Böchingen RHEINPFALZ Plus Artikel Alte Sektkellerei: Nimmt Wohnquartier bald mehr Gestalt an?

Ratsmitglied Marion Linxweiler (links), Beigeordneter Michael Kern und Böchingens Bürgermeisterin Sarah Vollmar schauen sich die
Ratsmitglied Marion Linxweiler (links), Beigeordneter Michael Kern und Böchingens Bürgermeisterin Sarah Vollmar schauen sich die Pläne für den Kita-Neubau an, der nun kleiner ausfallen soll.

Nach Auffassung der Gemeinde ist die Bebauung des Areals der ehemaligen Sektkellerei nicht wie geplant angelaufen. Deshalb werden nun die Pläne für den Kita-Neubau geändert.

Auf dem Gelände der ehemaligen Sektkellerei Schloss Wachenheim in Böchingen sollen nicht nur neue Wohnhäuser entstehen, sondern im südlichen Bereich nahe der denkmalgeschützten Schlossvilla, auch eine neue Kindertagesstätte. Das ist beschlossene Sache. Jedoch hat sich der Gemeinderat nun mehrheitlich dazu entschieden, an der ursprünglichen Planung nicht mehr länger festzuhalten. Dafür gibt es Gründe, doch zunächst ein Blick zurück.

Im Oktober 2023 war auf dem 4,5 Hektar großen Areal für das Wohnquartier Richtfest gefeiert worden. Im Zuge dessen waren auch zwei Einfamilienhäuser errichtet worden – schlüsselfertig. Eine sichtbare Veränderung auf dem Areal gab es seither nicht. Aktuell stehen dort immer noch erst diese beiden Einfamilienhäuser sowie die Schlossvilla, die sich nahe der evangelischen Kirche befindet.

Der Kita-Bau ist im südlichen Teil des Geländes nahe des denkmalgeschützten Schlossgebäudes geplant.
Der Kita-Bau ist im südlichen Teil des Geländes nahe des denkmalgeschützten Schlossgebäudes geplant.

Für die Entwicklung des Geländes ist das Bauunternehmen Ruppert zuständig. Die Firma hat ihren Sitz in Esch bei Wittlich. Im Oktober des vergangenen Jahres hatte das Bauunternehmen auf Anfrage mitteilen lassen, dass die Nachfrage seit Sommer 2024 spürbar angezogen habe. Die anfängliche Zurückhaltung sei der herausfordernden wirtschaftlichen Lage insgesamt und den Auswirkungen auf den Bausektor geschuldet gewesen, war gegenüber der RHEINPFALZ erklärt worden, auf die Frage, warum sich auf dem Areal noch nichts getan hat. Dennoch seien mehr als ein Drittel der Parzellen bereits verbindlich reserviert oder verkauft, hieß es weiter.

Inzwischen habe sich die Lage weiter gebessert, das Vertrauen in den Markt habe weiter zugenommen und folglich sei die Nachfrage nach den Grundstücken weiter gestiegen, teilt der Vertriebsleiter des Bauunternehmens Ruppert, Helmut Arens, mit. Das Unternehmen sei mit der derzeitigen Nachfrage zufrieden und man gehe stark davon aus, „dass wir bereits im Frühjahr Bautätigkeit sehen werden“, sagt er.

Ortschefin: Weniger Zuzug von Familien

Die Vermarktung und Bebauung des Areals war nicht so angelaufen, wie man es sich vorgestellt habe, erklärt Ortsbürgermeisterin Sarah Vollmar gegenüber der RHEINPFALZ. Sie erklärt, warum der Gemeinderat die Pläne für den Kita-Bau nun ändern wolle. Aufgrund der bisherigen Beschlusslage war das Stuttgarter Architekturbüro MGF-Architekten mit der Planung einer viergruppigen Kindertagesstätte beauftragt worden. Aufgrund der Bedenken hat sich der Gemeinderat nun mit sieben zu fünf Stimmen dafür entschieden, die Gruppen zu verringern.

Im Zuge der jüngsten Beratungen sei auch das Kreisjugendamt Südliche Weinstraße um eine neuerliche Einschätzung des zukünftigen Kita-Bedarfes gebeten worden, hieß es in der Beschlussvorlage. „Die aktuelle Situation lässt den Schluss zu, dass der Zuzug junger Familien im erwarteten Ausmaß sowohl zeitlich als auch insgesamt gesehen wohl nicht eintreten wird“, sagt Ortschefin Sarah Vollmar.

Die Vermarktung des 4,5 Hektar großen Areals läuft.
Die Vermarktung des 4,5 Hektar großen Areals läuft.

Die Bürgermeisterin rechnet vor, dass anhand der Wohneinheiten der Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser, dem rechnerischen Einwohnerzuwachs von rund 340 Personen und einer Fünf-Prozent-Quote an Kita-Kindern (Kreisdurchschnitt), ein Aufkommen von 15 bis 20 Kita-Kindern erwartet werden könne. Mit 36 aktuellen Bestandsplätzen zeichne sich eine dreigruppige Einrichtung als vertretbare und bedarfsdeckende Lösung ab. Das Kreisjugendamt Südliche Weinstraße habe sich dieser Auffassung angeschlossen, heißt es auch in der Vorlage.

Kosten sinken um 624.000 Euro

Die bisherigen Kosten für den Neubau der Kita Böchingen wurde den Angaben in der Beschlussvorlage zufolge auf 6,1 Millionen Euro – ohne Grundstückskosten– geschätzt. Bei einer Reduzierung um eine Gruppe (etwa 126,5 Quadratmeter) könnte die Summe voraussichtlich um 624.000 Euro reduziert werden, sodass aktuell von Baukosten – ohne Grundstück – in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro ausgegangen werden könne. Da die Kosten im Jahr 2023 geschätzt wurden sei ein Aufschlag von 4,64 Prozent (254.000 Euro) einzurechnen. Somit belaufen sich die geschätzten Baukosten dem Angaben zufolge auf rund 5,7 Millionen Euro.

Seitens des Landkreises SÜW ist nach Angaben der Bürgermeisterin keine konkrete Aussage zu einer Förderung vorgenommen worden, weshalb man mit einer Förderung von 40 Prozent der Kosten für eine dreigruppige Einrichtung kalkuliere. Das sind rund 2,3 Millionen Euro. Der Eigenanteil der Gemeinde belaufe sich somit auf rund 3,4 Millionen Euro abzüglich des Verkaufserlöses für das derzeitige Kita-Gebäude. Und dies sei immer noch ein großer Batzen Geld für eine kleine Gemeinde wie Böchingen. Bis die neuen Kita-Pläne Form annehmen, hofft die Bürgermeisterin, dass es für das Areal insgesamt nun schnell nach vorne geht.

Info

Weitere Informationen zum Wohnquartier gibt es unter https://dorfleben-boechingen.de im Internet.

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