Kreis Südliche Weinstraße Albträume wegen Obdachlosigkeit

„Ich weiß nicht mehr weiter“, sagt die 50-jährige Cornelia aus Steinfeld. Und auch Ulrike Brunck vom Diakonischen Werk in Bad Bergzabern weiß keinen Rat mehr und hat sich hilfesuchend an die RHEINPFALZ gewandt. Cornelia braucht dringend eine behindertengerechte Wohnung, da sie auf den Rollstuhl angewiesen ist, Ende Januar muss sie aus ihrem Haus ausziehen, es wird versteigert. Sie hat seit Monaten Albträume wegen drohender Obdachlosigkeit.
Es fällt der Mutter von zwei Kindern nicht leicht, ihre Geschichte öffentlich zu machen. Ihren Nachnamen möchte sie aus familiären Gründen nicht nennen, aber die Öffentlichkeit ist ihr letzter Strohhalm. Ihre Lebensgeschichte erzählt sie der RHEINPFALZ in ihrem Haus, in dem sie mit der 18-jährigen Tochter wohnt, ihr 23-jähriger Sohn ist bereits ausgezogen. Es ist nicht wirklich gemütlich, die Heizung funktioniert nicht richtig, der Rollladen bleibt unten, nicht nur, weil er kaputt ist. Das Fenster ist undicht. „Manchmal will ich gar nicht mehr nach Hause“, sagt Cornelia angesichts der Umstände. Die Verkäuferin ist in Steinfeld geboren und bis 1996 ist die Familie eine ganz normale, mit Wünschen und Plänen. 1990 heiratet sie, 1991 wird der Sohn geboren. Die Familie kauft sich ein Haus in Steinfeld und nimmt einen Kredit auf, um zu renovieren. Der Schicksalsschlag, der ihr ganzes Leben verändert, kommt wie ein Blitz aus heiterem Himmel, 1996, nach der Geburt der Tochter. Sie wird wegen eines Abszesses am Rückenmark operiert, ein Gen-Defekt, der sich auf die Nervenbahnen auswirkt, wird diagnostiziert. „Ich saß mit 31 Jahren von heute auf morgen im Rollstuhl“, erzählt Cornelia. Zählen kann sie die Krankenhausaufenthalte nicht mehr, die sie hinter sich hat. Die Ehe zerbricht, sie bleibt mit den Kindern in Steinfeld. „2010 war dann klar, dass ich das Haus nicht stemmen kann, 2011 habe ich Privatinsolvenz angemeldet“, erzählt die zweifache Mutter. Die finanzielle Situation habe sie völlig überfordert, sie habe manchmal Wochen nicht darüber nachdenken können, nur versucht, von Tag zu Tag weiterzumachen. „Die Kinder waren mir wichtig, der Rest war mir zum Teil egal“, sagt sie. Bis heute macht sie alles alleine, mit Unterstützung der Tochter. „Waschen, kehren, abwaschen geht, beim Kochen muss meine Tochter helfen“, erzählt sie aus ihrem beschwerlichen Alltag. Fast drei Stunden dauert es, bis sie sich morgens alleine fertig gemacht und gefrühstückt hat, einmal pro Tag versucht sie aus dem Haus zu gehen, spätestens an der Bushaltestelle braucht sie Hilfe, die sie auch bekommt. Trotzdem wäre ihr Wunsch, nach Bad Bergzabern ziehen zu können, weil vieles näher ist. Seit mehr als drei Jahren sucht die zweifache Mutter eine Wohnung, sie hat sich mittlerweile schon bei der Obdachlosenunterkunft erkundigt, weil sie fürchtet, demnächst auf der Straße zu landen. Behindertengerechte Wohnungen in Bad Bergzabern sind teuer, das hat auch Ulrike Brunck von der Diakonie festgestellt, die ihr seit mehr als zwei Jahren bei der Suche nach einer Drei-Zimmer-Wohnung, die sie zusammen mit ihrer Tochter bewohnen will, hilft. „Ich habe alle Makler angeschrieben, bisher nichts“, sagt Ulrike Brunck, die hofft, dass sich auf diesem Wege ein Vermieter findet. Die behindertengerechte Wohnung sollte insgesamt nicht mehr als maximal 600 Euro kalt kosten, die Cornelia von ihrer Rente bezahlen kann.