Kreis Südliche Weinstraße Abenteuerlustiges Talent
Seit 1983 vergeben der Deutsche Bundestag und der US-Kongress gemeinsam Stipendien für Schüler und junge Berufstätige, die für ein Jahr im jeweils anderen Land leben dürfen. In Deutschland wird pro Wahlkreis ein Stipendium vergeben. Ein Bundestagsabgeordneter übernimmt die Patenschaft für den Stipendiaten aus seinem Wahlkreis, weshalb das Programm den Namen „Parlamentarisches Patenschaftsprogramm“ trägt. Die drei südpfälzischen Bundestagsabgeordneten wechseln sich mit der Übernahme der Patenschaft ab. In diesem Jahr ist Thomas Gebhart (CDU) an der Reihe. „Die Nachfrage war sehr groß“, erzählt Gebhart. Nam Nguyen, der die zehnte Klasse des Gymnasiums im Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern besucht, hatte von dem Programm gehört, fand in seiner Schule aber kaum Informationen darüber. „Ich wusste, dass meine frühere Englischlehrerin sich an unserer Schule um das Programm gekümmert hat. Sie hat Schüler darauf vorbereitet“, erzählt er. Er nahm Kontakt zu der inzwischen pensionierten Lehrerin auf und informierte sich. Kurz darauf schickte er seine Bewerbungsunterlagen ab. Da seine Eltern, die in der Kurstadt in der Gastronomie tätig sind, keine Zeit hatten, fuhr er im September vergangenen Jahres allein zur Vorauswahl nach Bad Dürkheim. Man muss mindestens 15 Jahre alt sein, um an dem Programm teilnehmen zu können. Nam war einer der Jüngsten bei der Vorauswahl. Von der Austauschorganisation wurden dort Auswahlgespräche geführt. Es gab mehrere Diskussionsrunden, umfassend wurde die Sozialkompetenz getestet. Bei einem weiteren Test über die allgemeine politische Bildung wird festgestellt, ob sich der Schüler für ein Stipendium in den USA eignet. Zwei Kandidaten, darunter Nam Nguyen, kamen weiter. Danach war eine Zeit lang Pause, bevor es zum Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten kam. Gebhart wählte schließlich Nam zum „deutschen Junior-Botschafter“ für die Vereinigten Staaten aus. „Man muss sich ja nur einmal seine exzellenten schulischen Leistungen anschauen, dann ist es verständlich, dass die Wahl auf ihn fiel“, sagt Thomas Gebhart. Und in der Tat, Nams Abschlusszeugnis aus der neunten Klasse ist mehr als beeindruckend: In allen Fächer wurden seine Leistungen mit „sehr gut“ bewertet. In Nam Nguyens Familie wird nur vietnamesisch gesprochen, Deutsch hat er in Kindergarten und Schule gelernt. Neben Vietnamesisch und Deutsch spricht er auch fließend Englisch und Französisch und lernt außerdem Latein. Dass er außergewöhnlich begabt ist, beweist auch sein Klavierspiel, das hat er sich nämlich vor dreieinhalb Jahren selbst beigebracht. „Die Noten habe ich in der Schule gelernt. Zu Hause stand ein E-Piano, dann habe ich einfach angefangen zu üben“, erzählt er. Der Autodidakt ist inzwischen so gut, dass er kürzlich beim deutsch-französischen Talentwettbewerb in der Aula des Alfred-Grosser-Schulzentrums auftrat. Zu seinen weiteren Hobbys zählen Theater spielen und das Singen in einem Chor. Wohin in den USA die Reise geht, weiß er noch nicht. „Ich weiß nichts über meine Gastfamilie“, sagt er. Nam hat einen Brief an seine Gastfamilie geschrieben. Anonym – das ist vorgeschrieben, um jegliche Diskriminierung auszuschließen. „Ich bin völlig offen“, betont er. Respekt gegenüber allen Menschen sei ihm das Wichtigste. Er sei relativ fit in Englisch, versichert er, hoffe aber, dass er sein Englisch in den USA verbessern könne. Nam Nguyen wird im August in die USA fliegen. Er wird dort ein Jahr in die örtliche Schule gehen, anschließend plant er, die zwölfte Klasse im Alfred-Grosser-Gymnasium zu besuchen. „Ich habe die Option, dann in die elfte oder in die zwölfte Klasse zu gehen“, sagt er. Er habe allerdings den Ehrgeiz, direkt in der Zwölften weiterzumachen. Egal wie: „Ein verlorenes Jahr ist die Zeit in Amerika auf gar keinen Fall“, ist er sich sicher. Während seines USA-Aufenthaltes wird er den E-Mail-Kontakt mit Thomas Gebhart pflegen. „Ich werde regelmäßig nachfragen, wie es ihm geht. Und falls es Probleme geben sollte, werde ich helfen“, verspricht der Bundestagsabgeordnete.