Kreis Südliche Weinstraße 400 Jahre Weinbau in der Familie

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Eines der größten privaten Weingüter in Deutschland mit einer bewirtschafteten Rebfläche von 160 Hektar ist Heinz Pfaffmann in Walsheim. Ein weiterer Superlativ kommt ab Herbst dazu: Dann ist die Umstellungsphase auf Bio beendet und Gustav Pfaffmann, der vor vier Jahrzehnten den Betrieb von seinem Vater übernommen hat, ist dann wahrscheinlich der größte private Biowinzer in Europa.

2016 ist ein besonderes Jahr, gefeiert wird das Jubiläum „400 Jahre Weinbau in der Familie“. Es gibt allerdings keinen Festakt mit lobpreisenden Reden, wie Gustav Pfaffmann sagt, es sind nur einige an die Anfänge 1616 erinnernde Veranstaltungen für Kunden, Händler und Freunde geplant. Der 62-jährige Winzer und Weinbautechniker wird dann seine Gäste durch einen blitzsauberen, mit moderner Technik ausgestatteten Betrieb führen. Er ist die 17. Generation in der Winzerfamilie und stolz, wie sich das Gut seit seinem Wechsel an die Spitze entwickelt hat. Damals lag die Rebfläche bei 15 Hektar, durch Zukauf und Pacht hat sie sich bis heute mehr als verzehnfacht. Die Jahresproduktion an Wein im Weingut Heinz Pfaffmann liegt nach Angaben des Chefs bei 1,5 Millionen Liter. Nur fünf Prozent davon gehen an Privatkunden, der Großteil der Weine wird über den Handel vertrieben. 20 Prozent werden exportiert. Der größte deutsche Biowinzer wird hinsichtlich seiner Anbaufläche in Deutschland nur von den hessischen Staatsweingütern und dem Juliusspital bei Würzburg übertroffen. „Ich bin ein experimentierfreudiger Mensch“, sagt Gustav Pfaffmann über sich. Deshalb fasste er „aus Überzeugung“ um 2010 den Entschluss, auf Bio umzustellen. Sein Ziel war es, sich im Jubiläumsjahr Biowinzer nennen zu dürfen. „Ab diesem Jahr werden alle meine Weine vegan zertifiziert, das heißt Verzicht auf alle tierischen Zusatzstoffe beim Ausbau“, berichtet er im RHEINPFALZ-Gespräch. Durch drei Universitäten wird er dabei wissenschaftlich begleitet. Und warum bio? Diese Frage muss Gustav Pfaffmann immer wieder beantworten: „Mir geht es darum, neue Absatzmärkte zu gewinnen, vor allem im Ausland. Ich habe zudem die Verbraucher im Blick, die Wert auf gesunde Ernährung legen.“ Angefangen hat alles 1616, als die aus Franken kommende Winzerfamilie Baumüller und Brodbeck sich in Walsheim niederließ und einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Weinanbau gründete. Die Gründer waren Angehörige von Pfaffmanns Vorfahren mütterlicherseits. Erst 1965 wurde aus dem Gemischtbetrieb ein reines Weingut. An das Gründungsjahr erinnert der Torbogen mit der Jahreszahl 1616, der in den historischen Innenhof führt. Das Weingut Heinz Pfaffmann hat im Laufe der Jahre eine Vielzahl von Auszeichnungen für seine Weine erhalten. Man muss beim Inhaber schon direkt nachfragen, um zu erfahren, dass sechs Staatsehrenpreise von Rheinland-Pfalz und sechs Bundesehrenpreise zur Trophäensammlung gehören. Seit Jahren wird das Haus in den „Top 100“ der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft geführt. Die bewirtschafteten Weinberge liegen in zwölf Gemarkungen rund um Walsheim, allesamt im Bereich Südliche Weinstraße. Auf eines legt Gustav Pfaffmann besonderen Wert: „Wir verarbeiten nur Trauben aus eigenem Anbau.“ Die Rebstöcke sind bis zu 40 Jahre alt. Die Lagerkapazität in Holz- und Stahlfässern liegt bei eineinhalb Millionen Liter. Die Rotweine werden in großen Holz- und Barriquefässern ausgebaut. Alle Arbeitsprozesse und Entscheidungen im Keller werden per EDV festgehalten und dokumentiert. Die Arbeitsweise beim Weingut Heinz Pfaffmann erläutert der Inhaber im Telegrammstil: Verwendung ausschließlich von organischem Dünger. Einsatz von Pheromonen statt Insektiziden. Minimalschnitt bei den Reben (machen nur wenige Betriebe in der Pfalz). Sorgfältige Selektion der Trauben. Teilweise Handlese (in den Premiumlagen). Ernte nur von vollreifen und gesunden Trauben. Moderne Kellertechnik. Temperaturgesteuerte Vergärung. Biologischer Säureabbau. „Verschmelzung von Tradition und Fortschritt“ nennt der Inhaber das, was er tut. Unterstützt wird er dabei durch 20 fest angestellte Mitarbeiter und 40 Saisonkräfte. Bei Gustav Pfaffmann laufen im Betrieb alle Fäden zusammen. Als Kellermeister fungiert Eugen Schurk. Das Büro wird von Ehefrau Anna Pfaffmann geleitet. Pfaffmann ist Mitglied des Barrique-Forums Pfalz und bei „Pro Riesling“. Im Anbau sind neben allen traditionellen Sorten auch Neuzüchtungen wie Syrah oder Manzoni Bianco, berichtet der Chef. (güw)

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