Kreis Südliche Weinstraße 60-Stunden-Woche

Bad Bergzabern. „Ich habe es aus Interesse gemacht und werde die Arbeit vermissen“, ist das persönliche Fazit von Bernhard Hülswitt. Nach 20 Jahren scheidet er zum Jahresende als Leiter der Volkshochschule Bad Bergzabern aus. Mindestens verdoppelt hätten sich in dieser Zeit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit nicht nur der bürokratische und der inhaltliche Aufwand, sondern auch die Kurse und die Teilnehmer.
Drei Umzüge der 1962 aus dem Städtischen Volksbildungswerk hervorgegangenen VHS hat er mitgemacht. Bis zu den jetzigen Räumen im Alten Rathaus in der Marktstraße. Mit einem eigenen Büro, drei Räumen für Sprachkurse, einem Computerraum und einem Raum für Gesundheitskurse. „Die Zahl der Kurse liegt mittlerweile bei rund 100, die der Teilnehmer bei mehr als 1000“, erzählt der 77-jährige fünffache Vater, der ausgeglichen und freundlich wirkt. „Ausraster habe ich selten“, sagt Bernhard Hülswitt schmunzelnd. Als pädagogischer Leiter hat er die Programme zusammengestellt, die Kursleiter engagiert, Weiterbildungen besucht und die Finanzen im Griff gehabt. „60 Stunden in der Woche sind es mindestens“, sagt er in seinem Büro, im dem die Germanistin Heike Ruf, die auch Integrationskurse gibt, mit einer halben Stelle das Büro leitet. Für seinen ehrenamtlichen Einsatz bekommt er eine mittlerweile gekürzte Aufwandsentschädigung von 336 Euro im Monat. „Es ist ein Markenzeichen und Alleinstellungsmerkmal. Wir sind die einzigen in den Kreisen SÜW und Germersheim mit diesem Angebot“, sagt er zu den Integrationskursen, die er 2005 initiiert hat und die ihm am Herzen liegen. „Ich freue mich immer, wenn mich die Kursteilnehmer auf der Straße grüßen“, so Hülswitt. 200 Menschen, die mit einer Aufenthaltsgenehmigung in der Region leben, haben die Kurse seither besucht. Der große Wunsch von Bernhard Hülswitt ist es, dass die Integrationskurse fortgeführt werden können, deshalb hat er in den vergangenen Monaten zusammen mit Heike Ruf acht Fortbildungen besucht, um die dafür notwendige Zertifizierung der VHS auf den Weg zu bringen. „Die Integrationskurse sind ein wichtiger Bestandteil, um Flüchtlinge und Migranten einzugliedern“, ist er überzeugt. Geboren wurde Hülswitt 1937 in Recklinghausen in einer Bergmannsfamilie. „Es war hart“, sagt er zur Kinderlandverschickung, die ihn als kleinen Bub kriegsbedingt zwei Jahre von der Familie getrennt hat. Er besuchte das Benediktinerkloster St. Otilien am Ammersee und studierte Theologie und Latein in Münster, denn eigentlich sollte er Priester werden. Nach sechs Jahren entschied er sich dagegen, wurde Lehrer und kam 1977 mit seiner Familie nach Bad Bergzabern, wo er bis 2001 am Gymnasium Religion, Latein und Geschichte unterrichtete. Geheiratet hat er seine Frau Christine 1965, zur Familie gehören auch elf Enkel. Ab 1979 war Hülswitt Mitglied des Stadtrates in der CDU-Fraktion, davon eine Periode als Beigeordneter. Zehn Jahre lang war er Ortsvorsteher in Blankenborn. Ein großes Anliegen ist dem scheidenden Leiter, dass die VHS selbstständig bleibt. „Bei einer Eingliederung in die Kreis-VHS hätte die Stadt keinen Einfluss mehr auf die Gestaltung und es wäre auch finanziell kein Vorteil“, so Hülswitt. (pfn)