Rohrbach RHEINPFALZ Plus Artikel 3D im Glas: Pfälzer Unternehmen punktet mit Laser-Power

VIP-Laser-Geschäftsführer Andy Glaser mit Mitarbeiterin Caroline Gräßer und einem großen Glaskristall.
VIP-Laser-Geschäftsführer Andy Glaser mit Mitarbeiterin Caroline Gräßer und einem großen Glaskristall.

Eine Messe brachte die Idee, eine 75.000-Euro-Maschine den Start. Die Pfälzer Firma VIP-Laser setzt auf 3D-Glas und behauptet sich in einem Nischenmarkt.

Einen entscheidenden Impuls für seinen beruflichen Weg erhielt Andy Glaser auf der Fachmesse „Hobby und Elektronik“ in Stuttgart. Dort entdeckte er Glasobjekte mit innenliegender Lasergravur – die Kombination aus Präzision und Lichtwirkung weckte sein unternehmerisches Interesse. Schnell sei ihm jedoch klar geworden, dass der Einstieg in Glasgravur und Lasertechnik mit hohen Investitionen verbunden sei: teure Maschinen sowie hohe technische Komplexität, schildert er seine Überlegungen.

Besonders gerne werden von den Kunden Glasquader für persönliche Gravuren genutzt.
Besonders gerne werden von den Kunden Glasquader für persönliche Gravuren genutzt.

Andy Glaser handelte deshalb nicht überstürzt. Mehrere Jahre verfolgte er die Entwicklung der Branche, informierte sich über Hersteller und analysierte die Wettbewerbssituation. Vier bis fünf Jahre nach dem ersten Kontakt mit der Technologie traf er die Investitionsentscheidung. Sein erster Laser für Glaskristalle kostete 75.000 Euro. „Das war eine bewusst hoch gesetzte Einstiegshürde. Ich wollte ein hohes Risiko eingehen und habe an mich und das Business geglaubt“, sagt der Firmenchef.

Zunächst in IT-Unternehmen tätig

Zu dieser Zeit lebte und arbeitete der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann in München. In einem IT-Unternehmen verantwortete er Aufgaben in Vertrieb und Einkauf, der Wunsch nach etwas Eigenem blieb jedoch präsent. Die erste Laseranlage stellte er in seiner 60-Quadratmeter-Wohnung auf, das Unternehmen startete im Nebenerwerb. Das technische Wissen eignete sich Andy Glaser vollständig selbst an. Bedienung, Wartung, Software und Prozessoptimierung entwickelte er nach dem Prinzip „Learning by doing“.

Glaskristalle stehen im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt der Produktion von VIP-Laser in Rohrbach stehen Glaskristalle in unterschiedlichen Größen, die im Inneren per Laser graviert werden. Die gängigste Variante misst 80 x 50 x 50 Millimeter, größere Modelle erreichen bis zu 250 x 150 x 120 Millimeter und wiegen rund 22 Kilogramm. Aus fein gesetzten Laserpunkten entsteht ein dreidimensionales Motiv.

Hunderte Artikel können mit einer Laser-Gravur versehen werden.
Hunderte Artikel können mit einer Laser-Gravur versehen werden.

Der Laser bündelt Energie an einem Punkt im Inneren des Glases und erzeugt dort eine winzige Mikroriss-Struktur. „Mehrere Hunderttausende bis Millionen dieser kleinen Punkte ergeben dann das Motiv“, erklärt der Firmenchef. Namen, Daten oder persönliche Sprüche zählen zu den häufigsten Wünschen, auch saisonale Anlässe wie der Valentinstag spielen im Privatkundensegment eine Rolle. Neben 3D-Darstellungen sind zweidimensionale Gravuren möglich.

Technik und gestalterisches Gespür

Die Herstellung dauert in der Regel etwa einen Tag – abhängig von Motiv, Größe und Stückzahl. „LED-Leuchtsockel betonen die Gravuren und verstärken die räumliche Wirkung“, sagt Andy Glaser. Die Arbeit erfordert technisches Verständnis und ein ausgeprägtes Gespür für Ästhetik. Motive müssen so aufbereitet werden, dass sie im Glas ihre Wirkung entfalten.

Blick ins Lager von VIP-Laser.
Blick ins Lager von VIP-Laser.

Der Umgang mit 3D-Software ist zentral: Vorlagen werden digital modelliert, angepasst und für die Lasertechnik optimiert. Über die Jahre wurde der Maschinenpark kontinuierlich erweitert. Heute stehen Glaser und seinem fünfköpfigen Team mehrere Lasergravurmaschinen zur Verfügung, darunter Faserlaser und CO2-Laser, die je nach Art des Auftrags eingesetzt werden. Die Glasrohlinge bezieht das Unternehmen überwiegend aus Asien, die Veredelung erfolgt vollständig am Standort in Rohrbach.

Etablierung am Markt

Vor acht Jahren kehrte Glaser in seine Heimat zurück. Ursprünglich aus Kandel stammend, entschied er sich bewusst für die Südpfalz. Seit 2020 befindet sich der Firmensitz in Rohrbach, wo rund 450 Quadratmeter für Produktion, Lager und Versand zur Verfügung stehen. Vor drei Jahren übernahm er zusätzlich den Onlineshop „Haus der Unikate“, der rund 700 Artikel umfasst, die graviert werden können.

Der Online-Shop von Andy Glaser umfasst mehr als 700 Artikel, die graviert werden können.
Der Online-Shop von Andy Glaser umfasst mehr als 700 Artikel, die graviert werden können.

„Unser Fokus sind unsere 3D-Glaskristalle und -fotos“, sagt Glaser. Darüber hinaus graviert das Unternehmen auch Holzprodukte wie Schneidebretter oder Schmuck, Kinderbestecke und Schreibwaren. Kundinnen und Kunden kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, einzelne Aufträge auch aus dem Ausland. Neben dem Privatkundensegment gewinnt der Bereich Geschäftskunden an Bedeutung. Unternehmen bestellen Glasobjekte für Jubiläen, Ehrungen oder besondere Anlässe, auch öffentliche Verwaltungen gehören zu den Auftraggebern.

800.000 Euro Jahresumsatz

Der Jahresumsatz liegt aktuell bei rund 800.000 Euro, in wirtschaftlich besonders starken Jahren seien bis zu 1,7 Millionen Euro erreicht worden, sagt Andy Glaser. Der Markt ist spezialisiert und überschaubar. Die hohe technische Einstiegshürde – verbunden mit Investitionskosten, Softwarekenntnissen und Erfahrung – begrenze den Wettbewerb. In Deutschland gebe es schätzungsweise rund 30 Anbieter mit individuell gestalteten Glasquadern, fünf davon gelten als größere Marktteilnehmer. „Dazu gehören wir“, sagt Glaser. Stehen bleiben dürfe man aber nicht: „Man muss sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen.“

x