Böchingen
Alte Sektkellerei: Warum bisher nur die Musterhäuser stehen
Die Hallen sind längst nicht mehr da. Schon seit geraumer Zeit zeigt sich dem Betrachter eine brache Fläche. Ziemlich genau vor einem Jahr wurde auf dem Gelände der ehemaligen Sektkellerei Schloss Wachenheim in Böchingen Richtfest gefeiert. Im Zuge dessen waren auch zwei Einfamilienhäuser errichtet worden – schlüsselfertig. Eine sichtbare Veränderung auf dem Areal gab es seither nicht. Aktuell stehen dort immer noch erst diese beiden Einfamilienhäuser sowie eine denkmalgeschützte Villa, die sich nahe der evangelischen Kirche befindet.
Eins der in Holzständerbauweise errichteten Musterhäuser, das über rund 140 Quadratmeter Wohnfläche verfügt, enthält inzwischen auch eine Küche. Beide Neubauten sollen zeigen, wie eine nachhaltige und moderne Bauweise aussieht, wie der Vertriebsleiter des Bauunternehmens Ruppert, Helmut Arens, erklärt. Die Firma aus Esch bei Wittlich ist für die Entwicklung des Geländes in Böchingen zuständig.
Wie läuft der Vergabeprozess?
Beim einen oder anderen Böchinger kommt inzwischen die Frage auf: Wie läuft eigentlich der Vergabeprozess der Grundstücke?
Warum hat sich seit einem Jahr auf dem Gelände bautechnisch eigentlich nichts mehr getan? Klar ist: Schlussendlich soll auf dem 4,5 Hektar großen Areal den Angaben zufolge eine Mischung aus Wohnungen, Reihenhäusern und freistehenden Einfamilienhäuser entstehen. Im südlichen Teilgebiet soll das Schlossgebäude um einen Anbau für touristische Nutzungen erweitert werden. Die Gemeinde hat dort bereits eine rund 2000 Quadratmeter große Fläche zum Bau einer neuen Kindertagesstätte erworben.
Klare Vorgaben für Häuslebauer
Fakt ist auch: Die Häuslebauer, die auf dem ehemaligen Sektkellerei-Gelände bauen möchten, müssen sich an gewisse gestalterische Vorgaben halten. Aus diesem Grund hat das Unternehmen ein Gestaltungshandbuch ausgearbeitet, dessen Vorgaben zusammen mit den Anforderungen des Bebauungsplans von den Interessenten berücksichtigt werden müssen. Dazu zählt den Angaben zufolge beispielsweise die Vorgabe von Satteldächern sowie die Ausrichtung der Häuser zur Erschließungsstraße hin. Die Grundstücksinteressenten müssen hierzu eine Vorplanung einreichen. Dann werde geprüft, ob das gewünschte Gebäude die Vorgaben erfüllt. Falls ja, werde anschließend grünes Licht für die weiteren Schritte gegebenn, heißt es. Der Quadratmeterpreis für die Grundstücke liege bei 425 Euro.
Zunächst werden 15 Grundstücke angeboten
Angeboten werden im ersten, rund 3,4 Hektar umfassenden Bauabschnitt 15 Grundstücke von 424 bis rund 600 Quadratmetern Fläche zur freien Bebauung, teilt die FuP Kommunikationsmanagement GmbH aus Frankfurt im Auftrag des Bauunternehmens Ruppert auf Anfrage der RHEINPFALZ zum aktuellen Sachstand mit. Mehr als ein Drittel sei bereits verbindlich reserviert oder verkauft. Weitere Parzellen würden dann sukzessive angeboten.
Die Nachfrage habe seit dem Sommer spürbar angezogen „und wir sind bei der Vermarktung inzwischen auf einem guten Weg“, heißt es weiter. Die anfängliche Zurückhaltung sei der herausfordernden wirtschaftlichen Lage insgesamt und den Auswirkungen auf den Bausektor geschuldet gewesen. Die Kosten für den Bau und die Finanzierung von Neubauprojekten seien stark gestiegen, die Kapazitäten der Handwerker und Dienstleister hingegen knapp und die Förderkonditionen instabil. Aber zumindest die Zinsseite habe sich zuletzt wieder etwas entspannter dargestellt, teilt die Agentur mit.
Schrecken die Vorgaben die Interessenten ab?
Sind es vielleicht auch die vielen Vorgaben, die die Interessenten abschrecken? Das Unternehmen verneint dies: „Wir haben uns ganz bewusst dazu entschieden, den Bauinteressenten gewisse Vorgaben für die Planung an die Hand zu geben. Unser Ziel war es von Anfang an, ein stimmungsvolles Ensemble zu gestalten, sodass am Ende ein einheitlich gestaltetes Quartier entsteht, das sich in den Gebäudebestand des Ortes harmonisch einfügt“, teilt die beauftragte Agentur mit.
Man freue sich über den gestiegenen Zuspruch und das Interesse an den Grundstücken. Bei der Mehrzahl der Anfragen handelt es sich um junge Familien. Zeitnah werde nun mit der Vermarktung der Parzellen im zweiten Bauabschnitt begonnen. Im östlichen Teil des Gebietes würden zehn Mikrohäuser mit 250 bis 270 Quadratmetern Grundstücksfläche entstehen, heißt es von Unternehmensseite. Mikrohäuser seien vor allem für Singles oder kinderlose Paare interessant, „die gerne ein Haus hätten, aber nicht mit Familien um Wohnraum konkurrieren möchten“.
Ortsbürgermeisterin beobachtet Entwicklung
Lässt sich anhand der derzeitigen Planung sagen, wann auf dem Areal die ersten Häuser stehen werden? „Das ist natürlich immer abhängig von der Planung der Käufer und des jeweiligen Baufortschritts. Generell gilt ein Baugebot, das besagt, dass innerhalb von drei Jahren nach der Beurkundung des Kaufvertrags gebaut werden muss“, sagt die Agentur hierzu.
Auch die Böchinger Ortsbürgermeisterin Sarah Vollmar beobachtet die Entwicklung auf dem ehemaligen Sektkellerei-Gelände. Gerne rühre Sie die Werbetrommel für dieses Projekt. Ab und zu habe es auch schon Anfragen hierzu gegeben. Sie habe dann immer an den Projektentwickler verwiesen. Die Lage sei attraktiv und die Macher „versprechen sich von dem Projekt viel“, sagt die Ortschefin. Natürlich sei es auch für sie interessant, wie schnell es dort nun sichtbar weitergehe.
Info
Weitere Informationen zu dem Projekt gibt es unter www.dorfleben-boechingen.de im Internet.