Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel 60 Jahre Elektronikzentrum der Bundeswehr: Über Karrieren und Chancen

 Ausbildungsleiter Alexander Hieb mit den Auszubildenden Enrico Siebert und Lea Hauck.
Ausbildungsleiter Alexander Hieb mit den Auszubildenden Enrico Siebert und Lea Hauck.

Sie ist seit sechs Jahrzehnten der größte Ausbilder der Region: die Ausbildungswerkstatt des Elektronikzentrums der Bundeswehr. Der spätere Ministerpräsident Kurt Beck war 1963 der erste Auszubildende – weil sein Nachname mit B anfängt. Er hat bis heute Vieles mitgenommen

Die 21-jährige Lea Hauck hat die Ausbildung zur Elektronikerin für Geräte und Systeme, die dreieinhalb Jahre dauert, fast beendet. Der 25-jährige Sebastian Kaletta ist im ersten Ausbildungsjahr. „Das Alter der Auszubildenden ist ganz unterschiedlich, es gab auch schon 36-Jährige“, sagt der Leiter der Ausbildungswerkstatt, Alexander Hieb. Er hat 1993 selbst seine Ausbildung im Elektronikzentrum in Bad Bergzabern gemacht und war lange Ausbildungsmeister.

Lea Hauck ist vor einigen Jahren über den Tag der offenen Tür zu dieser Ausbildung gekommen. Und es passt für sie. Sie will anschließend Elektrotechnik studieren. Problematisch war für sie die Corona-Zeit. Eine der zwei entscheidenden Prüfungen musste verschoben werden, denn zunächst war die Ausbildungswerkstatt geschlossen. Dann wurden die Klassen halbiert und ein Zweischichtsystem gefahren: Die einen waren zu Hause, die anderen vor Ort. „Es war sehr schwierig, Telearbeit geht beim praktischen Teil der Ausbildung nicht“, erinnert sich Alexander Hieb. Lea Hauck hat die erste Prüfung viel später geschrieben und mit Bravour bestanden.

Was den Azubis bezahlt wird

Sebastian Kaletta hat schon einige Semester Maschinenbau hinter sich, war zwei Jahre bei der Bundeswehr und ist Offizier der Reserve. Nach den Erfahrungen im Studium wollte er mehr Praxis. „Genau so habe ich es mir vorgestellt, sagt er zu seiner Ausbildung. „Die Praxis ist ganz wichtig und hier ist alles unter einem Dach.

Der Ausbildungsleiter legt Wert auf innovative Projekte, mit denen sich die Auszubildenden ausprobieren können. Attraktiv sei auch die in seinen Augen angemessene Vergütung von mehr als 1000 Euro im ersten Jahr. Locker nehmen Lea Hauck und Sebastian Kaletta die 39-Stunden-Woche – mit Beginn um sieben Uhr. „Man gewöhnt sich daran“, sagen Lea Hauck und Sebastian Kaletta lachend, die aus Billigheim beziehungsweise Landau sind.

Erst Elektronikzentrum, dann Landesparlament

Wenn Stellen in den Werkstätten des Elektronikzentrums frei sind, werden Auszubildende übernommen. Aber mit dieser Ausbildung einen Job zu finden, ist wohl kein Problem. „Es gibt 130 Möglichkeiten, eine Anstellung zu bekommen. In der Region sind wir der größte Arbeitgeber“, sagt der Leiter des Elektronikzentrums, Oberstleutnant Wolfgang Eder.

1963 hat der spätere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck seine Ausbildung in Bad Bergzabern angefangen. Mit 14 Jahren war er damals der Jüngste. Er kann beim Gespräch mit der RHEINPFALZ wegen eines Krankenhausaufenthaltes nicht dabei sein, ist aber telefonisch zugeschaltet. „Meine Eltern wollten, dass ich mich bewerbe. Damals hieß die Ausbildung Elektromechaniker“, erzählt Kurt Beck. Das heutige Elektronikzentrum war damals das Heeresinstandsetzungswerk der Bundeswehr. „Es war der erste Tag nach Ostermontag, damals musste man einen blauen Anton anziehen.“ Ein blauer Anton ist ein Overall für die Arbeit.

Eine Regel fürs Leben gelernt

Seine erste Aufgabe sei die Bearbeitung eines U-Stücks aus Metall gewesen. Aber zunächst habe eine Erhöhung gebaut werden müssen, weil er für die Höhe des Schraubstocks zu klein gewesen sei. „Es war für mich eine ganz neue Welt und am Anfang sehr viel, deshalb waren meine Leistungen im ersten Jahr nicht gerade überragend.“ Stringent seien die Ausbilder schon gewesen. „Wer seinen Arbeitsplatz nicht in Ordnung hält, kann nichts“, sei eine der Regeln gewesen, die ihn geprägt habe. „Auch viel später als Ministerpräsident war mein Schreibtisch immer aufgeräumt.“ Und den Willen Probleme zu lösen, habe er ebenfalls mitgenommen.

„Die Ausbildungswerkstatt und das Elektronikzentrum haben für mich eine ganz große Bedeutung. Ich habe eine große Verbindung zu den Menschen hier“, fasst Kurt Beck zusammen. Nach seiner Lehre war er als Zivilbeschäftigter Funkelektroniker in den Werkstätten tätig, 1968 wurde er Personalratsvorsitzender. Bis 1985 war er in unterschiedlichen Funktionen bei der Bundeswehr beschäftigt, auch in Heidelberg. Er habe Respekt vor den heutigen Lehrinhalten. Hieb betont: „Man merkt seine Verbundenheit. Wenn er hier ist, kennen ihn sehr viele Leute und duzen ihn auch.“

Mehr als 1500 Auszubildende in 60 Jahren

Das Gebäude der Ausbildungswerkstatt sieht zwar noch genau so aus wie in den 1960er-Jahren, aber durch die technischen Entwicklungen hat es in der Ausbildung große Veränderungen gegeben. Gesunken ist die Zahl der Ausbilder, von einst zwölf auf heute neun. „Mehr als 1500 Auszubildende haben in den vergangenen 60 Jahrzehnten hier eine Ausbildung gemacht, 30 Prozent davon bleiben im Schnitt in unseren Werkstätten“, nennt Wolfgang Eder die Zahlen.

Info

Der Tag der offenen Tür zum 60-jährigen Bestehen der Ausbildungswerkstatt des Elektronikzentrums der Bundeswehr in Bad Bergzabern ist am Freitag von 10 bis 15 Uhr. Der offizielle Teil beginnt um 11 Uhr, an der unter anderem Staatsminister Alexander Schweitzer und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Thomas Hitschler, teilnehme. Zu hören ist Purple Paradise, die Band der Ausbildungswerkstatt.

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