Bad Bergzabern
Alt und allein: Wie der demografische Wandel die Feuerwehr belastet
„Retten – Löschen – Bergen – Schützen“ lautet das Motto der Feuerwehr. So altbekannt das ist, so passend ist es auch. Denn es fasst treffend die vier Kernaufgaben der Organisation zusammen. Schaut man auf die Einsatzzahlen der Wehren in der Verbandsgemeinde (VG) Bad Bergzabern, könnte man zu dem Schluss kommen, dass eine fünfte Aufgabe hinzugefügt werden muss, und zwar: „dem Rettungsdienst helfen“.
„Wir haben jede Woche mindestens einen Einsatz zur Unterstützung des Rettungsdienstes“, sagt Dirk Nerding, Wehrleiter der VG Bad Bergzabern. Was ihm und auch seinem Stellvertreter Jochen Kuntz aufgefallen ist: Das war bei Weitem nicht immer so. In den vergangenen Jahren hat die Anzahl dieser Einsätze deutlich zugenommen.
Anzahl der Hilfseinsätze hat sich verdoppelt
Kuntz kann das mit Zahlen belegen. Im Jahr 2020 musste die Feuerwehr in der VG Bad Bergzabern 23-mal zur Unterstützung des Rettungsdienstes ausrücken. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres war das schon 40-mal der Fall. Besonders deutlich wird der Anstieg beim Blick auf den Anteil der Einsätze zur Unterstützung an allen Einsätzen. Der hat sich nämlich innerhalb der letzten fünf Jahre von rund 6 Prozent auf rund 12,5 Prozent mehr als verdoppelt.
Konkret geht es um drei Szenarien, bei denen die Feuerwehr zur Hilfe gerufen wird: wenn beim Tragen des Patienten aus der Wohnung oder in unwegsamem Gelände Unterstützung benötigt wird, wenn der Patient nur waagerecht transportiert werden kann und deshalb mit der Drehleiter über das Fenster aus einer oberen Etage geholt werden muss, und wenn eine Wohnungstür geöffnet werden muss, weil dahinter eine hilflose Person vermutet wird.
Hilfe für Rettungsdienst bindet wertvolle Ressourcen
„Wir helfen gerne, das liegt in unserem Naturell“, sagt Nerding. Er stellt aber auch klipp und klar fest: „Das ist nicht originär die Aufgabe der Feuerwehr.“ Und genau darin liegt das Problem. Denn die Herausforderungen für die Feuerwehr sind in der jüngeren Vergangenheit ohnehin schon größer geworden – Stichwort Waldbrandgefahr. Die Hilfe für den Rettungsdienst bindet weitere Ressourcen.
„Das belastet unser Ehrenamt weiter“, sagt Nerding. Je mehr Einsätze anstehen, desto häufiger müssen die Kräfte den Arbeitsplatz verlassen, um für die Feuerwehr einzuspringen. Zudem steigt auch der Aufwand für Ausbildungen. Gerade beim Thema Notfalltüröffnung müssen immer mehr Feuerwehrleute an Wochenenden geschult werden. Sie müssen also immer mehr von ihrer Freizeit opfern. Und weil die Ausbildung für die Notfalltüröffnung Sache der Verbandsgemeinde ist, wird zusätzlich deren Kasse mehr belastet. Zu lernen, wie eine Tür so geöffnet werden kann, dass sie dabei heil bleibt, kostet pro Kurs mehrere Tausend Euro, wie Nerding erklärt.
Immer mehr Menschen leben allein
Aber warum muss die Feuerwehr immer öfter den Rettungsdienst unterstützen? Nerding ist da einigermaßen ratlos. „Ich kann den Grund nicht sagen.“ Eine mögliche Ursache für die Häufung nennt der Wehrleiter: Es gebe einfach immer mehr Menschen, die allein sind.
Statistisch lässt sich zumindest einmal belegen, dass es tatsächlich immer mehr Menschen gibt, die allein in einer Wohnung leben. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes und des Statistischen Landesamtes waren im Jahr 2000 rund 35 Prozent aller Privathaushalte in Rheinland-Pfalz sogenannte Einzelpersonenhaushalte. Im Jahr 2023 – das sind die aktuellsten Zahlen – waren es schon 42 Prozent. Und die Statistiker gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt. Da die Gesellschaft zunehmend älter wird, werden also künftig wohl immer mehr ältere Menschen allein in einer Wohnung leben.
Bei der Feuerwehr muss man davon ausgehen, dass die Anzahl der Einsätze zur Unterstützung des Rettungsdienstes weiter steigt – und damit auch die Belastung der Ehrenamtler. Die können das Pensum derzeit noch leisten. Dennoch ist erkennbar, dass sich der demografische Wandel auch auf die Feuerwehren niederschlägt – in Form von Einsätzen, die nicht originär zu ihrem Aufgabengebiet gehören. Und dabei, so bringt es Nerding auf den Punkt, darf nicht vergessen werden: „Bei uns brennt es auch noch.“