platz und kann auch zukünftig als Gebetsraum genutzt werden. Am Ende wird die Einrichtung über 117 Pflegeplätze und fünf Tagespflegeplätze verfügen.
Nach einem langen Arbeitsleben geht Niederer zufrieden in den wohl verdienten Ruhestand. „Die Entwicklung geht weiter, bestimmt auch besser“, ist er sich sicher. Nicht vermissen werde er die Bürokratie, die in den letzten Jahren immer mehr zugenommen und viel Zeit gekostet habe. Seine neu gewonnene Freiheit wird er in einem Gartenstück ausleben, wo er einen Permakultur-Garten anlegen will.